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Kaplan Ernst Willenbrink kümmert sich um Deko und um Trucker

Seelsorge zwischen Tannenbäumen und auf dem Rastplatz

  • „Die Tanne gehört zu Weihnachten, wie das Kind in der Krippe“, ist der Kaplan Ernst Willenbrink überzeugt.
  • Er hat zu Christbaumspenden aufgerufen als Dekoration für die Christmette, die die Lengericher Gemeinde Seliger Niels Stensen in diesem Jahr auf der Freilichtbühne Tecklenburg feiert.
  • Seelsorge funktioniert für ihn auch in der Weihnachtsbaum-Schonung - und im Anschluss auch auf dem Autobahn-Rastplatz.
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Es ist kalt, nebelig und unter den Schuhsohlen quietscht der Lehm. Die Nordmanntannen ragen hoch in den Winterhimmel. „Da ist sie“, ruft Ernst Willenbrink und deutet auf ein schlankes 3,50-Meter-großes Exemplar. Der Kaplan der Lengericher Gemeinde Seliger Niels Stensen ist unterwegs auf der Suche nach den Christbäumen, die in diesem Jahr die Kirche St. Michael in Tecklenburg schmücken werden. Ausgesucht hat Willenbrink die Tanne bereits im Herbst. Jetzt besucht er Rita Galle-Schneebecke nochmal persönlich um ihr für den Einsatz zu danken, denn der Forsthof spendet seit über zehn Jahren die Tannen für die Kirche: „In diesem Jahr ist zwar alles etwas anders, aber einen Christbaum, das erwarten die Leute“, sagt die pensionierte Juristin aus Ledde.

Der Hof Schneebecke hat eine 500-Jährige Familiengeschichte. Ihr Sohn Benedikt führt ihn weiter, neben den 120 Hektar im Habichtswald wurde eine Niederlassung mit Ostseetannen und Sanddorn in Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut. Ernst Willenbrink hatte außerdem einen Aufruf gestartet, wer Tannenbäume für die Christmette an Heiligabend auf der Freilichtbühne Tecklenburg stiften könne. Beim Schmücken und Aufstellen erhält er Unterstützung von den Pfadfindern Tecklenburg.

 

Gespräche über Gott und die Welt - auch in einer Tannenbaumschonung

 

„Die Tanne gehört zu Weihnachten, wie das Kind in der Krippe“, ist der Kaplan überzeugt. Besonders wichtig sind ihm bei solchen Terminen die Menschen, mit denen er ins Gespräch kommt: „Ich möchte ja wissen, welche Themen die Gemeinde bewegen“, sagt er. Im Moment überwiegen Sorgen über den Umgang mit Corona. Rita Galle-Schneebecke ist unsicher, ob sie derzeit zu den Gottesdiensten gehen sollte. „Die Hygienekonzepte liegen vor“, sagt Ernst Willenbrink. Bei offene Angeboten wie der „Spirituellen Tankstelle“ in St. Michael mit Kerzen, Impulsen und besonderem Licht könne jeder mit viel Abstand in die Kirche kommen.

Auch berichtet er nochmal von der geplanten Feier auf der Freilichtbühne um 17 Uhr am Heiligabend. „Dort können sich die Leute auch Tee und Decken mitbringen. Das macht man doch sonst auch, wenn einem kalt ist - warum nicht auch im Gottesdienst?“ sagt der Kaplan. 120 Personen hätten sich bereits angemeldet. Er kann es aber auch verstehen, wenn sich die Gläubigen erst kurz vorher entscheiden.

Rita Galle-Schneebecke wird mit ihren Enkeln in der eigenen Hofkapelle eine Hausandacht halten. Jahrzehnte war diese auch Anlaufstelle der Tecklenburger für Maiandachten: „Das ist das Schönste für mich, hier auf dem Hof mit meinen Kindern und den Enkeln zu feiern“, sagt sie.

 

Weihnachtstüten für die LKW-Fahrer

 

Für Ernst Willenbrink geht es aus der Schonung direkt auf den Rastplatz. Gemeinsam mit Pfarrer Peter Kossen hat er ein neues Projekt angeschoben: „Wir möchten am dritten Advent den Truckern auf den Raststätten an der A1 im Tecklenburger Land eine Weihnachtstüte anbieten“, sagt er. Das Motto der Gemeinde im neuen Kirchenjahr laute „Seid wachsam. Schaut hin!“. Es stehen besonders jene Menschen im Fokus, die keine Lobby haben: „Wir sehen, dass die LKW-Fahrer einen vielleicht sehr tristen Adventssonntag auf den Rastanlagen auf unserem Gemeindegebiet verbringen“, sagt Kaplan Willenbrink.

„Die Arbeitsbedingungen in dieser Branche sind das nächste Feld, dem wir uns zuwenden müssen“, ergänzt Pfarrer Kossen auf Nachfrage von „Kirche-und-Leben.de“ und verweist auf das hohe, persönliche Risiko, dem die Fahrer bei minimalsten Löhnen ausgesetzt seien. Mit den 150 Tüten, gefüllt aus Sachspenden aus der Gemeinde, wollen die Seelsorger den Truckern Wertschätzung zeigen.

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