Neues Buch „Himmel 4.0“ von Erik Händeler

Was Industrie 4.0 mit dem Evangelium zu tun hat

Himmel 4.0 – dieser Buchtitel klingt originell. Erik Händeler hat ihn gewählt, weil Industrie 4.0 heute ein populärer Begriff ist. Gemeint ist damit, dass die zunehmende Digitalisierung die Wirtschaft und die Gesellschaft gravierend verändert.

Auf die industrielle Revolution mit Dampfmaschine und Eisenbahn folgte die zweite Phase mit der Elektrifizierung, dann Industrie 3.0, das Computerzeitalter. In der vierten, aktuellen Phase greift das „Internet der Dinge“ massiv in unser Leben ein: Mit 3D-Druckern lassen sich Gegenstände herstellen; Roboter übernehmen Handgriffe von Fließbandarbeitern, und bald werden selbstfahrende Autos im Straßenverkehr unterwegs sein.

Vertraut mit Evangelium und Digitalisierung

Händeler kennt sich in der Wirtschaft ebenso aus wie in der katholischen Kirche – der Wirtschaftsjournalist und Zukunftsforscher hält viele Vorträge und wirkt in Bayern mit im Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV). Die digitale Entwicklung hält er für eine Riesenchance, das Evangelium umzusetzen. Warum er das so sieht, darum dreht sich sein schmales Buch.

Nicht, weil er den christlichen Glauben für mehr Profit missbrauchen will. Nein, sagt Händeler. Ihm kommt es darauf an, den Wandel in der Welt verständlich zu machen. Wirtschaft und Religion, so seine These, verändern sich gegenseitig. Ein Beispiel: Im Hochmittelalter wurden Kaufleute durch Fernhandel reich. Aber es entstand auch ein Lumpenproletariat. In dieser wirtschaftspolitischen Situation habe Franz von Assisi dem neuen Wohlstand die radikale Armut des Evangeliums entgegengehalten.

„Marktrealität beibehalten“

Händeler schildert den Zusammenhang zwischen Technik und Glauben so ausführlich, weil dies helfe, die Kirche neu zu ordnen. „Manche Gläubige, Kirchenmitarbeiter und Theologen, deren Lebensunterhalt von Steuern oder gar von Kirchensteuergeldern gedeckt ist, kennen nicht die Zwänge des Überlebens am realen Markt, auf dem das Geld mal leichter oder mal schwerer verdient ist, je nach tagesaktuellen Bedürfnissen und gefragter Kompetenz.“ Wer sich vorrangig mit Glaubensthemen beschäftige, nehme Wirtschaft nur wahr unter Themen wie Umverteilung oder Ausbeutung.

Das Cover des Buches.
Das Cover des Buches.

Heute seien im Arbeitsleben neue Anforderungen gefragt: In der Wissensgesellschaft müssten Unmengen an Informationen bewältigt werden. Das gelinge nur durch offene, ehrliche Kommunikation, durch flache Hierarchien und durch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Nötig sei dafür auch eine effiziente Streitkultur.

Originelle, aber abstrakte Gedanken

Unternehmen könnten nur dann am Markt bestehen, wenn sie die neue Universalethik annähmen. Deren Grundsatz laute: „Ich habe ein echtes Interesse am gleichberechtigten Wohlergehen des anderen und achte seine berechtigten Interessen.“

Diese Universalethik kommt laut Händeler in ihren Werten dem Evangelium und Christentum viel näher als Ethiken, die stärker auf den Einzelnen abzielen oder auf geschlossene Gruppen (etwa ein Volk oder eine Religion). „Wenn die Kirchen es schaffen, die sich daraus ergebende neue Offenheit der Menschen zu nutzen, bekommen sie die einmalige Möglichkeit, mit ihrer Botschaft ganz neu Gehör zu finden“, ist der Wirtschaftsexperte überzeugt. „Christentum ist Zukunftsreligion, weil das Evangelium das Wohl aller einschließt, auch jener außerhalb der eigenen Gruppe.“

Erik Händeler: „Himmel 4.0: Wie die digitale Revolution zur Chance für das Evangelium wird“, 112 Seiten, 10 €, Brendow-Verlag 2017, ISBN 978-3-96140-022-5.

Viele Gedanken hören sich abstrakt an, aber sie sind originell. Das Buch ist wichtig und lesenswert, weil sich auch die Kirche und die katholische Soziallere mit dem Wandel durch die Digitalisierung beschäftigen müssen.