Pater Daniel Hörnemann aus der Abtei Gerleve: „Um Antwort wird gebeten“

Auslegung der Lesungen vom 28. Sonntag im Jahreskreis (A)

Das hat ja geklappt: Diejenigen, die zur Hochzeit eingeladen sind, kommen erst gar nicht - und dann benehmen sich die spontanen Ersatz-Gäste kräftig daneben. Was sagt das über Gott? Pater Daniel Hörnemann von der Abtei Gerleve beginnt mit einem Ausflug ins Kino.

Als ersten Kinofilm, der es je in ein päpstliches Lehrschreiben schaffte, zitierte Papst Franziskus in „Amoris Laetitia“ „Babettes Fest“ von 1987 nach der Novelle der dänischen Autorin Tania Karen Blixen.

Die Köchin Babette gewinnt in einer Lotterie 10 000 Francs und bittet die beiden Schwestern, die sie aufgenommen haben, ein Festessen im französischen Stil ausrichten zu dürfen. Damit will sie ihren Dank für die Gastfreundschaft der Schwestern und der Dorfgemeinschaft zum Ausdruck bringen. Sämtliche Zutaten für das Mahl lässt sie eigens aus Frankreich kommen. Die Schwestern und die Gäste nehmen die Einladung zwar an, wollen jedoch entsprechend ihrer asketischen, gottesfürchtigen Lebensweise der Versuchung durch diese weltlichen Genüsse widerstehen und Babettes Kochkünste mit keinem Wort loben.

Fromme Vorsätze über Bord

Mit steigendem Alkoholkonsum werden jedoch die frommen Vorsätze über Bord geworfen, die Gäste erfahren das Festmahl als Sinnesfreude und lösen sich aus ihrer Erstarrung. Am Ende erklärt Babette den beiden fassungslosen Schwestern, dass die Kosten für dieses Mahl den ganzen Gewinn aufgezehrt haben. Sie ist wieder arm wie zuvor und möchte nur weiterhin in der Gemeinschaft der beiden Schwestern leben: „Süß und belebend ist die Freude, anderen Vergnügen zu bereiten und zu sehen, wie sie genießen.“

Das Evangelium vom 28. Sonntag im Jahreskreis (A) zum Sehen und Hören auf unserem Youtube-Kanal.

Ein Festmahl „mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen“ (Jes 25,6) wollte ein anderer großzügiger Gastgeber den von ihm auf Bergeshöhe eingeladenen Gästen bereiten. Es sollte alles andere als eine geschlossene Gesellschaft werden, die ganze Welt erhielt Zutritt. Zuvor beseitigt der göttliche Gastgeber die Trauerverhüllungen und die Ursache der Trauer, den Tod, für immer.

Alle Spuren von Leid, alle Tränen werden abgewischt, alle Lasten von den Schultern genommen. Es sollte ein Gipfelerlebnis werden und zu der bleibenden Erkenntnis „Seht, so ist unser Gott!“ führen. Wer auf ihn seine Hoffnung setzt, der wird eben nicht enttäuscht. Diese Verheißung soll sich an allen Menschen, gleich welcher Nation, Religion oder Kultur erfüllen. Sein Heilswille ist universal und absolut.

Einladung wurde ignoriert

Auch Jesus spricht in einem Gleichnis von einem König, der zum Hochzeitsmahl seines Sohnes einlädt. Doch die festliche Freude will sich nicht einstellen. Die Eingeladenen erscheinen nicht, sie haben wohl kein Interesse, keine Zeit, keine Lust. Sie kümmern sich nicht um die Einladung und machen ihr eigenes Ding. Der Gastgeber wiederholt noch einmal seine Einladung und erfährt schmerzliche Zurückweisung und Ablehnung.

Auf Wienerisch gesagt „Den ignoriern mer ned amoi!“, das ist die bitterste Erfahrung von Gleichgültigkeit. Unglaublich: Die einen lassen nicht ab von ihren Alltagsgeschäften, die anderen gehen sogar gewaltsam gegen die Hochzeitsbitter vor und bringen sie um. Es trifft sie nun der Zorn des Gastgebers, der aber immer noch nicht locker lässt und nach Gästen sucht.

Keine Frage der Etikette

Schließlich füllt sich der Festsaal mit Guten und Bösen, direkt von der Straße. Alle finden Platz beim großen Mahl. Der Gastgeber schaut sich die Gesellschaft genau an. Da ist einer dabei ohne Hochzeitsanzug. Wo hätte er ihn auch so rasch hernehmen sollen, kam er doch gerade von der Straße in den Festsaal? Doch dieser Gast würdigt den Gastgeber auf dessen Nachfrage nicht einmal einer Antwort. Die passende Kleidung ist hier nicht eine Frage der Höflichkeit, der Etikette oder des Knigge. Das fehlende Hochzeitsgewand steht symbolisch für die mangelnde rechte innere Einstellung.

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann OSBPater Daniel Hörnemann OSB ist Subprior der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von „Kirche+Leben“. | Foto: Markus Nolte

Der Gastgeber hat alle eingeladen und niemanden ausgeschlossen, seine Liebe müsste alle Eingeladenen „anziehen“ und „umkleiden“. Dieser Gast ist jedoch innerlich nicht bei der Feier, er schließt sich selbst aus. Er ist zwar körperlich anwesend, aber geistig und stimmungsmäßig ganz woanders.

Gott lädt Gute wie Böse ein

Unter mancher Einladung steht ausdrücklich: „Um Antwort wird gebeten!“ Man erwartet eine Reaktion. Nicht jede Einladung kommt gelegen. Wenn ich allerdings auf die Einladung Gottes nicht reagiere, wie soll der, der eigentlich Ja zu mir sagt, auf mein Nein antworten? Auch wenn die Menschen ihn abweisen und ignorieren, dieser Gott wiederholt unermüdlich seine Einladung und schenkt denen Zuwendung, die seine Gäste sein wollen. Er ist und bleibt ein zuvorkommender Gott.

Wir brauchen keine Qualifikation und müssen keine Vorbedingungen erfüllen, er lädt Gute wie Böse ein. Das Gefühl stellt sich ein: Wer nicht dabei ist, der hat etwas verpasst. Das Mindeste, das wir tun könnten, ist, auf seine Zuvorkommenheit zu reagieren. Der Apostel Paulus war jemand, der reagierte, der Gott und den Menschen zu danken verstand für das Gute, das er durch sie erfuhr, gerade in den Wechselfällen seines Lebens, „in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung“ (Phil 4,12). 

Sämtliche Texte der Lesungen und des Evangeliums vom 28. Sonntag im Jahreskreis (A) finden Sie hier.