Sexuelle Unterschiedlichkeit, interreligiöse Fragen und Inklusionsthemen kommen zur Sprache

BDKJ-Fortbildung zur Vielfalt jugendlichen Lebens

Das wird bunt – von den Themen wie von den Teilnehmern. Wenn verschiedene Akteure in der kirchlichen Jugendarbeit erstmals zum gemeinsamen Fachtag „Vielfalt in der Kursarbeit“ einladen, dann begeben sie sich aber nicht auf Neuland. Die Fragen etwa im Umgang mit interreligiösen Herausforderungen, sexueller Unterschiedlichkeit bei Jugendlichen oder Integration von Menschen mit Behinderung stehen immer wieder in den Fortbildungsprogrammen der Jugendbildungsarbeit. In dieser Dichte und für eine solch unterschiedliche Zielgruppe aber ist das neu.

„Der große Rahmen wurde bewusst gewählt“, sagt Beate Willenbrink aus dem Diözesanbüro der Kinder- und Jugendseelsorge im Bistum Münster. „Es ist ein großes Thema, das in allen Bereichen der Fortbildung aktuell ist.“ Deswegen die Ko-operation der Jugendseelsorge-Abteilung mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), dem Netzwerk der Tage Religiöser Orientierung in NRW und dem FSD im Bistum Münster, dem Träger der Freiwilligendienste. Etwa 80 Teilnehmer, zumeist Honorarkräfte aus der Jugendbildungsarbeit, werden bei der eintägigen Veranstaltung in Münster erwartet.

Jugendgruppen sind vielseitiger geworden

Die Grundthemen der Inklusion, der Integration oder interkulturellen Arbeit sind in der Jugendarbeit vor Ort präsent, sagt Willenbrink. „Die hat die gesellschaftliche Entwicklung gesetzt.“ Es gehe nicht mehr um einzelne „Ausreißer“, die früher gern als „Störenfried“ auffielen. „Die homogene Jugendgruppe gibt es nicht mehr – Ausprägungen, Hintergründe und Ziele der jungen Menschen sind vielfältiger geworden.“

„Es wäre fahrlässig, auf diese Entwicklungen, welche die Veränderungen in der Politik und Gesellschaft widerspiegeln, nicht zu reagieren“, sagt Johannes Wilde, Diözesanvorsitzender des BDKJ im Bistum Münster. „Wenn Lebensgestaltung vielfältiger wird, dann müssen wir das in unseren Angeboten berücksichtigen.“
Große Offenheit ist gefragt, sagt Willenbrink. „Damit jeder seinen Platz haben kann.“ Es dürfe weder tabuisiert noch ausgegrenzt werden. „Jeder, der uns in der Jugendarbeit begegnet, ist wichtig und gut – das ist unser Ausgangspunkt.“

Zielgruppen jenseits des klassichen Klientels

Es gehe um eine Grundhaltung, die gerade im Umgang mit jungen Menschen wichtig sei. „Wir zeigen dabei jenen Menschen ein Gesicht der Kirche, die sonst kaum erreicht werden.“ Deshalb sei diese Grundhaltung wichtig: „Wir gehen auf jeden zu, nicht nur auf unser klassisches Klientel, sondern auf Menschen in den unterschiedlichsten Situationen.“

Wer eine solche Offenheit ausstrahlen will, muss wissen, wie er sich in entscheidenden Situationen verhalten sollte. Genau an diesem Punkt setzt die Tagung an. Gestartet wird im großen Kreis. Quasi mit den Grundlagen: In einem Referat wird es um alle Unterschiedlichkeiten gehen, mit denen junge Menschen heute aufeinandertreffen. In einem zweiten Teil wird es um eine Spezialisierung gehen. Dann werden sich die Teilnehmer in einzelnen Arbeitsgruppen mit Themen wie Rassismus, Sexualität, Verhaltensauffälligkeiten oder modernen Jugendkulturen auseinandersetzen.