Pastoralreferent Robert Luttikhuis lädt Menschen am 1. Mai ein

„Beer.Bike.Beten“: Kirchenrast auf der Maitour in Cappeln

Viel los in Cappeln, am 1. Mai im vorigen Jahr. Das war der Eindruck von Robert Luttikhuis. Der angehende Pastoralreferent erlebte den Tag zum ersten Mal in seiner neuen Gemeinde.

Er hatte als Aushilfe Küsterdienst, sollte die Kirche vorbereiten für die Maiandacht am späten Nachmittag. Und er wunderte sich, wie viele Fahrradfahrer auf Maitour durch den Ort fuhren. Lachend, schwitzend, vielleicht durstig.

Niemand hielt vor der Kirche

Aber niemand hält auf dem Kirchplatz, alle lassen die Kirche St. Peter und Paul links liegen. Die ist ja auch geschlossen. Da fließt das Leben eben an ihr vorbei.

Frage für Robert Luttikhuis: Muss das so sein? Er findet: Nein. „Mich hat das gestört“, sagt er zu „Kirche+Leben“. „Die Kirche gehört doch zum Leben der Menschen, dann muss sie in ihren Alltag hinein – auch am 1. Mai.“

Deshalb gibt es dieses Jahr am 1. Mai in Cappeln ein besonderes Angebot. Die Gemeinde St. Peter in Paul lädt zu „beer.bike.beten“ ein, von 10 bis 16 Uhr auf dem Platz vor der Kirche. Ein Projekt, das Robert Luttikhuis entworfen hat.

Trinken, spielen, beten

„Beer“: Man kann gegen eine Spende etwas trinken auf dem Kirchplatz, Radler und Limonaden. „Bike“: Man kann sein Rad stehen lassen, sich auf Bänken und in Liegestühlen ausruhen, die Toiletten der Kirche benutzen, die Kinder finden Spielgeräte. „Beten“: Man kann in die Kirche gehen und Ruhe suchen. In eine Kirche, die „diesmal weit geöffnet“ ist, wie Luttikhuis betont.

Wenn alles gut gehe, sei die Kirche in Cappeln an diesem 1. Mai „mitten im Leben der Menschen“. Sie werde dann nicht mehr „nur beiläufig“ wahrgenommen, hofft Luttikhuis. Der Platz vor der Kirche werde dann „ein Rastplatz im weltlichen und im geistlichen Sinn“.

Ein ruhiger Ort für die Radler

Denn die Ausflügler finden nicht nur offene Türen in der Kirche, sondern auch: ruhige Musik, brennende Kerzen, Zettel mit Bibelzitaten. Und vorne ein aufgeschlagenes Evangelienbuch. Vielleicht mit einem Abschnitt aus der Schöpfungsgeschichte, überlegt er. Weil das gut zum Ausflug in die Natur passe.

Zudem können sich die Besucher dort ein kleines Armband aus Silikon nehmen. Die Bänder werden meist von Firmen und Vereinen verkauft und verteilt, um Werbung für sich zu machen. Auf den Armbändern in Cappeln steht aber nicht etwa „Kirche“, sondern: „Sehenwürdigkeit“. Robert Luttikhuis glaubt: „Für Gott ist jeder Mensch einzigartig geschaffen und damit eine Sehenswürdigkeit.“ Mit diesem Wort werde das Armband ein besonderer „Hingucker“, hofft er.

Wie das Geld zusammenkommt

Getränke, Kühlwagen, Bänke, Liegestühle, Armbänder – das kostet Geld: 863 Euro. Gut 350 Euro kosten allein die 1000 Armbänder, 85 Euro der Kühlanhänge, dazu noch Miete für Bänke und Spielgeräte. Die Pfarrgemeinde gibt einen Zuschuss von 80 Euro, das übrige Geld hat sich Luttikhuis bei dem bischöflichen Fonds „Gute Idee!“ besorgt.

Der fördert Seelsorge-Projekte, die er für neu und in die Zukunft weisend hält. Ein Einzelprojekt kann bis zu 3000 Euro erhalten. Bedingung: Es muss nur neu, ungewöhnlich und leicht umzusetzen sein. Für die „Raststation“ in Cappeln war das offensichtlich gegeben.

Platz ist für Hunderte

Jetzt ist Robert Luttikhuis gespannt, wie viele Radfahrer vor der Kirche Station machen. Sitzplätze hat er etwa 100, aber vor der Kirche sei Platz für noch viel mehr. Er steht nicht allein auf dem Kirchplatz, in zwei Schichten unterstützt ihn ein Team von 15 Helfern. Darunter Firmlinge, die in der ersten Schicht bis halb zwei dabei sind – und erst nachher auf ihre eigene Maitour gehen.

Die Maiandacht wird in Cappeln natürlich auch gefeiert. Nach dem Besuch von ruhebedürftigen Radfahrern auf Maitour. Und Robert Luttikhuis ist auch wieder Küster.