Bundesweit erste Studie über Regulierungsfolgen vorgelegt

Caritas: Bürokratie bei der Arbeit mit Behinderten nimmt zu

Eine „Misstrauenskultur“ gegenüber Caritas-Einrichtungen hat Caritasdirektor Gerhard Tepe aus Vechta beklagt. Häuser der Caritas würden zunehmend von Bürokratie, Regulierung und anderem Mehraufwand belastet. „Man sollte unseren Einrichtungen mehr vertrauen“, sagte Tepe.

Der Direktor des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg äußerte sich bei der Vorlage einer Studie, die die Universität Vechta in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Caritas-Einrichtungen der Behindertenhilfe Niedersachsen erarbeitet hat. Sie hat bundesweit erstmals untersucht, welche Kosten die sogenannten Unterstützungsprozesse neben der eigentlichen Kernarbeit der Einrichtungen verursachen. In der Arbeitsgemeinschaft sind 30 Träger mit 15.000 Plätzen und 5000 Mitarbeitern zusammengefasst. 13 Träger, die 10.000 Plätze bieten, haben sich an der Studie beteiligt.

„Sinnlose“ Regelungen beklagt

Nach Angaben von Professor Gerald Eisenkopf von der Universität Vechta seien von 2010 bis 2017 die Kosten für bürokratischen Mehraufwand bei allen Trägern gestiegen, in einigen Fachbereichen um das Dreifache. Als Beispiele nannte Eisenkopf Ausgaben für Brandschutz, Spielplatzkontrolle und Trinkwasserhygiene.

Andreas Warnking, Geschäftsführer des Andreaswerks in Vechta, nannte als Beispiel für eine „eher sinnlose“ Regelung die Pflicht, sich zwei Mal im Jahr von allen Mitarbeitern den Führerschein vorlegen zu lassen. Sie verhindere schließlich nicht Unregelmäßigkeiten beim Transport der Behinderten. Als „absolut sinnvoll“ bezeichnete Warnking hingegen die Vorschriften zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch. Dort lasse das Andreaswerk trotz allen bürokratischen Aufwands keine Kompromisse zu.

„Wir ersticken unter dem Mehraufwand“

Seit Jahren hätten Einrichtungen der Behindertenhilfe das Gefühl, unter solchem bürokratischem Mehraufwand geradezu „zu ersticken“, sagte Cornelia Kammann vom Geschäftsbereich Behindertenhilfe im Caritasverband Osnabrück. Den Sinn solcher Verordnungen müsse man kritisch überprüfen und der Aufwand für neue Regularien müsse erstattet werden, forderte Kammann.