Jubiläumsfeier in der Ditib-Moschee Münster

Christliche und muslimische Frauen halten seit 20 Jahren zusammen

Der Christlich-islamische Frauenkreis in Münster hat gestern sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Mit gemeinsamen Gebeten und einer Rückschau auf die vergangenen zwei Jahrzehnte begingen die etwa 20 Frauen das runde Jubiläum.  „Es waren  erlebnisreiche Jahre, in denen Freundschaften entstanden sind“, sagte Fatma Özdemir, Gründungsmitglied des Christlich-islamischen Frauenkreises. „Wir haben uns von den gesellschaftlichen Vorurteilen nicht beeindrucken lassen und begegnen uns als Schwestern und Freundinnen, die unseren jeweiligen Glauben leben und auf einem gemeinsamen Weg gehen“, sagte Bernadette Kobler.

Den Kreis haben 1998 sechs Frauen, drei christliche und drei muslimische, initiiert. „Am 3. Dezember trafen sich die Frauen erstmals auf Einladung einiger Christinnen, die bereits im Christlich-Islamischen Arbeitskreis (CIAK) Kontakte zu Moscheegemeinden in Münster pflegten, zu einem Adventskaffee im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, um einander kennenzulernen und auszuloten, ob es eine Möglichkeit gibt, künftig in regelmäßigen Abständen zu einem Austausch zusammenzukommen“, verdeutlichte Gründungsmitglied Annethres Schweder.

Gegenseitiger Respekt

Schweder ließ in Bildern und Texten die bewegten Jahre Revue passieren: „Wir haben im gegenseitigen Respekt gelernt, dass keine der anderen falsch glaubt und dass es für alle von uns darum geht, in Beziehung zu Gott zu sein“, sagte sie. Damit nähmen die Frauen bis heute eine prophetische Vorreiter-Rolle ein.

Zu Beginn begleitete die Religionswissenschaftlerin Annette Wilke das Projekt. Die Frauen seien von echter Neugier auf die jeweils andere Religion geleitet worden, sagte sie. Annethres Schweder erinnerte an gemeinsame Essen, gegenseitige Besuche, eine christliche Vesper in St. Agatha in Münster-Angelmodde 2002, die Herausgabe eines Kalenders mit christlichen, muslimischen und jüdischen Feiertagen, den Besuch der Synagoge 2004, Gesprächsforen, Krippen-Ausstellungen in Telgte und die Auszeichnung des Frauenkreises 2015 durch den Dialogpreis von „Kirche+Leben“ und dem Bistum Münster.

Haltung zu Muslimen hat sich ver­ändert

Der Frauenkreis trifft sich alle sechs Wochen. Katholische und evangelische Christinnen sowie sunnitische und schiitische Musliminnen bilden jeweils die Hälfte der Mitglieder. Einige Frauen engagieren sich im Ditib-Moscheeverein. Einige schiitische Frauen fühlen sich dem Imam-Mahdi-Zentrum in Münster-Hiltrup verbunden. Gründungsmitglied Helga Stephany ist mit ihren 85 Jahren die Älteste. Zu den Jüngeren gehören mit jeweils 31 Jahren Dorothee Fingerhut und Eva Katharina Gruber, die seit 2017 Sprecherinnen des Kreises sind.

Fatma Özdimir sieht im Frauenkreis auch eine Aufgabe des gesellschaftlichen Engagements. In zwei Jahrzehnten seinen „schöne und intensive Freundschaften“ entstanden, sie schaue aber auch mit Sorge auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, „Die Haltung vieler Menschen zu Muslimen hat sich verändert“, spielt sie auf Klischees, Vorurteile und Anfeindungen an.

Reden ist besser als Polemik

„Wir treffen uns seit 20 Jahren und lassen unsere Beziehung nicht durch aktuelle Diskussionen um den Ditib-Verband kaputtmachen“, spielte Schweder auf die Kritik von Politikern an der Türkisch-Islamischen Union als „verlängerten Arm“ des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an. „Gerade in Zeiten starker Polemik schätzen wir die jahrzehntelangen Beziehungen hier in Münster, die Vertrauen untereinander geschaffen haben und auch nicht durch teilweise verallgemeinernde und undifferenzierte Verlautbarungen in der Presse zerstört werden können.“ Eher bestärke das darin, miteinander zu reden als übereinander, sagte Schweder.