Investor Hubert Schulte-Kemper unterstützt kirchliche Arbeit

City-Pastoral in Marl bekommt Raum im Einkaufszentrum

Wer in Marl vom Rathaus aus den Eingang in das große Einkaufzentrum Marler Stern nutzt, dem fällt ein großer Pavillon auf. Handwerker renovieren ihn gerade. Nebenan sind Bekleidungsgeschäfte, ein Drogeriemarkt, ein Reisebüro und ein Café. „Eine Top-Lage“, sagt Hubert Schulte-Kemper über den Standort des Pavillons im Erdgeschoss.

Schulte-Kemper ist Vorstandsvorsitzender der Fakt AG, eines Unternehmens, das unter anderem Gewerbe-Immobilien „revitalisiert“ oder zu neuem Leben erwecken will. „Marl hat Potenzial“, sagt der Unternehmer.

Einkaufszentrum Marler Stern wird modernisiert

Und auch wohl deshalb hat die Fakt AG den Marler Stern vor einigen Monaten gekauft und investiert dort rund 35 Millionen Euro. Mit einer Verkaufsfläche von 58.000 Quadratmetern gehört der Marler Stern zu den größten innerstädtischen Shopping-Centern in Nord­rhein-Westfalen.

Neben dieser geschäftlichen Seite sieht Schulte-Kemper aber noch ein ganz anderes Potenzial: „Das Einkaufzentrum ist der richtige Ort für die Kirchen, Menschen anzusprechen und zu erreichen“, sagt der überzeugte Katholik, dessen geistige Wurzeln in der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ) liegen und für den die katholische Soziallehre mehr ist als reine Theorie.

Schulte-Kemper: „Kirche muss die Frohe Botschaft verkünden“

Schon in den 1980er Jahren habe er die Idee gehabt, im Marler Stern ein religiöses Zentrum zu errichten. „Die Kirche muss die Frohe Botschaft dort verkünden, wo die Menschen sind, und mutig in die Öffentlichkeit gehen.“

In den vergangenen Monaten hat Schulte-Kemper deshalb mit den katholischen und evangelischen Gemeinden Kontakt aufgenommen und sie überzeugt, im Marler Stern aktiv zu werden. Symbolisch hatte Schulte-Kemper den Vertretern der katholischen Pfarreien Heilige Edith Stein und St. Franziskus, der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und der evangelisch-freikirchlichen Friedenskirche einen Schlüssel überreicht. Stellvertretend für die drei Konfessionen hob Dechant Heiner Innig die Chance einer City-Pastoral hervor und dankte Schulte-Kemper für sein Geschenk.

Dechant Innig dankt im Namen der Marler Gemeinden

In einem persönlichem Brief hatte auch Bischof Felix Genn den Unternehmer ermutigt, das Projekt eines Kirchenangebots in der Einkaufsmeile anzugehen: „Ich freue mich, dass Sie die katholische und evangelische Kirche eingeladen haben darüber nachzudenken, ob im Rahmen des Einkaufzentrums nicht Wege gefunden werden, die Frohe Botschaft zu verkünden. Ich bin sicher, dass Sie bei den Mitarbeitern aus dem Bistum Münster dabei offene Ohren und Herzen finden werden“, schrieb der Bischof.

Hubert Schulte-Kemper aus Marl möchte die christlichen Gemeinden der Stadt unterstützen.Hubert Schulte-Kemper aus Marl möchte die christlichen Gemeinden der Stadt unterstützen.

Diese offenen Ohren hat Schulte-Kemper in den Gemeinden gefunden, die nun dabei sind, ein Kirchen-Programm zu erstellen. Ein ehrenamtlicher Präsenzdienst soll während der Öffnungszeiten – zunächst montags bis freitags von 11 bis 13 Uhr – für eine kommunikative und gastfreundschaftliche Atmosphäre in einem Raum der Auszeit vom Alltag sorgen, der sich deutlich durch seine Gestaltung von den anderen Ladenlokalen unterscheidet. Die „Kirche im Stern“ möchte täglich um 12 Uhr zu „Stern-Momenten“ einladen. Diese siebenminütigen spirituellen Impulse gestalten Ehrenamtliche und hauptamtliche Seelsorger der Gemeinden.

Aber auch Gottesdienste an besonderen Tagen sollen die Marler ansprechen. Geplant ist  der nächste Gottesdienst am 23. Mai um 11 Uhr aus Anlass des 70. Geburtstags der Bundesrepublik Deutschland. Zum Start zog ein Gottesdienst an Buß- und Bettag im Marler Stern mehr als 250 Menschen an. Auch ein Gottesdienst am Valentinstag fand regen Zuspruch.

Einsatz für das Gemeinwohl

Für Schulte-Kemper ist der Einsatz für das Gemeinwohl wichtig. Als Vorsitzender des Heimatvereins Marl hat er viel für die Stadt getan und Dinge anzustoßen, die allen Marlern zugutekommen. So unterhält der Heimatverein beispielsweise das Europäische Friedenshaus im Stadtpark, das als Begegnungsstätte und Veranstaltungshaus genutzt wird.

Als die evangelische Kirche aus finanziellen Gründen die 1957 erbaute Erlöserkirche im Stadtteil Brassert aufgeben musste, übernahm der Heimatverein das Gebäude kurzerhand in sein Eigentum und wandelte das Kirchengebäude in ein Kulturzentrum für Konzerte und Veranstaltungen um. In der ehemaligen Kirche sind aber auch standesamtliche Trauungen möglich.

Heimatverein kauft evangelische Kirche

„Nicht alle können oder wollen kirchlich heiraten. Wer nur standesamtlich heiratet, soll merken, wie schön ein Raum ist, der früher einmal Kirche war“, sagt Schulte-Kemper zu diesem weiteren Projekt von ihm. Der ehemalige Kirchenraum biete ein besonderes Ambiente. Auf Wunsch spiele auch die Orgel. Die evangelische Gemeinde sei sehr zufrieden, dass das Gebäude so sinnvoll weitergenutzt werde. „Und wenn ich dabei helfen kann, dann tue ich das gern“, sagt der Marler.