Kommentar von Chefredakteur Christof Haverkamp – nicht nur zum 3. Oktober

Einheit zu wahren, ist schwierig – nicht nur im Staat

Die deutsche Einheit ist längst noch nicht abgeschlossen. Unterschiedliche Positionen gibt es auch in der katholischen Kirche und in der Ökumene. Christof Haverkamp, Chefredakteur von „Kirche-und-Leben.de“ fragt: Heißt Einheit, dass alle gleich denken müssen?

Nicht nur der „Tag der deutschen Einheit“ am 3. Oktober führt vor Augen, wie schwierig es ist, die Einheit zu wahren – politisch wie innerkirchlich. In der Politik hat das Ergebnis der Bundestagswahl erneut belegt, wie unterschiedlich die Menschen im Osten und Süden, Westen und Norden Deutschlands denken und fühlen. Auch deshalb werden die Koalitionsverhandlungen unter Beteiligung so gegensätzlicher Parteien wie der CSU und den Grünen zäh und mühsam sein.

Innerhalb der katholischen Kirche ist es ebenfalls schwer, die Einheit zu wahren.  Das gilt für die Weltkirche genauso wie für die Deutsche Bischofskonferenz, innerhalb eines Bistums und einer Pfarrei. Für den Papst kommt es darauf an, ein kluges Maß zu finden zwischen den Kompetenzen in Rom und den Möglichkeiten der Ortskirchen.

Strömungen innerhalb eines Bistums

Franziskus kennt aus eigener, wohl auch leidvoller Erfahrung, welche Nebenwirkungen ein zu großer Zentralismus mit sich bringt. Deshalb verschafft er den Ortsbischöfen und den nationalen Bischofskonferenzen mehr Luft zum Atmen, ohne die Einheit der katholischen Kirche zu vernachlässigen.

Auch innerhalb eines Bistums ist es oft schwer, die Einheit zu wahren – sei es, weil die einzelnen Regionen sehr unterschiedlich sind und weil die Befürworter verschiedener kirchenpolitischer Strömungen gegensätzliche Vorstellungen haben. So empörte zum Beispiel das Vorhaben, ein homosexuelles Paar in der Kirche zu segnen, manche, denen an der Einhaltung der offiziellen Lehre der katholischen Kirche sehr gelegen ist. Umgekehrt rief ein Verbot der Segnung  Kritiker auf den Plan. Es allen Menschen recht zu machen, ist für die Bistumsleitung in so einem Fall unmöglich.

Verschiedenheit und Respekt

In der Ökumene wird gerne die Formulierung „versöhnte Verschiedenheit“ bemüht. Sie besagt: Wir haben unterschiedliche theologische Auffassungen, aber wir leben trotzdem gut miteinander und respektieren uns, denn uns eint der gemeinsame Glaube an Jesus Christus.

Versöhnte Verschiedenheit: Das ist eine Formulierung, die auch außerhalb der Ökumene als Richtschnur dienen könnte. Denn gerade wenn Menschen unterschiedliche Ansichten vertreten, kommt es sehr auf den passenden Stil und die Umgangsformen an. Sonst gibt es am Ende nur Verlierer und Verletzungen.