Mindestens 28 Tote bei Attacke auf Bus

Ensetzen nach neuem Anschlag auf Kopten in Ägypten

Deutsche Politiker und Kirchenvertreter zeigen sich erschüttert über den Anschlag auf koptische Christen in Ägypten. „Diese nicht enden wollende Gewalt gegen die christliche Minderheit macht fassungslos; sie muss mit allen legitimen Mitteln gestoppt werden“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Freitag. Er sprach allen koptischen Christen und dem koptisch-orthodoxen Papst Tawadros II. sein Mitgefühl aus.

Bei dem Angriff wurden mindestens 28 Menschen getötet und weitere zwei Dutzend teils schwer verletzt. Ägyptischen Regierungsangaben zufolge griffen bewaffnete Männer einen Bus mit Kopten an, die unterwegs zum Samuel-Kloster im Gouvernement Al-Minja rund 250 Kilometer südlich von Kairo waren.

Steinmeier und de Maizière erchüttert

„Ich bin erschüttert, dass zum wiederholten Male koptische Christen in Ägypten Opfer eines Anschlags wurden“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Erneut möchte ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass sich alle Menschen in Ägypten gegen den Terror verbünden und die Religionsgruppen in Solidarität zusammenstehen.“

Die Bundesregierung verurteilte den Anschlag „auf das Schärfste“. Man sei „in tiefer Trauer“ mit den Angehörigen der Opfer und den Ägyptern verbunden, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) erfuhr beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin während eines Gesprächs mit dem Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad Al-Tayyeb, von dem Anschlag. „Wir sind erschüttert und sind uns absolut einig: Terrorismus im Namen der Religion ist Missbrauch der Religion. Jede terroristische Tat ist eine abscheuliche Tat, die ich aufs Schärfste verurteile“, zitierte das Innenministerium de Maizière auf Twitter.

Ägyptischer Großscheich: „Kein Ägypter sympathisiert mit den Taten“

Großscheich Al-Tayyeb sagte auf dem Kirchentag: „Kein Ägypter sympathisiert mit solchen Taten, kein Christ, kein Muslim.“

Der Papstbotschafter in Ägypten, Erzbischof Bruno Muso, sprach von einem „feigen Anschlag“, der sich „gegen die Christen, gegen die Kirche und gegen alle Ägypter“ richte. Ein Vertreter des koptisch-katholischen Patriarchats äußerte den Verdacht, das Attentat erfolge mit Absicht vor dem christlichen Pfingstfest und vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan. „Jetzt kehrt die Angst zurück – und mit ihr auch wieder die fest verschlossenen Kirchen“, sagte der Sekretär des Patriarchats, Hani Bakhoum Kiroulos, dem italienischen Pressedienst SIR.