Die neuen Priester im Bistum Münster / Teil 5

Ernst Willenbrink aus Herzfeld wird zum Priester geweiht

Das grüne Sakko wird er weiterhin tragen. Genauso wie die knallgrünen Wildlederschuhe: „Warum denn auch nicht? Meine Leidenschaft für Mode gebe ich ja mit der Weihe nicht ab“, sagt Ernst Willenbrink mit einem verschmitzten Lächeln. Erkennbar als Priester wird er mit dem typischen Kollarhemd trotzdem sein.

Der 51-Jährige, der sein Diakonatsjahr in der Lengericher Pfarrei Seliger Niels Stensen gemacht hat, wird am Pfingstsonntag, 9. Juni, von Bischof Felix Genn im Paulus-Dom geweiht. Danach sah es im Leben des Spätberufenen nicht immer aus.

Sein „erstes Leben“

Geboren in Lippetal-Herzfeld, machte er nach dem Fachabitur eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Er bewarb sich beim Textilunternehmen C&A, schlug die Managerlaufbahn ein und wurde Filialleiter. Willenbrink arbeitete in Hamburg, Hannover, Leipzig, Brüssel, Bielefeld, Mannheim, Friedrichshafen und Recklinghausen: „Das war nicht immer leicht“, schaut der gelernte Kaufmann auf sein erstes Leben, so nennt er es selbst, zurück.

Aber die beruflichen Aufs und Abs haben ihn stärker gemacht, weiß Willenbrink heute. Getragen hat ihn dabei sein Lieblingspsalm aus der Bibel: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“.

Diakon mit Zivilberuf

Von C&A wieder im Einzelhandel, entschloss sich Willenbrink, die Ausbildung zum Ständigen Diakon mit Zivilberuf zu machen. Bei der Weihe 2003 versprach er Bischof Reinhard Lettmann, zölibatär zu leben und besonders für die Menschen da zu sein, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Das möchte Willenbrink auch als Priester.

In den Jahren nach der Diakonenweihe hat Willenbrink immer öfter gespürt, mehr zu wollen. 2012 war er sich sicher: „Ich habe einen zweiten Ruf Gottes gehört.“ Der Lippetaler packte seine Sachen und ging zum Studium ins Priesterhaus für Spätberufene ohne Abitur nach Lantershofen. „Eine tolle Region mit tollen Mitbrüdern“, schwärmt Willenbrink über die Zeit in der Eifel.

„Jahre in der Wirtschaft waren keine verlorenen Jahre“

Dass er nicht schon als junger Mann Priester geworden ist, bereut Willenbrink nicht: „Die Jahre in der Wirtschaft waren keine verlorenen Jahre.“ Er sieht noch einen weiteren Vorteil: Aufgrund seines Alters und seiner Erfahrungen gehe er gelassen an die neuen Aufgaben heran. Auch in einer sehr schwierigen Zeit für die katholische Kirche. „Wir müssen zuhören, was Gott und die Menschen uns zu sagen haben“, sagt der Weihekandidat und sucht nach einem Weg aus der Krise.

Alles Karitative liegt dem 51-Jährigen am Herzen. Dazu zählt er auch die Arbeit mit Trauernden. Außerdem möchte sich Willenbrink weiter für die Ökumene stark machen: „Während meines Diakonates in der Diaspora in Lengerich habe ich die Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde noch einmal neu und anders kennengelernt.“

Kochen und Doppelkopf

Er sei Pfarrer Peter Kossen dankbar, dass er so viel experimentieren und ausprobieren durfte. So nimmt der künftige Priester, der nach der Weihe als Kaplan in die Lengericher Pfarrei zurückkehren wird, gerne den Kochlöffel in die Hand, wie beispielsweise an Heiligabend, als er bei der Feier für Alleinlebende ein Festmenü für die Gäs­te zauberte.

Neben dem Kochen und der Mode – Willenbrink liest noch immer regelmäßig Fachliteratur wie die „Textilwirtschaft“ – gehören auch Treffen mit alten Freunden zu den Freizeitbeschäftigungen des Diakons.

Die Doppelkopfrunde in Lippetal lässt er nur ungerne ausfallen. Zu der gehört übrigens auch Weihbischof Rolf Lohmann, früher Wallfahrtsrektor in Herzfeld. Obschon dieser nur noch selten zum Kartenspielen anreisen kann, dabei ist er trotzdem: „Gegen Ende des Abends legt einer von uns sein Handy auf den Tisch, und wir rufen Rolf Lohmann gemeinsam an.“

Lohmann predigt bei der Primiz in Herzfeld

Der Weihbischof vom Niederrhein predigt bei Willenbrinks Primiz, der ersten Messe in seiner Heimatpfarrei, in Herzfeld. Diese feiert der Neupriester am Sonntag, 16. Juni, um 10.30 Uhr in St. Ida. Bereits am Pfingstmontag, 10. Juni, steht die Primiz in der Pfarrei Seliger Niels Stensen an. Der Gottesdienst hier beginnt um 11 Uhr.