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Themenwoche „Profanierung“, Teil 4: Ehemalige Christus-König-Kirche in Cloppenburg

Früher Ort für Eucharistie – heute Mensa für bis zu 90 Schüler

  • Die ehemalige Christus-König-Kirche in Cloppenburg ist profaniert worden, um als Mensa umgestaltet zu werden.
  • Dort essen etwa 80 bis 90 Schülerinnen und Schüler des St. Vincenzhauses zu Mittag.
  • Dabei war der Umbau günstiger als ein Neubau.
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Der ehemalige Beichtstuhl ist jetzt ein Technikraum, in einer früheren Seitenkapelle befindet sich eine Küche. Und dort, wo sich früher Kirchenbänke mit 130 Sitzplätzen aufreihten, essen neuerdings Schülerinnen und Schüler des St. Vincenzhauses zu Mittag, 80 bis 90 Kinder. Die Tische sind großzügig verteilt im Innenraum der ehemaligen Christus-König-Kirche in Cloppenburg. Genug Platz also, anders als bis vor kurzem noch.

„Wir hatten früher lediglich einen kleinen Raum, der als Mensa diente“, erklärt Josef Wolking. Mittagessen war nur im Drei-Schicht-Betrieb möglich. „Das ging überhaupt nicht mehr“, sagt der Geschäftsführer des Wohnheims mit Förderschule für rund 185 Kinder.

Zuletzt nur noch ein Gottesdienst pro Monat

Gleichzeitig stand die zur Einrichtung gehörende Kirche meistens leer. 1964 eingeweiht, war sie einst Gotteshaus eines Konvikts für Jungen aus der Umgebung, die darüber nachdachten, Priester zu werden. Sie wohnten unter der Woche dort und besuchten das Cloppenburger Gymnasium. Diese „Jugendburg St. Michael“ schloss 1973 ihre Pforten. 1989 übernahm das Vincenzhaus die Gebäude – und benötigte die frühere Einrichtungskirche eigentlich nicht mehr.

„Unser Ansatz ist, dass die Kinder am Gemeindeleben vor Ort teilnehmen“, erklärt Josef Wolking. Und in der Stadt Cloppenburg gebe es mehr als genug Gotteshäuser. Zuletzt fand in der Kirche nur noch einmal im Monat ein Gottesdienst statt.

Seit Jahren rieselte Putz von der Decke

In einer ehemaligen Seitenkapelle der Christus-König-Kirche ist heute der Küchenbereich der Mensa. | Foto: Michael Rottmann
In einer ehemaligen Seitenkapelle der Christus-König-Kirche ist heute der Küchenbereich der Mensa. | Foto: Michael Rottmann

Dazu kam der Zustand des Gebäudes. Putz rieselte bereits von der Decke. Vier Jahre war sie ganz geschlossen. Nur mithilfe von Sicherheitsnetzen konnte sie überhaupt noch genutzt werden. Deshalb hatte das Kuratorium der zuständigen Stiftung beim Offizialat einen Antrag auf Profanierung gestellt, die 2017 umgesetzt wurde.

Heute dient die ehemalige Kirche außer als Mensa als Versammlungsraum, zum Beispiel für Mitarbeiter oder Sitzungen des Stiftungsrates. Aber auch schon mal für Theateraufführungen oder Musikdarbietungen. Die Kirche ist nach der Turnhalle der größte Raum des Vincenzhauses.

Fenster stammen von Chagall-Schüler

Dennoch ist nicht alles Religiöse aus dem Gotteshaus verschwunden. Die Fenster zum Beispiel, gestaltet von Max Ingrand, einem 1969 verstorbenen Chagall-Schüler, lassen das Licht weiterhin die Sonnenstrahlen bunt auf den Wänden erstrahlen.

Josef Wolking: „Das ist erst nach der Sanierung wieder richtig deutlich zu sehen. Die Fenster waren davor wohl noch nie richtig gereinigt worden.“ Und an der Rückwand des früheren Kirchenraums hängt auch immer noch das alte Weihwasserbecken zwischen der Garderobe.

Umbau war günstiger als Neubau

Die frühere Christus-König-Kirche gehörte zunächst zur Jugendburg St. Michael, einem Konvikt für Jungen aus der Umgebung von Cloppenburg, die darüber nachdachten, Priester zu werden. Das Konvikt wurde 1973 geschlossen. | Foto: Michael Rottmann
Die frühere Christus-König-Kirche gehörte zunächst zur Jugendburg St. Michael, einem Konvikt für Jungen aus der Umgebung von Cloppenburg, die darüber nachdachten, Priester zu werden. Das Konvikt wurde 1973 geschlossen. | Foto: Michael Rottmann

Für den Geschäftsführer der Einrichtung steckt in der Entscheidung für die Umnutzung der Kirche kaufmännische Logik. „Wir standen vor der Entscheidung, es so zu machen oder eine neue Mensa zu bauen.“ So seien die etwa anderthalb Millionen Euro gut und sinnvoll angelegt. „Und wir haben einen sehr besonderen Raum bekommen.“

Ein Raum, der auch weiterhin als Kirche nutzbar ist. Josef Wolking öffnet eine Seitentür an der Längswand des Inneren. „Hier haben wir einen Raum der Stille, zum Beispiel für Meditationen oder besonderen Religionsunterricht in Kleingruppen. Oder für die regelmäßige Andacht am Donnerstag.“

Regelmäßig kleine Konzerte

Ein Angebot des Hauses für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hinter diesem Raum befindet sich
auch noch eine voll ausgestattete Sakristei, von der aus sich ein mobiler Altar bei Bedarf in die frühere Kirche schieben lässt.

Für die Neunutzung musste die Kirche saniert und auch mit Akustikelementen versehen werden. „Wir hatten in der alten Kirche fünf Sekunden Nachhall“, erklärt der Geschäftsführer. „Für Orgelmusik und Singen ist das gut. Aber nicht, wenn hundert Kinder mit den Tellern klappern.“

Die Orgel auf dem kleinen Orgelboden ist in der Kirche geblieben und sogar saniert worden. „Wir haben immer wieder Schüler, die daran gelernt haben“, erklärt Josef Wolking. „Und wir haben Kollegen, die mittags regelmäßig hier zu kleinen Konzerten laden.“

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