400 Interessierte bei Glaubenswoche in Haltern

Geerlings, Sternberg, „Maria 2.0“ und Frauen in der Kirche

Eines haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Bühne gemeinsam. Sie lieben ihre Kirche, stehen für sie ein –  das allerdings in unterschiedlicher Weise. Das wurde bei der gestrigen Podiumsdiskussion deutlich. „Kirche klingt gut – solange die Frauen schweigen!?“ – unter diesem provokanten Titel stand am Donnerstagabend eine Diskussionsrunde im Rahmen der Glaubenswoche der Pfarrei St. Sixtus in Haltern.

Im vollbesetzten Zelt auf dem Marktplatz tauschten sich Weihbischof em. Dieter Geerlings, Adelheid Kellinghaus und Andreas Voß-Frick von der Initiative „Maria 2.0“, Barbara Bruns, Bildungsreferentin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (KFD) Diözesanverband Münster, und Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, zu aktuellen Themen aus. Moderiert wurde der Abend von Pfarrer Michael Ostholthoff und Pastoralreferentin Mechthild Heimann.

Geerlings: Ambivalentes Verhältnis zu „Maria 2.0“

Gut 400 Gäste verfolgten die Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen Themen wie der Vertrauensverlust der Kirche bedingt durch die Missbrauchsfälle, das Weiheamt sowie die Rolle der Frau in der Kirche. „Wir setzen uns für eine Kirche ein, die keine Menschen ausgrenzt und die das Jesuanische Leben wieder in den Mittelpunkt stellt“, stellte Kellinghaus die Ziele von „Maria 2.0“ vor. Sein ambivalentes Verhältnis zur Initiative äußerte Geerlings. Auf der einen Seite freue er sich, dass es die Initiative gebe und sie in ganz Deutschland die Frage der Geschlechtergerechtigkeit deutlich mache. Auf der anderen Seite bedauere er, dass es dafür ein Kirchenfasten brauchte.

„Als Bischöfe müssen wir aber die Türen weit öffnen und Spielräume ausweiten. Wenn wir die Themen nicht aufgreifen, entsteht Spaltung. Der Schlüssel ist die Jetztzeit und nicht die Vergangenheit“, betonte Geerlings. Die Verärgerung und der Vertrauensverlust reiche bis in die innersten Kerngemeinden, ergänzte Sternberg. „Die Proteste laufen nicht gegen die Kirche, sondern für sie. Aber es geht nicht darum, die Institution zu putzen, sondern um ihre Dienstfunktion für den Glauben der Menschen“, sagte er.

Maria 2.0: Glaubwürdiger Wandel steht aus

Grund für den Vertrauensverlust seien die Missbrauchsskandale, die die Kirche seit einem Jahrzehnt in Atem halte. „Aber es passiert etwas. Im Bistum Münster müssen alle Menschen, die mit Kindern zu tun haben, eine Präventionsschulung absolvieren. Zudem wird sich jetzt ein Team der Universität Münster intensiv mit den Missbrauchsfällen beschäftigen“, informierte Geerlings. „Allerdings sehe ich immer noch nicht einen glaubwürdigen Wandel in der Kirche. Sie muss sich auf die Seite der Opfer stellen“, forderte Voß-Frick. Jedoch nehme sie wahr, dass das Bistum auf dem richtigen Weg sei.

Sternberg merkte an, dass es die eine Kirche nicht gebe. Es passiere viel, auch in der Opfer-Orientierung. „Es gibt auf allen Seiten ein ernsthaftes Bemühen, sich dem Thema zu stellen. Aber Veränderungen funktionieren nicht kurzfristig“, sagte er. Insgesamt sei die Kirche wandlungsfähig. „Es tut sich dort etwas, wo Menschen mitgestalten und mitmachen“, stellte Bruns fest.