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Ein Nachruf auf den verstorbenen Weihbischof im Bistum Münster

Heinrich Janssen – Visionärer Seelsorger für den Niederrhein

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24 Jahre wirkte Heinrich Janssen als Regionalbischof am Niederrhein. In der Region tief verwurzelt, gewann er einen sicheren Blick für wichtige Entwicklungen. In Kevelaer, seiner Geburtsstadt, hatte er im Mehr-Generationen-Haus seinen letzten Ruhepunkt gefunden. Heute ist Weihbischof Janssen im Alter von 88 Jahren gestorben.

Der langjährige frühere niederrheinische Regionalbischof Heinrich Janssen ist tot. Der 88-Jährige starb am 27. Mai nach langer Krankheit. Der in Kevelaer geborene Geistliche hat die niederrheinische Region wie kein Zweiter geprägt. Vor allem beim Thema Fusion von Pfarreien gehörte Heinrich Janssen zu den Vorreitern in der Bistumsleitung, die die Zusammenlegung von Gemeinden beschlossen hatte. Trotz manch harscher Kritik war dieser Prozess für ihn unumkehrbar. Sein Ziel war es, die Kirche am Niederrhein zukunftsfähig zu gestalten.

Janssen wollte den Prozess früh genug anstoßen, um ohne Zeitdruck handeln zu können. Der Regionalbischof kreierte den Begriff der „pastoralen Räume“. Er sah durchaus, dass der Niederrhein mit seinen vielen kleinen Pfarreien vor allem im Norden andere seelsorgerische Antworten brauchte als die größeren Städte Emmerich, Geldern, Moers oder Wesel.

 

Pfadfinder und Gaesdonck-Schüler

 

Als engagierten pastoralen Organisator mit nüchternem Blick für die realen Gegebenheiten und als Garanten für ein menschliches Miteinander würdigte der frühere Regionalbischof für Borken und Steinfurt und emeritierte Hamburger Erzbischof Werner Thissen seinen Mitbruder zu dessen 70. Geburtstag. Seine Eigenschaften habe er sich bei den Pfadfindern erworben. Thissen hatte den Lebensweg von Janssen von früh an begleitet.

Beide waren Schüler der Gaesdonck. Zunächst als Konkurrenten: Janssen als Leiter der großen Pfadfinderschaft und Thissen für den Bund Neudeutschland. Er, Thissen, habe von Janssen viel gelernt.

 

Buchautor und Rosenkranz-Liebhaber

 

Nach seiner Emeritierung 2010 hatte Janssen in Kevelaer seinen persönlichen Ruhepunkt gefunden. Dort war es ihm gelungen, sich vom öffentlichen Trubel völlig zurückzuziehen. Nur gelegentlich und eher unwillig übernahm er noch offizielle Vertretungsaufgaben.

Janssen liebte es, sich den Büchern in seinem Wohnzimmer zu widmen und gelegentlich selbst ein neues zu schreiben. Man habe ihn des öfteren gefragt, ob er nicht hier und da noch einmal eine Aufgabe übernehmen könne, erzählte er manchmal. Doch Janssen blieb konsequent und sagte in aller Regel ab. Mit einem verschmitzten Lächeln konnte er sich freuen, dass er in Kevelaer quasi unsichtbar geworden war. Über den Rosenkranz zu forschen, ihn zu beten und die Beichte zu hören waren Tätigkeiten, die seinen Alltag weiterhin begleiteten.

 

Ruhestand im Mehr-Generationen-Zentrum

 

Dass er sich in seinem Geburtsort niederließ, war nicht überraschend. Eher noch die Wahl des Wohnortes. Denn sie beschreibt einen seiner Charakterzüge. Janssen bezog eine Wohnung in dem von ihm schon in den Anfängen geförderten Kevelaerer Mehr-Generationen-Zentrum des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer. In einem Stadtteil, in dem früher die Clemensschwestern ihr Zentrum hatten. Mit dem ihm eigenen nüchternen Blick für Entwicklungen hatte Janssen erkannt, dass es Zeit war, von früheren, durchaus lieb gewonnenen Strukturen und Entwicklungen in der Kirche wie beispielsweise von Schwesterngemeinschaften Abschied zu nehmen und Raum zu schaffen für neue Lebensformen.

Der frühere Caritas-Geschäftsführer Hermann Hengstermann hatte ihn für das Zukunftsthema Mehr-Generationen-Häuser begeistern können. Janssen erkannte die Chancen und Möglichkeiten gerade für die ältere Generation, von einem Zusammenwohnen mit jungen Familien zu partizipieren, und förderte deshalb das Projekt.

 

Lebensstationen

 

Heinrich Janssen wurde am 13. Oktober 1932 in Kevelaer geboren. Nach dem Abitur auf dem Collegium Augustinianum Gaesdonck bei Goch und dem Theologiestudium in Münster und München wurde er 1961 zum Priester geweiht. Ab 1965 studierte er Theologie und der Geschichte, um die Staatsprüfung für das Lehramt zu absolvieren.

1971 wurde er stellvertretender Leiter der Schulabteilung im Bischöflichen Generalvikariat, 1972 Bischöflicher Rat und 1976 Residierender Domkapitular am Dom in Münster.

1981 berief ihn Bischof Reinhard Lettmann zum Generalvikar. 1986 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof, er übernahm die Region Niederrhein. 1987 wurde Janssen Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die katholische Seelsorge im Bundesgrenzschutz (bis 2004) und Nichtresidierender Domkapitular. 2010 wurde Heinrich Janssen emeritiert.

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