Nachruf auf den verstorbenen Domkapitular und Seelsorgeamts-Chef

Im Dom beheimatet, bei den Menschen zu Hause: Walter Böckers Lachen fehlt

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Der emeritierte Domkapitular Walter Böcker ist in der vergangenen Nacht in Münster gestorben. Er war ein Mensch voller Humor, liebte die direkte Begegnung mit den Menschen. Mit dieser Art hat er in vielen Funktionen im Bistum und darüber hinaus Spuren hinterlassen. Walter Böcker wurde 88 Jahre alt.

Er blieb präsent. Auch nach seiner Emeritierung als Dompfarrer und Domkapitular im August 2009 hatte Walter Böcker seinen festen Platz im und am St.-Paulus-Dom. Und wer ihn nicht beim Gebet im Gotteshaus, bei Spaziergängen mit seinen Hunden am Horsteberg oder entlang der münsterschen Aa traf, der konnte sicher sein, von ihm im Internet zu lesen. Die sozialen Netzwerke der neuen Medien waren sein großes Hobby. Mit ihnen blieb er bis zuletzt mit den vielen Menschen in Kontakt, die mit ihm seinen facettenreichen Weg als Seelsorger gegangen sind.

Facebook, Instagram und Co. passten zu einem Menschen wie ihm. Er war kommunikativ, gesprächig, gesellig und dabei immer humorvoll. Auf seiner eigenen Homepage stellte er seine beiden Hunde Benni und Blacky vor, wer wollte, konnte sich dabei die Domglocken anhören. An Sonnenuntergängen im Urlaub oder an Gottesdiensten ließ er seine Freunde auf Facebook teilhaben. Er hatte seine Freude daran, wenn er seine Freude mit anderen teilen konnte. So auch zu seinem 85. Geburtstag, zu dem er sowohl seine Geburtsurkunde aus Lünen, als auch Fotos seiner Feiern im Dom postete.

Beichtehören im Auto - mit Hupzeichen

Auch zu Zeiten, in denen es noch kein Internet gab, war ihm der direkte Draht zu den Menschen wichtig. Gerade in der Jugendarbeit im Bistum, in die er nach seiner Kaplanszeit in St. Johannes in Duisburg-Homberg immer mehr Leitungsaufgaben übernahm. So war er unter anderem Diözesanjugendseelsorger, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholische Jugend (BDKJ) und leitete von 1976 bis 1981 die Hauptstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz in Düsseldorf.

Die Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei eine Zeit mit viel Schwung in der Kirche gewesen, die er besonders in der Arbeit mit den jungen Christen habe erleben können, sagte Böcker einmal im Rückblick. „Ein tolle Zeit, in der sie in der Kirche einen Ort der Lebensbegleitung suchten und mit großer Motivation zu den Angeboten kamen.“ So hörte er in Ferienlagern manchmal Nächte lang Beichte, weil die Jugendlichen ihn danach fragten. „Im Auto, weil es regnete – ein Hupzeichen und der Nächste kam.“

Kreativ und liebevoll

In diesen Erlebnissen hatte er seine Wurzeln als Seelsorger: umgänglich, im direkten Kontakt, kreativ und liebevoll. Diese Art, auf Menschen zuzugehen, könne man sicher auch lernen, sagte er dazu. „Aber ein Stück ist sie mir auch geschenkt worden.“ Er sei kein großer Intellektueller, kein Redenschwinger, das wisse er. Ein Freund habe ihm einmal gesagt: „Du gleichst deine Defizite durch deine unmittelbare Kommunikation aus.“ Für ihn war das ein Kompliment.

In diesem Geist leitete er auch über 20 Jahre die Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat in Münster. Eine Zeit, in der er als Sekretär des Diözesanforums den bistumsweiten Dialogprozess zu drängenden Zukunftsfragen von Glauben, Kirche und Gesellschaft mitgestaltete. Der Wunsch nach einem verstärkten Miteinander der verschiedenen kirchlichen Gruppe war für ihn dabei immer verbunden mit dem Wunsch nach einem starken Glauben. Für die sich neu findenden kirchlichen Strukturen wünschte er sich eine enge Verknüpfung mit den Lebensräumen der Menschen. „Kirche muss einladende Orte der Geborgenheit schaffen, in denen Glaube erfahrbar wird“, war seine Idee.

"Ich brauche einen festen Altar"

Bei all diesen überpfarrlichen und überdiözesanen Aufgaben verspürte er deshalb auch immer die Sehnsucht, in der Gemeindeseelsorge beheimatet zu sein. „Wo man mitten unter den Menschen wohnt und alle Lebenssituationen, von der Geburt bis zum Tod, mit ihnen erlebt und sie begleiten kann.“ Nur kurz sollte ihm das in dieser Form möglich sein, als Pfarrer und Propst an der Basilika St. Viktor in Xanten. Denn schon 1984 wurde er Leiter der Hauptabteilung Seelsorge und Domkapitular am St.-Paulus-Dom in Münster. Vor dem Wechsel stellte er daher eine Bedingung: „Ich komme nur, wenn ich einen festen Altar habe.“ Den bekam er dann als Dompfarrer. Eine Erfüllung für ihn, die er auf die ihm eigene humorvolle Art kommentierte: „Nicht jeder Pfarrer kann schließlich behaupten, dass im Schnitt 1.300 Menschen die Sonntagsgottesdienste besuchen.“

Der Dom blieb geistliche Heimat für ihn, bis zuletzt, auch nach seiner Emiritierung. „Ein religiöses Zuhause“ nannte er ihn. Während der Gottesdienst behielt er seinen Platz im Chorgestühl. Seine Wege führten ihn aber auch sonst immer wieder in den Dom, dessen Lichtstimmugen und Atmosphären er mit seiner Kamera einfing und sie ins Internet stellte. Nicht ohne beim Weg dorthin auch unmittelbar Kontakt mit den Menschen aufzunehmen. Das waren Momente, in denen auch viel gelacht wurde. „Ich kann das so herzlich, dass es ansteckt“, wusste er selbst. „So sehr, dass ein Junge mich einmal fragte, ob ich überhaupt weinen kann.“

Ehrenprinzgardist

Es war auch dieser Humor, der ihn zu einem beliebten Gast bei vielen Verbandstreffen und kirchlichen Veranstaltungen machte. Und darüber hinaus: Über die Jahre knüpfte er guten Kontakt zu den Karnevalsgesellschaften in Münster. „Es ist wichtig, dass Kirche in solchen Gruppen zuhause ist“, sagte Böcker, der Träger vieler Karnevalsorden und Ehrenprinzgardist war.

Walter Böckers Ausstrahlung wird fehlen. Eine, die für die Kirche in einer säkularen Gesellschaft immer wichtiger wird: Geistliche Tiefe gepaart mit Menschlichkeit und Witz. Er sei dankbar für dieses Geschenk, sagte er oft: „Ein Talent, mit dem ich immer gern gewuchert habe.“