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Feier des Jubiläums an diesem Wochenende

In Kevelaer beten die Klarissen seit 125 Jahren

Die Klarissen sind im Wallfahrtsort Kevelaer eine Institution. Trotz vieler Krisen hat das Kloster Bestand. Am 8. Oktober feiert Bischof Felix Genn mit den Schwestern Geburtstag.

Es ist brechend voll. Dicht gedrängt sitzen Jugendliche, Frauen und Männer im Vortragsraum des Kevelaerer Klarissenklosters. Aufmerksam betrachten sie die Fotos, die mit einem Beamer an die Wand projiziert werden, und hören den Schwestern zu. In diesem Jahr feiern die Klarissen das 125-jährige Bestehen des Klosters in der Wallfahrtsstadt. Bischof Felix Genn feiert am 8. Oktober aus Anlass des Jubiläums ein Pontifikalamt in der Klosterkirche.

Die Klarissen in Kevelaer sind eine Institution. Sie gehören unmittelbar zum Wallfahrtsort und sind ein Stück Ortsgeschichte. „Unser Gebet und die Möglichkeit, in schwierigen Lebenssituationen eine Ansprechpartnerin zu haben, hat die Klarissen die Herzen der Kevelaerer gewinnen lassen.“ So hat es die frühere Äbtissin des Klosters, Schwester Bernadette Bargel, einmal formuliert.

Blick durchs Schlüsselloch

Bürgermeister Dominik Pichler bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Heute – 125 Jahre später – sind das Kloster und die Klarissen aus dem Kevelaerer Stadtbild nicht mehr wegzudenken.“ Zurzeit leben noch 16 Schwestern im Alter von 44 bis 88 Jahren in dem Kloster am Klaraplatz.

Die Zuhörer an diesem Abend wollen nicht nur Geschichtliches hören. Sie erhoffen sich vielmehr auch einen Blick durch das Schlüsselloch: Was bewegt ein Frau, in einen kontemplativen Orden einzutreten? Wie sind die Lebensumstände in einem Kloster? Und wie ist es, mit so vielen Frauen in Gemeinschaft zu leben?

Der Ruf Gottes hat Bestand

Schwester Magdalena Bauer, die heutige Äbtissin, berichtet von ihrer Berufungsgeschichte. „Entscheidend ist die persönliche Gottesbeziehung“, erklärt sie. „Man spürt, dass Gott einen anruft.“ Obwohl die Schulzeit in dem von Schwestern geführten Internat sie für das Klosterleben „hätte abschrecken müssen“, wusste sie schon bei ihrem ersten Besuch eines Klarissenklosters mit 16 Jahren: „Das ist meins.“ Danach hat es noch zwei Jahre gedauert, bis sie in das Kevelaerer Kloster eintreten konnte. Sie bereut diesen Schritt bis heute nicht. „Es ist nicht immer schön“, sagt sie freimütig. Trotz aller Krisen hat der Ruf Gottes Bestand.

Auch für Schwester Bernadette Bargel war der persönliche Anruf Gottes entscheidend. Als sie zum ersten Mal das Chorgebet der Schwestern in Münster gehört habe, war ihr klar: „Da bekommen mich keine zehn Pferde hin.“ Doch Gott habe „nicht locker gelassen“. Und: „Es ist ein Wagnis bis zum Schluss“, sagt sie. „Als Ordensfrau bleibt man auf einer Suche, die das Leben erfüllt.“

Auf Stroh geschlafen

Schwester Bernadette berichtet mit viel Humor über ihre ersten Jahre. Die Zimmer waren sieben Quadratmeter groß, und die Schwestern schliefen auf Stroh. Die sanitären Gegebenheiten waren anfangs katastrophal. Zwar gab es genug Toiletten, aber zu wenig Wasser. Im Kloster gab es nur eine einzige Badewanne.

Gegessen habe man früher mit einem Holzlöffel und einem Teller, der „einem Hundenapf“ glich. Zum Frühstück gab es zwei Scheiben trockenes Brot und Kaffee mit Milch. Bis ein Visitator anordnete, dass es zum Brot auch Margarine und Käse geben müsse. Zwar sollten die Klarissen entsprechend ihrer Regel fasten, aber Hungern sei verboten.

Viele Krisen erlebt

Die Schwestern haben viele Krisen und Katastrophen erlebt. Während des Kulturkampfes mussten sie ins Exil nach Roermond, 1944 wurden sie ausgebombt. Auch der Schwund der Orden ging nicht an ihnen vorüber. Viele Schwestern wurden aus anderen Klöstern nach Kevelaer umgesiedelt. Für die Kevelaerer und die Pilger bleiben die Klarissen eine Kraftquelle. Es gebe nicht immer Heilung, immer jedoch Heil, sagt Schwester Bernadette.

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