Themenwoche "Mission heute" (8) - so wirkt das Hilfswerk Missio

Josephs Traum: Von der Müllkippe Nairobis zum Filmemacher

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Das Hilfswerk Missio Aachen unterstützt zahlreiche Projekte in Afrika. Wie ein Projekt in einem Armenviertel von Nairobi, der Hauptstadt Kenias, Jugendliche vor der Gang-Szene bewahrt, berichtet der 22-jährige Joseph, der einmal im Showgeschäft arbeiten möchte.

Das interreligiöse Jugendprogramm „Younib“ in Nairobi bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich kreativ in Musik, Tanz und Film auszuprobieren. Doch vor allem bietet es für viele der jungen Menschen die Chance, Gemeinschaft mit Gleichaltrigen jenseits von Gangkriminalität und Drogen zu erleben.

Jedes Wochenende macht sich Joseph M.* in eine andere Welt auf. Der 22-Jährige steigt in eines der Sammeltaxis in seinem Viertel Dandora im Osten Nairobis. Dort lebt er mit seiner alleinerziehenden Mutter und vier Geschwistern, nahe der größten Müllkippe der Hauptstadt Kenias. Von Dandora fährt er in einen Vorort Nairobis und trifft sich mit Gleichaltrigen der Jugendinitiative.

Jugendliche meist aus ärmeren Verhältnissen

Viele der Jugendlichen von „Younib“ kommen wie Joseph aus ärmeren Stadtvierteln Nairobis. Dort bestimmen Gangs und Drogen häufig den Alltag. Wer sich dem entziehen möchte, hat es schwer. Die kriminellen Banden zwingen junge Männer, mitzumachen. Bislang konnte Joseph ihnen aus dem Weg gehen. Nachts verlässt er nie das Haus. Tagsüber sucht er auf der Müllkippe nach Essensresten für Schweine. Er füllt sie in einen Sack und sammelt leere Plastikflaschen in einem anderen.

An guten Tagen lassen sich damit vier Euro verdienen, an schlechten nur 80 Cent. Joseph tut alles, um seiner Familie zu helfen. Nebenher studiert er Film, denn er hat einen Traum: „Ich liebe es, mit der Kamera zu arbeiten. Ich möchte Filme produzieren oder im Filmbusiness arbeiten.“

Rund 2000 Schülerinnen und Schüler machen mit

Weitere Informationen zu den Hilfsprojekten sind auf der Webseite von Missio Aachen abrufbar.

Um für junge Menschen, die im Einfluss von Gangs, Drogen und Prostitution stehen, Alternativen zum Leben zu finden, hat Pater Serge Patrick 2012 die Jugendbewegung ins Leben gerufen. Younib, das bedeutet „Youth Network for Interreligious Brotherhood“. 120 junge Erwachsene und rund 2000 Schülerinnen und Schüler machen mit. „Die Jugendlichen haben so viel Energie, so viel Kreativität“, schwärmt Pater Patrick. „Mit Younib wollen wir diese Kraft konstruktiv nutzen. Ansonsten kann sie sich schnell in etwas Zerstörerisches wandeln.“

Im Angebot sind Aktivitäten wie ein Chor, Sport oder Tanz. Pater Patrick leitet die Tanzworkshops. Er ist ein ausgebildeter Tänzer. Bevor er sich entschied, Priester zu werden, arbeitete er als Choreograf. Regelmäßig besucht das Projekt auch Schulen oder Heime für Straßenkinder und führt dort Workshops durch. Oft bringen die Mitglieder den Straßenkindern Lebensmittel oder Hygieneartikel mit, obwohl sie selbst aus armen Verhältnissen kommen. Doch sie wollen das wenige, was sie haben, mit anderen teilen.

Musik- und TV-Studios für junge Menschen

Neben den Aktivitäten unterhält die Jugendinitiative ein professionelles Musik- und TV-Studio, mit dem sie auf Sendung gehen und eigene Filme und Musikvideos produzieren. Es gibt den Jugendlichen die Chance, sich in Bereichen, die sie besonders interessieren, zu erproben.

Sicherer Rückzugsort

An der Filmschule darf Joseph die Kameras nicht ausleihen. Die Verantwortlichen haben Angst, sie könnten ihm in seinem Viertel geraubt werden. Bei „Younib“ kann er ohne Angst den Umgang damit erproben. Er kann gemeinsam mit anderen an Filmprojekten arbeiten und lernt Profis aus der Filmbranche kennen. „Ohne Younib wäre ich wahrscheinlich längst Mitglied in einer Gang“, sagt Joseph. Jetzt hofft er, eines Tages bei einer großen Filmproduktionsfirma zu arbeiten. „Dann möchte ich auch anderen jungen Filmemachern helfen, ihre Träume zu verwirklichen.“

*Vollständiger Name der Redaktion bekannt.

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