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Gast-Kommentar von Claudia Auffenberg zur Situation in der Kirche

Kann man denn keinem mehr trauen?

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Was soll aus der katholischen Kirche nur werden? Die Situation ist dramatisch und jetzt ist auch noch Bischof Georg Bätzing in die Kritik geraten. Ein Satz vom Katholikentag macht unserer Gast-Kommentarin Claudia Auffenberg Hoffnung.

„Gott frisst diese ganze Sch… auf, die wir Menschen anrichten.“ So lautete die etwas zünftige und deswegen irgendwie wohltuende Übertragung eines Bibelverses, die ein Professor beim Stuttgarter Katholikentag ins Mikro sprach. Der Mann redet normalerweise nicht so, aber bei den Gedanken an die Dramen in Kirche und Welt kam es über ihn.

Für mich ist dies mein Satz des Katholikentags. Denn bitte: Wie sind wir nach Stuttgart gefahren: ratlos, müde, auf der Suche nach Orientierung und Trost. Im Gepäck neben Schnelltests und Masken große Sorgen: Was soll nur werden aus dieser Kirche, aus dieser Welt? Krieg, Krise, Corona.

Ausgerechnet Bischöf Bätzing

Die Autorin
Claudia Auffenberg ist Chefredakteurin von „Der Dom“, dem katholischen Magazin im Erzbistum Paderborn.

Kurz vor Beginn des Katholikentags kam auch noch die Geschichte von Bischof Bätzing ans Licht. Er beförderte in seinem Bistum einen Mitbruder, der gestanden hat, Frauen angegrabbelt zu haben. Ausgerechnet Bätzing. Dieser freundliche Bischof, hinter dem man sich versammeln möchte, der beim Abschlussgottesdienst so eine gute Figur gemacht hat, der eine Dialogpredigt mit einer Frau gehalten hat, der sich zur Verteidigung des Synodalen Wegs mit Bischofskollegen aus der Welt anlegt… Ausgerechnet er!

Was soll man von all dem halten? Ist denn da keiner mehr, dem man vertrauen kann? Und was heißt das? Für die Kirche und ja, auch für meinen eigenen Glauben?

Pax Christi ruft zu den Waffen

Dann dieser elende Krieg, der einem das eigene Koordinatensystem verhagelt. Plötzlich hört man selbst von Pax-Chris­ti-Menschen, dass die Ukraine nichts dringender als schwere Waffen braucht.

So läuft man über den Katholikentag, der nun auch noch in Frage gestellt wird, und gerät an diesen Bibelvers: „Er verschlingt auf diesem Berg (Zion) die Hülle, die alle Völker verhüllt.“ Das ist der Wortlaut bei Jesaja 25,7.

Biblische Visionen

Die Zeiten, in denen die biblischen Autoren schrieben, waren ganz sicher nicht besser als unsere, eher im Gegenteil. Die Menschen waren dem Leben, der Natur ganz anders ausgeliefert als wir heute. Was hat sie eigentlich motiviert, morgens aufzustehen und nicht zu verzweifeln?

Es waren wohl gerade diese biblischen Visionen, diese innere Gewissheit, dass es doch eine Kraft gibt, die zum Guten drängt und der man sich anvertrauen kann. Und so ist man in diesen krisenhaften Zeiten geneigt, im Stile des Professors jene Kraft, die wir Gott nennen, zu bestürmen: Bitte, Gott, friss diese ganze … auf.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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