Erklärung des Vorsitzenden der Päpstlichen Kinderschutzkommission

Kardinal: Missbrauchsvorwürfe gegen Bischöfe stärker verfolgen

Der Vorsitzende der Päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Sean O'Malley aus Boston, sieht Nachbesserungsbedarf bei der Verfolgung von Missbrauchsvorwürfen gegen Bischöfe und Kardinäle. Hier existiere im Vorgehen der Kirche eine „große Lücke“; es seien „klarere Verfahren“ erforderlich, so O'Malley in einer Erklärung auf der Internetseite des Erzbistums Boston.

Zu den Tatvorwürfen zählt er darin nicht nur den Missbrauch von Minderjährigen, sondern auch den sexuellen Umgang von Bischöfen und Kardinälen mit Erwachsenen. O'Malley kündigte an, das Thema im Vatikan mit „großer Dringlichkeit“ zur Sprache zu bringen.

Kardinal aus Washington unter Verdacht

Hintergrund sind Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Erzbischof von Washington, Kardinal Theodore McCarrick. Er soll in der Vergangenheit Priesterseminaristen zum Sex genötigt haben und auch gegenüber Minderjährigen übergriffig geworden sein. Papst Franziskus untersagte ihm die öffentliche Wahrnehmung priesterlicher Aufgaben. O'Malley betont in der Erklärung, die Kirche müsse in solchen Fällen schnell und entschieden handeln, die Anschuldigungen fair aufklären und das Meldeverfahren für Missbrauchsfälle besser in der Öffentlichkeit kommunizieren.

Amtskollegen von Vorwürfen überrascht

Derweil zeigen sich die beiden US-Kardinäle Kevin Joseph Farrell und Donald Wuerl überrascht über die Missbrauchsvorwürfe gegen Kardinal McCarrick. „Ich war geschockt und überwältigt“, sagte der für Laien und Familien zuständige Kurienkardinal Farrell der katholischen Nachrichtenagentur CNS. „Ich habe während der sechs Jahre an seiner Seite niemals davon gehört.“ Farrell teilte sich zeitweise eine Wohnung mit McCarrick.

Auch Kardinal Donald Wuerl zeigte sich überrascht von den Vorwürfen. Der Erzbischof von Washington erklärte Ende Juni, er habe alle Aufzeichnungen und Dokumente der Erzdiözese angefordert, die Aufschlüsse liefern könnten. „Basierend auf der Durchsicht kann ich berichten, das keine Forderung – glaubhaft oder nicht – gegen Kardinal McCarrick während seiner Zeit hier in Washington erhoben worden ist.“