Erste Reaktionen nach den Präsidentschaftswahlen

Kirchen in den USA rufen zu Versöhnung nach Trumps Sieg

Aufrufe zur Versöhnung prägen erste Reaktionen nach dem Sieg von Donald Trump bei der Wahl zum US-Präsidenten. Christliche Gemeinden kamen am Wahltag und am Tag danach zu besonderen Gottesdiensten zusammen. Der „Geist der Spaltung“ sei auch in die Kirchen eingedrungen, hieß es in einem Gebetsaufruf der Initiative „Election Day Communion“ (Gemeinschaft an Wahltag). Rund 350 Gemeinden hätten sich diesem „Wir sind eins in Christus, gleich, wie wir wählen“ angeschlossen.

Die „First Congregational“-Kirche in Amherst in Massachusetts hielt nach dem „spaltenden, demoralisierenden und geradezu hässlichen Wahlkampf“ einen Gottesdienst für Versöhnung, wird die Pastorin in der Lokalzeitung zitiert.

Auch die Kirchen mit unterschiedlichen Positionen

Episkopalbischöfin Mariann Edgar Budde lud am Dienstag zum Gebet in der Nationalkathedrale in Washington ein, um zu suchen, „was Christus tun würde“. Der Wahlkampf habe Schaden angerichtet.

Eigentlich gehörte es für Kirche und Pastoren in den USA zum guten Ton, auf Wahlempfehlungen zu verzichten. Im Wahlkampf 2016 war das offenbar schwierig. Namhafte weiße Evangelikale und die Mehrheit der weißen evangelikalen Kirchgänger stellten sich auf die Seite des republikanischen Kandidaten Trump, der im Gegensatz zur Demokratin Hillary Clinton gegen Abtreibung ist. In afro-amerikanischen Kirchen war hingegen das Ja zu Clinton deutlich.

Katholische Bischöfe appellierten an „politische Verantwortung“

Die römisch-katholischen Bischöfe verteilten ein Papier „über die politische Verantwortung von Katholiken“. Abtreibung und Euthanasie seien „eindeutig“ verwerflich. Katholiken müssten sich immer dagegen stellen. Es existierten allerdings möglicherweise Situationen, in denen ein Katholik „aus anderen moralisch schwerwiegenden Gründen“ einen Kandidaten wähle, der eindeutig verwerfliche Positionen vertrete.

Der Informationsdienst „Baptist Global News“ veröffentlichte tröstende Wahlkommentare mehrerer Pastoren. Gott sei größer als Politik, erklärte der Pastor der „First Baptist Church“ in West in Texas, John Crowder. Man solle beten, wählen und Gott vertrauen.

Wissenschaftler: Trump gewann bei den weißen Christen

Der Theologe, Sozialethiker und USA-Experte Gregor Scherzinger von der Universität Luzern sagte, Trump habe in ungeahnter Weise das vor allem ländliche, weiße, christliche Amerika für sich gewonnen, das demografisch gesehen seine dominante Stellung schon verloren habe. Die Zahl nichtreligiöser Menschen steige auch in den USA, selbst die evangelikalen Kirchen könnten ihre Zahlen nicht halten, sagte Scherzinger. Zugleich gebe es mehr afro-amerikanische Gemeinschaften und „Hispanics“.

Die „abschätzige, gar verunglimpfende Sprache Trumps gerade gegenüber diesen Amerikanern“ mache allerdings deutlich, „dass Trump sich nicht als deren Präsident verstehen wird“, betonte der Theologe. Trump habe zwar versprochen, die „säkulare Kolonialisierung des christlichen Amerikas“ zu stoppen und die Religionsfreiheit hochzuhalten. Doch „dass es sich dabei nicht um die Religionsfreiheit aller handelt, ist wohl zu befürchten“ so Scherzinger.