Nach verbindlicher Entscheidung des Papstes zu wiederverheirateten Geschiedenen

Kirchenrechtler Schüller: Kritiker-Kardinäle müssen schweigen

Papst Franziskus hat mit lehramtlicher Autorität festgelegt, wie Seelsorger mit wiederverheirateten Geschiedenen umgehen sollen. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagt im Interview, was das auch für die Kritiker des Papstes bedeutet.

Kirche+Leben: Was bedeutet die Veröffentlichung in den „Acta Apostolicae Sedis“?

Thomas Schüller: Die „Acta Apostolicae Sedis“ sind das offizielle Publikationsorgan des Heiligen Stuhls, in dem kirchenamtlich veröffentlicht wird, was verbindlich für die Kirche lehramtlich und kirchenrechtlich festgelegt ist.

Was bedeutet es, wenn der Papst wie hier geschehen etwas als Äußerung seines authentischen Lehramts qualifiziert?

Der Papst entscheidet darüber, ob er alleine etwas mit lehramtlicher Verbindlichkeit festlegt oder zusammen mit dem Bischofskollegium. In diesem Fall übt der Papst allein seine lehramtliche Vollmacht aus und sagt: Das, was die argentinische Bischofskonferenz über die Ausführungsbestimmungen von „Amoris Laetitia“ schreibt, ist in der Tat das, was ich in primatialer Ausübung meines authentischen Lehramtes mit meinem Lehrschreiben gewollt habe. Damit ist klar: Dies hat jeder katholische Gläubige mit religiösem Verstandes- und Willensgehorsam (Kanon 752 CIC) anzunehmen.

Was bedeutet das mit Blick auf seine Kritiker – nicht zuletzt die vier Kardinäle, die eine „Dubia“, eine Zurechtweisung des Papstes veröffentlicht haben?

Das bedeutet, was man den Kardinälen, die diese „Dubia“ verfasst haben, immer schon gesagt hat: Es ist völlig klar, was der Papst meint. Die Kardinäle und Bischöfe müssen nun endgültig diese Sicht der Dinge annehmen und sie gegenüber ihren Gläubigen so vermitteln. Jetzt ist endgültig geklärt, was 99 Prozent der Katholiken ja ohnehin schon verstanden haben.

Und was, wenn der eine oder andere Kardinal das anders sieht als Franziskus?

Wenn man damit nicht zurecht kommt, was es in der Kirchengeschichte immer gegeben hat, dann hat man gegenüber Dritten im Gehorsam gegenüber dem Papst zu schweigen und keine Gegenpolitik zu leisten – und Bischöfe und Kardinäle schon mal gar nicht, weil sie sich durch ihr Amt und ihren Amtseid zu besonderer Treue gegenüber dem Papst verpflichtet haben. Sie haben dann schlichtweg zu schweigen und dem Papst bedingungslos zu gehorchen und jedwede öffentliche Äußerungen zu unterlassen, die den Eindruck erwecken könnten, dass sie eine andere Sicht der Dinge haben.