Themenwoche „Neue Pastoralreferent:innen“ (9) aus Bocholt

Kirsten Böing: Von der Erzieherin zur Pastoralreferentin mit Mitte 40

Anzeige

Bischof Felix Genn beauftragt am Sonntag, 24. September, im Dom in Münster 13 Frauen und Männer mit dem Dienst als Pastoralreferentin, als Pastoralreferent im Bistum Münster. „Kirche-und-Leben.de“ stellt zwölf von ihnen vor. Diesmal: Kirsten Böing aus Bocholt.

Kirsten Böing war gerne Erzieherin, besonders die religionspädagogische Arbeit mit den Kindern hat der 49-Jährigen Spaß gemacht. Und doch spürte sie eine innere Sehnsucht: „Irgendetwas fehlte mir, ich konnte es aber lange nicht näher beschreiben“. Mit Mitte 40 startete Kirsten Böing beruflich noch einmal neu. Nach ihrer Assistenzzeit verstärkt sie seit dem 1. August als Pastoralreferentin das Seelsorgeteam der Pfarrei St. Josef in Bocholt.

Es war eine Frage, die die Mutter einer erwachsenen Tochter nicht losließ: „Wäre nicht der Beruf der Pastoralreferentin etwas für dich?“ Kirsten Böing, die in Rhede aufgewachsen ist und sich schon früh in der Pfarrei engagiert hat, grübelte. Sie nahm Kontakt mit dem Institut für Diakonat und pastorale Dienste (IDP) im Bistum Münster auf, informierte sich über die Ausbildung zur Pastoralreferentin. „Der Gedanke reifte in mir – und er fühlte sich gut an“, erinnert sie sich. Vier Jahre lernte sie als Pastoralassistentin in der Pfarrei Liebfrauen das Gemeindeleben von der hauptamtlichen Seite kennen.

Begleitung von Sternenkind-Eltern als eine Aufgabe

Kirche-und-Leben.de überträgt die Beauftragungsfeier ab 14.30 Uhr live.

Neben der Praxis paukte sie sich durch das theologische Fachwissen im Würzburger Fernkursus. „Das war manchmal schon eine Herausforderung“, sagt sie mit Blick auf ihr Alter: „Da merkt man, dass man keine 20 mehr ist.“ Familie und Freunde habe ihren Berufswechsel jedoch immer mitgetragen und sie unterstützt. Für sie wieder mehr Zeit zu haben, darauf freut sich die Pastoralreferentin, die gerne mit anderen Menschen zusammen ist und Gesellschaftsspiele liebt.

Weil es für sie eine Herzensangelegenheit ist, wird Kirsten Böing künftig im Bocholter St.-Agnes-Hospital Eltern von Sternenkindern begleiten, also von Kindern, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. „Ich bin selbst Mutter von Sternenkindern, ich weiß, wie man sich als Eltern fühlt.“ Und auch schwere Erkrankungen haben das Familienleben der Pastoralreferentin schon mehrmals überschattet: „Der Glaube hat mir in diesen schweren Zeiten Halt gegeben.“ Die Krankenhauskapelle sei für sie ein wichtiger Ort gewesen: „Ich habe dort gefühlt: Ich bin nicht allein.“ Diese Zuversicht möchte die 49-Jährige weitergeben.

Beerdigungsdienste und in Schulen unterwegs

In der Pfarrei St. Josef wird sie Beerdigungsdienste übernehmen, zuständig für das Schutzkonzept (ISK) und Ansprechpartnerin für die Schulen sein. Alles Weitere werde sich finden. Ganz auf die Fröhlichkeit der Mädchen und Jungen in den katholischen Kindertageseinrichtungen möchte Kirsten Böing nicht verzichten müssen: „Da wird es sicher eine Aufgabe für mich geben“, sagt sie und lacht.

Dass die Zeiten in der katholischen Kirche nicht gerade einfach sind, bekommt sie fast jeden Tag zu spüren. Und trotzdem habe sie nie daran gedacht, die Ausbildung abzubrechen: „Bei allem, was passiert ist und noch passiert, die Kraft und die Freude, die mir mein Glaube gibt, kann mir niemand nehmen.“