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Ähnliche Liturgie, kein Zölibat und Frauen als Priester

Kurz erklärt: Was ist die altkatholische Kirche?

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In jüngster Zeit treten vermehrt Menschen von der römisch-katholischen in die altkatholische Kirche über - so zuletzt der Generalvikar des Bistums Speyer, Andreas Sturm, und der früher als Leiter des Benediktiner-Klosters Andechs bekannte Anselm Bilgri. Die Liturgie ist ähnlich und zugleich ist dort manches realisiert, über das in der römisch-katholischen Kirche gestritten wird. So gibt es beispielsweise keinen Pflichtzölibat, und Frauen können die Priesterweihe empfangen. Deutliche Unterschiede gibt es auch in anderen Aspekten der Lehre beider Kirchen.

Unfehlbarkeit des Papstes war der Impuls

Die altkatholische Kirche entstand im 19. Jahrhundert durch Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche. Anlass war der Protest gegen zentrale Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils 1869/70. Altkatholiken lehnen die von diesem Konzil definierte päpstliche Unfehlbarkeit in Fragen von Glauben und Sitte ab, ebenso den sogenannten Jurisdiktionsprimat, also die oberste kirchliche Leitungsgewalt des Papstes.

Zudem lehnt die altkatholische Kirche die sogenannte unbefleckte Empfängnis und die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel ab, ebenso die Transsubstantiationslehre der katholischen Kirche, wonach Brot und Wein in der Eucharistiefeier in Leib und Blut Jesu Christi gewandelt werden.

Demokratisch verfasst und Frauen als Priester

Die Altkatholiken in Deutschland sind in einem Bistum organisiert; der Bischofssitz ist Bonn. Die altkatholische Kirche hat laut ihrem Bischof Matthias Ring bundesweit etwa 15.000 Mitglieder. Die Menschen fänden an der Kirche unter anderem attraktiv, dass sie demokratisch verfasst sei und Frauen zum Priesteramt zulässt. Vielen gefalle auch, dass es wegen der kleinen Gemeinden direkten Kontakt zu den Seelsorgern gebe: "Die Überschaubarkeit ist für viele ein Grund, sich einer alt-katholischen Gemeinde anzuschließen", so der Bischof.

In jüngster Zeit träten auch vermehrt Menschen über, die aus dem Kern ihrer bisherigen römisch-katholischen Gemeinden stammten und dort zum Beispiel als Lektoren oder im Pfarrgemeinderat aktiv waren. Die Entwicklung in der Schwesterkirche sieht Ring mit Sorge. Zwar greife die aktuelle Austrittswelle nicht auf die kleinere altkatholische Kirche über. "Aber der Ansehensverlust, den die Kirche insgesamt im Moment ganz massiv in der Gesellschaft erleidet, der betrifft uns natürlich auch."

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