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"Habe Hoffnung auf Reform der katholischen Kirche verloren"

Speyerer Generalvikar Andreas Sturm wird altkatholischer Priester

  • Der Generalvikar des Bistums Speyer, Andreas Sturm, scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Amt.
  • Er wolle künftig als Priester in der Altkatholischen Kirche tätig sein, schreibt Sturm in einer persönlichen Erklärung.
  • "Ich habe im Lauf der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann."
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Paukenschlag im Bistum Speyer: Generalvikar Andreas Sturm (47) scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst der Diözese aus und will sich der alt-katholischen Kirche anschließen. Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann habe den Rücktritt Sturms mit sofortiger Wirkung angenommen und ihn von allen priesterlichen Aufgaben entbunden, teilt das Bistum mit. Der Generalvikar ist Verwaltungschef und Stellvertreter des Bischofs.

Sturm, der seit 2018 Generalvikar war, habe dem Bischof mitgeteilt, künftig als Priester in der alt-katholischen Kirche tätig sein zu wollen. "Ich habe im Lauf der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann", schreibt Sturm in einer Erklärung.

Wiesemann akzeptiert, aber teilt Sturms Sicht nicht

Er erlebe, wie viel Hoffnung in den katholischen Reformdialog Synodaler Weg gesetzt werde. "Ich bin aber nicht mehr in der Lage, diese Hoffnung auch zu verkünden und ehrlich und aufrichtig mitzutragen, weil ich sie schlichtweg nicht mehr habe", so Sturm. Zum neuen Generalvikar berief Bischof Wiesemann Markus Magin (57), seit 2009 Regens des Bischöflichen Priester- und Pastoralseminars St. German in Speyer.

Wiesemann nahm die Erklärung Sturms "mit großem Bedauern" an. Er respektiere dessen Gründe, teile sie jedoch nicht.

Wiesemann setzt auf Synodalen Weg und Weltsynode

Auch er stelle Erneuerungsbedarf in der Kirche fest, sehe die Kirche aber "mitten in lebendigen Prozessen", die "ihr Handeln verändern, auch wenn es einzelne Rückschläge geben sollte". Wiesemann betonte, nach seiner Überzeugung schenke "der Heilige Geist der Kirche auch heute - wie schon so oft in ihrer 2000-jährigen, von Um- und Abbrüchen, aber auch von dynamischen Neuaufbrüchen geprägten Geschichte - jene Kraft zur Erneuerung, die nötig ist, um Wege aus der gegenwärtigen Krise der Kirche zu finden".

Er vertraue darauf, dass der Synodale Weg wie auch der weltkirchliche synodale Prozess "wichtige Schritte auf dem Weg zur notwendigen Erneuerung" seien, so Wiesemann. Das Anliegen einer "menschenfreundlichen, geschlechtergerechten und angstfreien Kirche" bleibe wichtig.

Würdigung des Wirkens von Sturm

Dafür habe sich Sturm immer stark gemacht, so Wiesemann. Er nannte insbesondere Sturms "umsichtigen Umgang mit dem Thema Missbrauch" und sein "entschiedenes Eintreten für Betroffene sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche".

Update 14.15 Uhr: Meldung erweitert, Reaktion Wiesemann

Die Erklärung von Andreas Sturm

Lieber Herr Bischof, liebe Mitarbeitende, liebe Schwestern und Brüder,
ich habe darum gebeten, mich vom Amt des Generalvikars zu entbinden. Ich habe immer gerne mit dem Bischof, den Mitarbeitenden in den ganz unterschiedlichen Berufsfeldern und den vielen Ehrenamtlichen in unserem Bistum, bei der Landeskirche und auch darüber hinaus zusammen gearbeitet. Ich erlebe unser Bistum auf einem guten Weg, sei es bei dem schwierigen Thema der Aufarbeitung des Missbrauchsgeschehens, aber auch in Bezug auf die Umsetzung des Visionsprozesses.

Der Zeitpunkt meines Ausscheidens ist nicht günstig, dies ist mir bewusst und ich bedaure dies auch sehr. Aber die Themen, die mich schon länger beschäftigen, lassen mich keinen guten Zeitpunkt finden.

Als Generalvikar durfte ich zusammen mit Ihnen, Herr Bischof, diese Kirche nach innen und außen vertreten, aber ich habe im Laufe der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann. Gleichzeitig erlebe ich, wie viel Hoffnung in laufende Prozesse, wie zum Beispiel den Synodalen Weg, gesetzt wird. Ich bin aber nicht mehr in der Lage, diese Hoffnung auch zu verkünden und ehrlich und aufrichtig mitzutragen, weil ich sie schlichtweg nicht mehr habe.

Aber meine Träume von Veränderung müssen ja auch nicht die Veränderung der römisch-katholischen Kirche sein. Natürlich ist das alles sehr allgemein, aber ich bitte um Verständnis, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr dazu sage. Ich werde mich aber in einem Buch eigens dazu äußern.

Ich gehe nicht mit Ärger und Wut, sondern mit einer großen Hoffnung für mich und meine eigene Berufung. Ich will als Priester in der Altkatholischen Kirche tätig sein. Ich bitte alle um Verzeihung, die ich durch diesen Schritt enttäusche, verletze und verärgere – ich hatte einfach keine Kraft mehr. Ich wünsche Ihnen allen die Zuversicht und vor allem, dass sich erfüllt, was Sie sich erträumen und erhoffen.

Am Ende hoffe ich aber auch, dass der Heilige Geist die Wege aller Kirchen zusammenführt im Bekenntnis des einen Gottes, der uns Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. Möge Gott unsere Schritte in eine gute und gemeinsame Zukunft lenken.

Ihr Andreas Sturm

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