Von Kardinal von Galen lernen

Laschet fordert Neubelebung der „Solidarität der Tat“

CDU-Bundesvize Armin Laschet hat ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl in der Europäischen Union angemahnt. „Ich wünsche mir ein Europa der Solidarität und des Gemeinsinns“, sagte er am Mittwochabend im Münsteraner Dom. Andernfalls sei es auch um die Solidarität auf nationaler Ebene schlecht bestellt. Ebenso sprach sich der Politiker für eine Wiederbelebung der Debatte um eine europäische Verfassung aus. „Das wäre eine Chance, einen Schritt weiterzugehen und neue Dynamik nach Europa zu bringen“, sagte Laschet in einem Vortrag zum Thema „Solidarität in Europa – enttäuschte Hoffnung?“ im Rahmen der Reihe „Domgedanken“ im Paulusdom.

Zum Brexit habe in Großbritannien letztlich eine Kampagne geführt, die daran orientiert gewesen sei, die „Unsolidarität“ zum Prinzip zu machen, sagte Nordrhein-Westfalens CDU-Landeschef. Die Solidarität unter Europas Völkern sei von großem ideellen Wert und gehöre laut den bestehenden Verträgen zu den Grundprinzipien des Kontinents. „Deshalb kann man als einzelnes Land nicht sagen, man wolle keinen einzigen Flüchtling mehr aufnehmen“, kritisierte Laschet. Die Zusammenarbeit bei innerer Sicherheit, gegen Terrorismus und bei der Bekämpfung der Armut in Europa sei heute notwendiger denn je, denn die Bedrohungen machten vor nationalen Grenzen nicht halt.

Bewegung zu populistischen Parteien

Während vor einem Jahr die Flüchtlinge noch herzlich willkommen geheißen worden seien, gebe es heute eine Bewegung hin zu populistischen Parteien, so Laschet weiter. Hier könne man von Münsters Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878-1946) lernen, der ungeachtet des Mainstream gegen die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten Stellung bezogen hatte.

Die Reihe „Domgedanken“ im Paulusdom steht in diesem Jahr unter dem Titel „Warum solidarisch?“ In den kommenden Wochen sprechen der Vorstandsvorsitzende von Evonik Industries, Klaus Engel, und der Münchner Soziologe Armin Nassehi.