Georg Khevenhüller im Interview

Malteser-Präsident: „Politiker sollten das Ehrenamt honorieren“

Georg Khevenhüller ist Präsidient des Malteser Hilfsdienstes in Deutschland. Für mehr Engagement im Ehrenamt hat er genaue Forderungen an die Politik und weitreichende Ideen.

Herr Khevenhüller, was hat Sie gereizt, das Amt des Malteser-Präsidenten zu übernehmen?

Ich bin seit rund 20 Jahren beim Malteser Hilfsdienst. Davor fand ich, dass dieser Verband aus beruflichen Gründen für mich nicht infrage kommt. Als man mich dann doch mit sanftem Druck zu den Maltesern hingeführt hat, habe ich rasch entdeckt, wie schön es ist, ehrenamtlich bei den Maltesern tätig zu sein. Außerdem erkannte ich, was dieser Verband für eine professionelle Organisation ist. Früher hielt ich die Malteser für einen frommen Betverein. Dann habe ich allerdings sehr bald festgestellt, dass die Malteser ein höchst effizienter und wichtiger Verband sind, der sehr, sehr gute Dinge tut. Die Mitarbeit bei den Maltesern hat mein Leben unglaublich bereichert.

Sie stammen wie viele führende Malteser aus einer adligen Familie, führen aber keinen Titel im Namen. Warum?

Ich stamme aus Österreich und dort gibt es das Thema Adel nur noch im Sinne einer Tradition. Ich sehe dieses Thema unproblematisch. Der Malteserorden, auf den der Malteser Hilfsdienst zurückzuführen ist, ist allerdings von Adeligen gegründet worden und diese standen halt für ritterliche Werte. Aber das ist Geschichte.

Die Malteser zählen eine Million Mitglieder, davon rund 52.000 Ehrenamtliche. Es ist oft nicht leicht, Menschen für freiwillige Dienste zu bewegen. Wie wollen Sie das Ehrenamt stärken?

Ehrenamtliches Engagement darf keine Belastung sein, sondern muss von der Politik unterstützt werden. Die deutsche Gesellschaft hat auch erkannt, dass sie ohne ehrenamtliches Engagement nicht funktioniert, denn der Staat kann nicht alles leisten. Auch die Bürger müssen Verantwortung übernehmen. Die Bereitschaft, die Gesellschaft besser, attraktiver und interessanter für die nachfolgende Generation zu gestalten, finde ich großartig.

Was erwarten Sie von der Politik?

Von Politikern erwarte ich, dass sie ehrenamtliches Engagement – außer es zu loben und sich auch dafür zu bedanken – es auch konkret honorieren. Zum Beispiel könnte das sein, indem Menschen – wenn sie sich über Jahre hindurch ehrenamtlich engagieren – zusätzliche Punkte oder Beiträge im Bereich der Renten- oder Sozialversicherung bekommen. Das könnte auch durch andere steuerliche Vergünstigungen honoriert werden. Auf der anderen Seite bekommen wir zusehends bürokratische Auflagen. Da gibt es zum Beispiel im Bistum Münster eine exzellente Aktion, um der wachsenden Bürokratie im Ehrenamt zu begegnen.

Worum geht es?

Um die Aktion #werkanndersoll, mit der ehrenamtliche Kräfte in der Verwaltung gesucht werden, die ja nicht der klassische Bereich des Ehrenamtes ist. Üblicherweise kommen die Leute gerne zu den Maltesern, weil sie im sozialen Bereich oder der Notfallversorgung helfen wollen. Aber hier suchen wir gezielt Verwaltungs-Leute. Controlling, Berichtswesen, Personalwesen und allgemeine Verwaltung sind ja für uns sehr wichtige Bereiche.

Wie wirkt sich der Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche auf die Arbeit der Malteser aus?

Es ist furchtbar schrecklich und eine Schande, was dort teilweise in der katholischen Kirche geschieht. Das ist ein Super-GAU, und die Folgen sind gar nicht absehbar. Da kann man sich nur schämen. Unsere Aufgabe im Malteser Hilfsdienst ist es, dafür zu sorgen, dass Missbrauch verhindert wird. Aber das Böse ist leider da – und wir müssen versuchen, uns dagegen zu wehren.

Wie?

Wir haben bundesweit Präventionsbeauftragte, an die sich ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter wenden können. Wir setzen auch auf Schulungen, um das Thema aus der Tabuzone zu holen, und bei uns müssen alle, die mit Schutzbefohlenen in Berührung kommen, eine Selbstverpflichtungserklärung unterschreiben. Darin steht, was sie machen dürfen und was nicht und wofür sie besonders sensibel sein müssen. Daneben fragen wir bei allen Mitarbeitern, die in Kontakt mit Schutzbefohlenen kommen und es gesetzlich möglich ist, nach einem erweiterten Führungszeugnis. Allen Klienten, Mitarbeitern und Ehrenamtlichen stehen im Kampf gegen Missbrauch Verfahren zur Verfügung, um den Verdacht sexualisierter Gewalt – ob in Wort oder Tat – zu melden. Die Präventionsbeauftragten gehen dem dann nach.