Bundeskanzlerin im Vatikan – Franziskus würdigt Helmut Kohl

Merkel und Papst sprechen über G20-Gipfel und Klimaschutz

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Vatikan Papst Franziskus getroffen. Er habe sie ermutigt, für internationale Verträge wie das Pariser Klima-Abkommen zu kämpfen, sagte Merkel vor Journalisten nach dem knapp 40-minütigen Gespräch. Zudem habe er die Agenda der deutschen G20-Präsidentschaft begrüßt, „die davon ausgeht, dass wir eine Welt sind, in der wir multilateral zusammenarbeiten wollen, eine Welt, in der wir keine Mauern aufbauen wollen, sondern Mauern einreißen wollen, und in der alle gewinnen sollen“, so die Kanzlerin.

Es sei für sie „ein sehr ermutigendes Gespräch“ gewesen, „den Weg der Gemeinsamkeit trotz aller Herausforderungen weiter zu gehen und Schritt für Schritt auch Erfolge für die gesamte Weltgemeinschaft zu erzielen“, sagte Merkel.

Franziskus würdigt Helmut Kohl

Der Vatikan teilte mit, Merkel und der Papst hätten über den G20-Gipfel gesprochen und über „die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, Armut, Hunger, Terrorismus und Klimawandel entgegenzuwirken“. Am 7. und 8. Juli treffen sich in Hamburg die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer.

Franziskus brachte auch Anteilnahme am Tod von Helmut Kohl zum Ausdruck. Der Papst würdigte diesen als großen Staatsmann.

Beileids-Telegramm
In einem Beileids-Telegramm würdigt Papst Franziskus Helmut Kohl als „überzeugten Europäer“. Kohl habe „mit Weitblick und Hingabe für das Wohl der Menschen in Deutschland“ und Europa gearbeitet. Franziskus lobt das unermüdliche „Wirken für die Einheit Deutschlands und die Einigung Europas“ und Kohls „Einsatz für Frieden und Versöhnung“. Der Papst bekundet der Familie des Verstorbenen und dem „ganzen deutschen Volk“ seine „aufrichtige Anteilnahme“.

„Danke, dass ich wieder hier sein kann“, waren Merkels erste Worte. Nach der Begrüßung zogen sich beide zum Gespräch in die päpstliche Privatbibliothek zurück.

Beethoven-CDs und Papst-Schreiben

Merkel schenkte dem Papst eine CD-Box mit Werken von Ludwig van Beethoven, dirigiert von Wilhelm Furtwängler, sowie argentinische Süßigkeiten. Franziskus revanchierte sich mit Ausgaben seiner Umweltenzyklika „Laudato si“ sowie seiner Schreiben „Amoris laetitia“ und „Evangelii gaudium“. Außerdem überreichte der Papst der Kanzlerin einen bronzenen Olivenzweig als Friedenssymbol.

Nach dem Treffen mit Franziskus sprach Merkel mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Die Kanzlerin wurde bereits zum vierten Mal vom Papst zu einer Privataudienz empfangen. Nur die einstige argentinische Präsidentin Cristina Kirchner kam öfter zu Franziskus.