Bischof Overbeck: Verbrechen ist bagatellisiert worden

Missbrauch: Bistum Essen überprüft Personalakten erneut

Wegen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche lässt das Bistum Essen alle Priester in der Diözese nochmals überprüfen. Dass ein Priester trotz zweimaliger Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs in einer Gemeinde in Bochum-Wattenscheid seelsorgerlich tätig war, beweise den „unverantwortlichen Umgang mit Missbrauchstätern in den eigenen Reihen“, sagte Bischof Franz-Josef Overbeck der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Ein wissenschaftliches Institut in München sei beauftragt, sämtliche Personalakten des Bistums erneut zu durchleuchten.

In der Vergangenheit habe die Kirche die Schwere des Verbrechens Kindesmissbrauch nicht genügend anerkannt, räumte Overbeck ein: „Ja, es ist bagatellisiert worden.“ Die Opfer hätten „wenig bis gar nicht im Zentrum“ gestanden.

Overbeck: Es werden noch weitere Fälle bekannt werden

Heute werde ein Priester, der wegen sexuellen Missbrauchs auffällig geworden ist, überhaupt nicht mehr eingesetzt, betonte der Bischof. Trotzdem sei er sicher, dass noch weitere Fälle bekannt würden: „Manche Opfer offenbaren sich erst nach Jahrzehnten.“

Ein Priester des Erzbistums Köln war trotz zweimaliger Verurteilung 1972 und 1988 wegen sexuellen Missbrauchs bis 2015 weiter seelsorgerisch tätig gewesen, darunter von 1975 bis 1988 in Westerkappeln, Recklinghausen und Moers-Asberg im Bistum Münster; zuletzt dann in Wattenscheid.

Betroffene von sexuellem Missbrauch im Bistum Münster können sich bei den unabhängigen Ansprechpersonen für Missbrauchsverfahren melden, bei Bernadette Böcker-Kock (Tel. 0151-63404738) und Bardo Schaffner (Tel. 0151-43816695).

Zudem bietet die Selbsthilfegruppe von Missbrauchs-Betroffenen in Rhede auf ihrer Internetseite Unterstützung an – zum Beispiel Gespräche und Hilfe bei der Gründung eigener regionaler Selbsthilfegruppen.