Wütende Diskussion in Emsdetten wirft Bistumsleitung „völliges Versagen“ vor

Missbrauch: Katholiken in Emsdetten fordern Rücktritt von Bischöfen

Erneut haben Gläubige im Bistum Münster ihre Wut über den Umgang der Bistumsleitung mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche geäußert. Bei einer Diskussion in Emsdetten warfen mehrere Teilnehmer der Kirche Vertuschung und „völliges Versagen“ in der Personalverantwortung vor. „Warum wird ein schon verurteilter Täter immer wieder versetzt, um sich dann immer wieder neu an Kindern zu vergehen?“, fragte ein Teilnehmer.

Auch einige von Missbrauch Betroffene nahmen an der Veranstaltung teil. Sie forderten Bischof Felix Genn auf, die Konsequenzen zu ziehen: „Wenn ich höre, dass ein den Bistumsleitungen bekannter Täter zwischen den Diözesen Köln, Münster und Essen hin- und hergereicht wird und immer wieder Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatte, dann wäre der Rücktritt der beteiligten Bischöfe konsequent.“

„Wo ist Bischof Genn?“

Viele Teilnehmer kritisierten, dass sich die Bischöfe auf den öffentlichen Veranstaltungen nicht blicken ließen: „Es wäre gut gewesen, wenn heute auch Bischof Genn hier gewesen wäre“, meinte eine Teilnehmerin. Zudem forderten sie ein Ende der von Männern dominierten Kirche, einen Wandel in der Sexualmoral, das Ende des Zölibats und mehr Leitungsverantwortung von Frauen.

Zu den Vorwürfen, das Bistum Münster tue zu wenig für die Opfer, sagte der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings: „Jedes Opfer nehmen wir ernst. Wir bieten unsere Hilfen an und ermutigen alle Opfer, Anzeige bei der Staatsanwalt zu stellen.“ Die historische Aufarbeitung der Missbrauchsfälle erfolge durch unabhängige Historiker der Universität Münster, „die alle Akten einsehen können“.

Das sagt der Interventionsbeauftragte

Frings machte aber auch deutlich, nichts gegen den Wunsch eines Opfers unternehmen zu wollen: „Wenn sich bei uns ein Opfer meldet und sagt, er wolle keine Anzeige erstatten, dann würden wir das auch akzeptieren. In diesem Fall sprechen wir mit einem so genannten Opfer-Anwalt, der völlig unabhängig von der Kirche ist, um möglicherweise doch ein Verfahren einleiten zu können.“

Frings nahm dabei Bezug auf Gespräche mit einer Frau aus Kevelaer, die in den 1980er Jahren von einem Priester im Rahmen einer Beichte missbraucht wurde, doch bis jetzt davon abgesehen hat, Anzeige zu erstatten.

Matthias Katsch: Fehlende Einsicht bei Bischöfen

Diskutierten über den Missbrauchsskandal in der Kirche (von links): Matthias Katsch, Sprecher des „Eckigen Tisches“, Ann-Kathrin Kahle, Präventionsbeauftragte des Bistums Münster, und der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings. | Foto: Johannes Bernard

An der Diskussion nahm auch Matthias Katsch, Sprecher der Betroffenen-Initiative „Eckiger Tisch“ teil. Er war als Jugendlicher an einem Jesuitenkolleg in Berlin sexuell missbraucht worden und hatte Anfang der 2010er Jahre maßgeblich dazu beigetragen, dass die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche publik wurden. Auf die Frage, warum bislang kein einziger Bischof zurückgetreten sei, sagte Katsch: „Ich kann das nur vermuten: Es hat mit fehlender Einsicht zu tun.“

Katsch mahnte zudem angemessene Entschädigungszahlungen an: „Noch immer warten Opfer darauf. Möglicherweise werden viele Opfer den Tag gar nicht mehr erleben, an dem sie eine angemessene Entschädigung erhalten für das Unrecht, dass ihnen angetan worden ist.“

„Leid und Skandal ohne Ende“

„Die Machtstrukturen der Kirche haben den Missbrauch begünstigt“, betonte Katsch. Unter Beifall der mehr als 130 Teilnehmer forderte er ein Ende des „männlichen Klerikalismus“, der lange Zeit die Täter gedeckt habe: „Das Erschreckende am kirchlichen Missbrauchsskandal ist, dass all zu oft den Opfern nicht geglaubt wurde und die Täter verschont wurden“, sagte Katsch.

Zu der Diskussion über das Thema „Missbrauch in der Kirche – Leid und Skandal ohne Ende“ hatte das Kreiskomitee der Katholiken im Kreisdekanat Steinfurt eingeladen. „Wir wünschen uns Aufklärung und Veränderungen in der Kirche, um Missbrauch weitestgehend zu verhindern“, sagte der Vorsitzende des Kreiskomitees der Katholiken, Ansgar Kaul.