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Chefredakteurin Annette Saal zur Zukunft der katholischen Kirche

Nach Rekord-Kirchenaustritten: Jetzt sind Perspektiven nötig

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Die Zahl der Kirchenaustritte sowohl im Bistum Münster als auch in ganz Deutschland hat ein neues Rekordniveau erreicht. Viele Verantwortliche haben Verständnis für diesen Schritt, aber jetzt braucht die katholische Kirche eine neue Perspektive, kommentiert „Kirche+Leben“-Chefredakteurin Annette Saal.

Absehbar waren sie schon – die katastrophalen Zahlen der Kirchen-Austritte, die jetzt bekanntgegeben worden sind. Doch aus allen Wolken gefallen ist wohl kaum jemand. Gleichwohl ist der neue Rekord erschreckend. Allein im Bistum Münster sind im vergangenen Jahr 22.604 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Dies entspricht der Einwohnerzahl einer Stadt wie Vreden.

Die Kirche – sowohl die katholische als auch die evangelische – befindet sich in einem sich beschleunigenden Erosions-Prozess. Das wissen wir seit Jahren. Doch finden wir uns damit ab, dass die Kurve steil bergab führt? Was gibt uns Hoffnung?

Erzbistum Köln an der Spitze

Zunächst ist festzuhalten: Es hilft nicht, diejenigen, die der Kirche den Rücken kehren, zu verurteilen – sie haben ihre Gründe. Auch Bischof Genn äußert Verständnis dafür, dass viele Menschen mit der Institution Kirche nichts mehr zu tun haben wollen. In diesem Zusammenhang weist er auf gravierende Fehler kirchlicher Verantwortungsträger im Umgang mit sexuellem Missbrauch hin.

Das Problem zeigt sich umfassend: In ganz Deutschland erschüttert ein Vertrauensverlust ohnegleichen die Kirche. An der Spitze steht das Erzbistum Köln mit einer Austrittszahl von 41.000 Katholikinnen und Katholiken – wen wundert‘s?

Kirche muss glaubwürdiger werden

Doch bei allem Verständnis für die Beweggründe sollten die Zahlen nicht achselzuckend hingenommen werden, sondern aufrütteln. Weil glaubende Menschen Gemeinschaft brauchen. Gerade jetzt, in Zeiten des Krieges, des Klimawandels und der vielen anderen großen und kleinen Katastrophen auf dieser Erde braucht es christliche Hoffnung und gegenseitige Stütze.

Da wird es höchste Zeit, dass Kirche glaubwürdiger wird und eine für alle verständliche Sprache spricht. Der Synodale Weg lässt hoffen – wenn er in absehbarer Zeit konkrete Ergebnisse bringt. Dann könnte sich die steile Abwärts-Kurve möglicherweise abflachen. Das wäre doch schon etwas. Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit. Vertrauen zu entwickeln, geht nicht von heute auf morgen.

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