Philosophisch-Theologische Hochschule der Kapuziner ist akademischer Träger

Orden starten mit Campus-Hochschule in Berlin – und Münster hilft

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Katholische Ordenshochschulen kämpfen seit Jahren wegen rückläufiger Zahlen um ihre Existenz. Nun wagt eine Träger-Gemeinschaft in Berlin einen Neustart mit einem ungewöhnlichen Studienkonzept.

Als Brennpunkt katholischer Theologie ist Berlin bislang nicht bekannt. Ein vor drei Jahren an der Humboldt-Universität eröffnetes Institut dieser Fachrichtung will das bereits ändern. Nun sind Ordensgemeinschaften mit einem eigenen Projekt an den Start gegangen. Ab diesem Wintersemester bietet ihr "Campus für Theologie und Spiritualität" Vorlesungen und Kurse an, teilweise auch über das Internet.

"Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum Institut für Katholische Theologie oder zur Katholischen Hochschule für Sozialwesen", versichert Dominikanerpater Ulrich Engel, Gründungsbeauftragter des Campus. Die neuen Studienangebote sollten vielmehr "Marktlücken schließen", die die Hochschultheologie bislang offen lasse.

Bezug zur PTH in Münster

Vor allem gehe es um mehr Praxisbezug in theologischer Forschung und Lehre, betont der Forschungsverantwortliche des Projekts, Pater Thomas Eggensperger, auch ein Dominikaner. Beide sind seit 22 Jahren mit dem Forschungsinstitut M.-Dominique Chenu, benannt nach einem Theologen ihres Ordens, in der Hauptstadt präsent und haben viele Kontakte in die Politik- und Kulturszene geknüpft, die sie nun in das neue Projekt einbringen.

Es entstand nach ihren Angaben aus dem Plan, die Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) der Kapuziner in Münster zu reformieren. Schnell wurde klar, dass es ein neues Konzept und den neuen Standort brauchte, um für Studierende attraktiv zu sein.

Acht Orden beteiligt

Als Träger fanden sich bislang acht Orden und ordensähnliche Gemeinschaften, weitere engagieren sich in einem Förderverein. Die PTH Münster ist akademischer Träger des Campus und sichert damit dessen staatliche und kirchliche Anerkennung.

Das Projekt orientiert sich schon im Namen an einer Campus-Uni nordamerikanischer Prägung, "die Studium und Leben eng verbindet", so Pater Engel. In Berlin erfolgt dies schon deshalb weitgehend dezentral, da die Suche nach einer Immobilie als Hauptsitz noch läuft. Als Ersatz sind vorerst Räume im Hedwigs-Krankenhaus angemietet. Lebensnähe versprechen die 18 Professorinnen, Professoren und Lehrbeauftragte auch in Form einer individuellen persönlichen Betreuung ihrer Studierenden und Kursteilnehmenden.

Säkulares Umfeld als "Ansporn"

Doch selbst mit einem künftigen zentralen Standort soll der "Campus" weiter an vielen Orten Berlins präsent sein, betont Pater Eggensperger, der Sozialethik lehrt. So können angehende evangelische und katholische Theologinnen und Theologen während eines Studienjahrs auf dem Campus ihre akademischen Erkenntnisse an der Praxis in kooperierenden sozialen Diensten messen. Noch im Planungsstadium sind Qualifizierungsangebote für Altenheim- und Krankenhausseelsorge, unter anderem als berufsbegleitender Studiengang für Quereinsteiger, sowie ein berufsorientierendes Studienjahr für Abiturientinnen und Abiturienten.

Das säkulare, multireligiöse Umfeld der Hauptstadt verstehen die Campus-Träger als Ansporn fürs Projekt. Berlin sei ein Labor für die Zukunft einer Kirche, die sich in einer Minderheitenrolle zurechtfinden müsse, erklärt Pater Engel, der zu diesem Thema einen Lehr- und Forschungsschwerpunkt hat.

Erstes erfogreiches Angebot

Wie sehr diese Perspektive berechtigt ist, zeigt ein bereits seit einem Jahr bestehendes Campus-Angebot. Es ist das "Leadership"-Programm für Leitungskräfte von Schulen und Krankenhäusern in Trägerschaft von Orden und anderen konfessionellen Trägern.

Viele Teilnehmende haben bislang wenig Bezug zur Kirche, sollen und wollen aber die christliche Prägung ihrer Einrichtungen fortführen. Bei dem Programm erhalten sie dafür Anregungen und Hilfestellungen. Rund 400 Anmeldungen gibt es bereits.