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Gastkommentar von Anke Lucht zum Kern-Auftrag der Kirche

Sich nur um sich selbst zu drehen, tut nicht gut – auch nicht der Kirche

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Erfüllt die Kirche in unserer Zeit weiterhin ihren Kern-Auftrag? Oder ist der innerkirchliche Dialog weit weg von den Sorgen und Nöten der Gesellschaft? Diese grundsätzlichen Fragen wirft Anke Lucht in ihrem Gast-Kommentar auf und gibt Anregungen für die Zukunft.

Kennen Sie das? Kinder haben oft Spaß daran, sich wieder und wieder um sich selbst zu drehen, bis die Welt vor ihren Augen verschwimmt und sie, wenn sie versuchen los­zulaufen, hin- und her taumeln und früher oder später hinfallen.

Wer sich um sich selbst dreht, nimmt die Welt um sich herum nicht mehr realistisch wahr. Kürzlich am Rande einer kirchlichen Gremiensitzung: Haupt- und Ehrenamtliche diskutieren die Rolle der Frau, den Einfluss nicht Geweihter, den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Kirche. Irgendwann sagt der Jüngste, ein im vergangenen Jahr Gefirmter, nach kurzem Zögern: „So was ist auch nur hier bei uns noch ein Thema, sonst nirgends.“

Kirche muss sich Fragen und Sorgen zuwenden

Die Autorin
Anke Lucht ist stellvertretende Pressesprecherin und stellvertretende Leiterin der Abteilung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Münster. Sie stammt aus Holdorf, ist verheiratet und hat zwei Stiefkinder. Nach dem Studium absolvierte sie ein Volontariat bei der Oldenburgischen Volkszeitung in Vechta. Ab 2001 war sie Pressesprecherin der Gemeinde Wallenhorst. 2013 wechselte sie zum Bistum Münster.

Kann man das einfach als Äußerung des Zeitgeists abtun? Oder sollten wir als Kirche nicht dringend über diese innerkirchlichen Themen hinaus gelangen und uns den Fragen und Sorgen zuwenden, die die Welt um uns herum beschäftigen und durchaus auch quälen?

Wer sich um sich selbst dreht, verliert den Halt. Kürzlich in einem Seminar. Mitarbeitende der Kirche bilanzieren ihre Arbeit während der Corona-Pandemie. Alles wird erwogen: Wie ging es den Mitarbeitenden im Home-Office, funktionierte die Technik, konnten die Führungskräfte vernünftig führen, wie digital kann die kirchliche Arbeitswelt künftig sein?

Haben wir unseren Kern-Auftrag erfüllt?

Zweifellos wichtige Fragen. Die zentrale Überlegung aber bringt niemand ein: Haben die Menschen während der Pandemie durch unsere Arbeit Glaube, Hoffnung, Liebe und so letztlich Gott erfahren? Oder anders gefragt: Wie erfolgreich haben wir unter den gegebenen Bedingungen unseren Kern-Auftrag erfüllt?

Wer sich um sich selbst dreht, hat Schwierigkeiten, zielgerichtet weiter zu gehen, und stürzt schlimmstenfalls. Dass die Kirche endgültig zu Fall kommt, kann keine Katholikin, kein Katholik wollen. Umso dringender ist es an uns, die Binnensicht, das Kreisen um die kircheneigene Befindlichkeit natürlich nicht aufzugeben – das wäre ebenso unrealistisch wie unmenschlich und fahrlässig –, aber öfter zu durchbrechen, zu weiten, zu hinterfragen. Immer wieder, sehr bewusst, ganz konsequent, aufrichtig und ehrlich. Denn auch das lässt sich an den Kindern gut beobachten: Ewig hält das Drehen um sich selbst niemand durch.

Die Positionen der Gast-Kommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche-und-Leben.de“ wider.

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