„Suche Frieden“ ein Thema für inhaftierte Frauen

Straftäterinnen in Vechta spielen Theater zum Katholikentags-Motto

Von „Oase“ ist die Rede, vom „Tor zum Chillen“ und davon, wie gut es Ihnen tut, dabei zu sein. Hier in diesem L-förmigen Raum in einer oberen Etage der Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen in Vechta. Hier, wo zwei von drei elektrischen Nähmaschinen rattern. Hier proben acht Frauen ein Theaterstück zum Motto des Katholikentags 2018 in Münster „Suche Frieden“.

Frauen, die vor ihrer Entlassung stehen. Andere aus dem „Offenen Vollzug“ und jene, für die Adresse „An der Propstei 10“ in Vechta, die der JVA, noch lange ihre Anschrift sein wird. Im Blick auf deren Taten die Worte „Drogen- und Kaufsucht“ fallen.

Hier, vor hellgelben Resopaltischen, an denen das Furnier an der einen und anderen Stelle fehlt, drehen und wenden die Verurteilten zwischen 20 und 60 die beiden Worte „Suche Frieden“. In dem Raum mit der Küchenzeile in der hinteren Ecke, mit den schmucklosen Schränken links neben der einzigen Türe beschäftigen sie sich an jedem Mittwoch seit Jahresbeginn für drei Stunden damit, was der Friede mit ihnen zu tun hat. Finanziell unterstützt durch den Landes-Caritasverband wird am Ende ein etwa 20-minütiges Theaterstück stehen, das Mitte November neben mehreren Gästen auch Weihbischof Wilfried Theising sehen wird.

Was ist Frieden?

„Wenn man tot ist, hat man Frieden“, provoziert die südländische Frau, die ihre schwarzen Haare hinter einem hellblauen Kopftuch verbirgt. „Oder was soll sonst Frieden sein?“, beschreibt sie resigniert, dass man ja nur dann wirklich seine Ruhe habe. „Aber dann merkst Du ja nichts mehr davon“, kontert eine Jüngere. „Ohne Drogen – das ist Frieden“, setzt sie ihre Hoffnung dagegen. Mit „Gewaltfrei leben“, „Komplimente“ oder „Familie“ beantworten andere die Frage, was für sie Frieden bedeutet.

„Drei Stunden“, freut sich die stellvertretende Leiterin der JVA für Frauen, Petra Huckemeyer, „so lange dauert normalerweise keine solche Einheit. Höchstens mal 90 Minuten.“ Und ist dankbar dafür, dass sich Gefangene, ausgelöst durch das Katholikentags-Motto, erstmals in ihrer 26-jährigen Amtszeit haus- und abteilungsübergreifend erleben und kennenlernen. Das sei im Alltag nicht immer so. Da könne es schon Neid oder gar Streit geben, nur weil jemand mal eine Scheibe Käse mehr auf dem Teller habe als die Nachbarin.

Ungewohnt tröstende Worte

Im „multidisziplinären Kunstprojekt“ – wie es offiziell überschrieben ist - helfe man sich dagegen hin und wieder aus mit Tabak oder gebe einander ein tröstendes Wort „einfach so nebenbei“, wenn jemand zum Beispiel vor einer Verhandlung stehe. In die Figuren des künftigen Theaterstücks hineingeschlüpft, in „Naomi“, „Friedolin“ oder die nachtaktive „Hofftolie“, „kann man sich auch mal öffnen“, sagt eine junge Frau.

Wenn nach den kunstvoll gestalteten Masken auch die Kostüme und Gewänder fertig sein werden, wenn die Fragen „Über welche Brücke kann ich gehen?“ oder „Wo möchte ich ankommen im Blick auf den Frieden?“ als dritter Teil ihres Theaterstückes beantwortet sind, hoffen sie, innerlich weiter zu sein. „Denn Frieden suchen wir ja alle.“ Ob sie ihr Stück beim Katholikentag in Münster zeigen können, ist noch offen. Tun würden sie es auf jeden Fall gerne.