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In Rheine werden Namen auf das Friedhofskreuz projiziert

Totengedenken per Video-Beamer zu Allerheiligen

  • In St. Antonius Rheine werden die Namen bei der Gräbersegnung nicht mehr laut verlesen.
  • In einer Endlosschleife sind sie am Allerheiligentag nachmittags und abends als Projektion auf dem Friedhofskreuz zu sehen.
  • Am Fuß des Kreuzes steht das Seelsorgeteam für Gespräche bereit.
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Wer dieses Jahr an Allerheiligen nachmittags auf den Friedhof Eschendorf in Rheine kommt, hört zuerst ruhige Musik: zwei Streicher spielen. Dann sieht er das hoch aufragende zentrale Wegkreuz, hell erleuchtet. Über die Arme des Gekreuzigten laufen von links nach rechts Namen, von einem Beamer projiziert, jeder ist zwei Sekunden zu sehen. Mehr als 300 Namen, immer wieder. Die Namen der Menschen, die in der Gemeinde St. Antonius im zurückliegenden Jahr verstorben sind und hier begraben wurden.

Am Fuß des Kreuzes steht das gesamte 15-köpfige Seelsorgeteam der Gemeinde St. Antonius. Offen für Gespräche. „Eine sehr ruhige und andächtige Stimmung“, fasst Tobias Plien zusammen. Der Pastoralreferent hatte die Idee einer neuen Form der Gräbersegnung in das Seelsorgeteam gebracht.

 

Anders als traditionelle Segnung

 

Denn dieses Bild ist auf dem Friedhof in Rheine ungewohnt. An Allerheiligen organisierte die Gemeinde St. Antonius dort sonst eine traditionelle Gräbersegnung, bei der sich Trauernde zu einer Andacht unter dem Kreuz versammeln. Die Namen aller Verstorbenen des Vorjahres werden laut verlesen, anschließend die Gräber reihenweise gesegnet. Eine lange Tradition, der man eine neue Form geben könne, fand Tobias Plien.

Corona gab den Anstoß. Im Vorjahr begann genau am Fest Allerheiligen ein Lockdown, der alle größeren Treffen unmöglich machte.

 

Namen sind weit sichtbar

 

Gesegnet wurden die Gräber auf dem katholischen Friedhof trotzdem. Und die Gemeinde erprobte die Idee, die Namen der Verstorbenen wenn schon nicht hörbar, dann wenigstens weithin sichtbar zu machen. Indem Pastoralreferent Tobias Plien sie mit einem Beamer in die Arme des Gekreuzigten projizierte, auf das Wegkreuz in der Mitte des Friedhofs. An dem dunklen Novembernachmittag war das eindeutig „ein Hingucker“, findet Plien.

Denn Besucher des Friedhofs blieben überrascht stehen, holten dann ihre Smartphones aus der Tasche. Sie warteten, bis der Name eines Bekannten, „ihres“ Verstorbenen erschien und machten dann ein Foto, viele auch ein Selfie. „Das haben sie dann über WhatsApp verschickt“, vermutet Tobias Plien.

 

Besonders eingeladen per Post

 

Pastoralreferent Tobias Plien aus St. Antonius Rheine. | Foto: privat
Pastoralreferent Tobias Plien aus St. Antonius Rheine. | Foto: privat

Der überraschende Zuspruch hat die Gemeinde St. Antonius ermutigt, die Gräbersegnung in dieser Form am morgigen Allerheiligenfest nachmittags ab 16 Uhr zu wiederholen. Die Angehörigen von Verstorbenen des Vorjahres hat sie dazu gesondert per Post eingeladen.

Gerade die seien für Gespräche offen, vermutet Plien. Wer auch immer aus dem Seelsorgeteam die jeweilige Beerdigung gehalten habe – er sei sicher unter dem Kreuz zu finden. Und Anknüpfungspunkte für ein Gespräch seien schnell gefunden, weiß Plien, der selbst im Begräbnisdienst steht. Auf Wunsch gehe der Seelsorger dann auch mit zum Grab und spende einen persönlichen Segen.

 

Ein ganz persönliches Angebot

 

Persönlich – das sei der entscheidende Punkt, findet Plien. Ein persönliches Gespräch und ein persönlicher Segen für einen Menschen in tiefer Trauer. Das wolle man auf dem Friedhof möglich machen.

Auch, indem man eine entspannte Gesprächsatmosphäre schaffe. Zum Beispiel durch eine Kaffeebar. In der Nähe wird ein Kaffeewagen aufgestellt, der sonst auf dem Marktplatz seinen Platz hat. Der Inhaber schenkt zum Selbstkostenpreis fair gehandelten Kaffee aus.

 

Gräbersegnung mal ganz anders

 

Jan Kröger, der leitende Pfarrer, ist neu in Rheine und hat dort noch keine Gräbersegnung erlebt. Er kennt diese Feiern von seiner Zeit als Kaplan in Vechta und als Pfarrer in Oldenburg. In Südoldenburg hätten sie eine hohe Bedeutung, berichtet er.

Die Idee, Segnung und Lichter ganz neu zu gestalten, findet er faszinierend. Kerzenlichter seien ja traditionell immer auf Friedhöfen zu sehen. „Warum dann Licht nicht auch in moderner Form einmal elektronisch?“ Auf die Gräbersegnung in seiner neuen Gemeinde sei er deshalb besonders gespannt.

Der katholische Friedhof in Rheine-Eschendorf hat rund 7.000 Gräber, jedes Jahr werden dort etwa 300 Menschen beerdigt.

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