Reaktion auf Anzeige gegen Bischof Hanke

Vatikan ermittelt im Eichstätter Finanzskandal nicht selbst

Der Vatikan will derzeit den Finanzskandal im Bistum Eichstätt nicht selbst untersuchen. Das geht aus einem Schreiben der Kleruskongregation hervor, dessen Eingang die Diözese bestätigte. Damit reagiert der Vatikan auf eine Anzeige von 18 Katholiken gegen Bischof Gregor Maria Hanke.

Der Brief des Sekretärs der Kleruskongregation, Erzbischof Joel Mercier, ging an Walter Hürter, einen Beschwerdeführer. Mercier schreibt, der Fall werde vor Gericht in München geprüft. „Die Ergebnisse der prozessualen Nachforschung und der gerichtlichen Entscheidung werden eingehend studiert werden.“ Hanke werden in der Anzeige schwerwiegende Verletzungen seiner Amtspflichten vorgeworfen.

„In keiner Weise zufriedenstellend“

Die Antwort sei „für uns und die kirchliche Öffentlichkeit in keiner Weise zufriedenstellend“, heißt es in einem erneuten Brief Hürters an die Kongregation. Bei den staatsanwaltlichen Ermittlungen gehe es offenbar um einen erheblich geringeren Vermögensschaden als jenen, den das Bistum mit etwa 50 Millionen US-Dollar beziffere.

Hanke und der damalige Finanzdirektor und Domdekan Willibald Harrer trügen die Hauptverantwortung für „die durch spekulative Geldanlagen eingetretenen horrenden Verluste“. Daher sei eine unabhängige Untersuchung dringend geboten.

Ein Beschuldigter nicht mehr in Haft

Das Bistum Eichstätt hatte den Skandal im Februar selbst öffentlich gemacht. Der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor und ein weiterer Beschuldigter sollen rund 60 Millionen US-Dollar in großteils unbesicherten Krediten zu Projekten auf dem US-Immobilienmarkt angelegt haben.

Beide Männer wurden Ende Januar verhaftet. Mittlerweile wurde der Haftbefehl gegen den ehemaligen Bistums-Mitarbeiter mit Rücksicht auf dessen Gesundheitszustand außer Vollzug gesetzt. Laut Staatsanwaltschaft legten sie Teilgeständnisse ab.

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem gesicherten Vermögensschaden von einer Million Dollar aus. Er sei durch Bestechungszahlungen entstanden. Womöglich falle der tatsächliche Schaden höher aus. Die Anwälte des Bistums befürchten ihn im zweistelligen Millionenbereich.