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Kommentar von Reporter Michael Rottmann zur stockenden Impfkampagne

Vorurteile und Vorwürfe gegen Ungeimpfte bringen uns nicht weiter

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Die Corona-Impfkampagne in Deutschland ist mächtig ins Stocken geraten. Statt Umgeimpfte an den Pranger zu stellen, sollten Impf-Hürden ernstgenommen werden, sagt unser Reporter Michael Rottmann.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn ich im Bekanntenkreis frage: „Na, alle schon gegen Corona geimpft?“, ernte ich stets Kopfnicken. „Geimpft? Natürlich!“

In meinen Facebook- oder Instagram-Kanälen ist es ähnlich. Fast jeder also mittlerweile auf der sicheren Seite, denke ich (selbst-)zufrieden  – und ertappe mich bei dem Schluss: „Wer jetzt noch nicht geimpft ist, dem ist dann wohl auch nicht mehr zu helfen.“

Begrenzter Horizont

Aber stimmt diese Schuldzuweisung überhaupt? Und wie entstehen solche (Vor-)Urteile? Vielleicht dadurch, dass jeder von uns in einer „Informationsblase“ lebt: Wir haben die Menschen um uns herum vor Augen, informieren uns in ähnlichen Medien und denken, wir hätten den Überblick. Doch der trügt oft.

Denn unser Horizont reicht eben nur bis zum Tellerrand unserer Vorstellungskraft. Und genau das führt leicht zu Fehlschlüssen. Es ist wichtig, sich das immer bewusst zu machen, auch in Sachen Impf-Statistik.

Impf-Hürden durchaus vorhanden

Sicher – gut einem Drittel der Deutschen fehlt noch der Piks in den Oberarm. Aber das sind beileibe nicht alles Impf-Verweigerer oder Corona-Leugner. Deshalb sollten wir vorsichtig sein mit einem vorschnellem „selbst schuld!“ Diese Haltung ist so ungerecht wie falsch.

Experten wissen: Sprachprobleme, komplizierte Formulare, Unsicherheit wegen falscher Informationen – das sind für zu viele Menschen immer noch schwer zu überwindende Impf-Hürden. Deshalb sind nicht Vorwürfe, sondern helfende Hände und geduldige Aufklärung die Gebote der Stunde. Das hat wohl auch zu tun mit dem, was Papst Franziskus mit den „Rändern“ der Gesellschaft meint, an denen wir als Christen gefragt sind.

Niedrigschwellige Impfangebote helfen

Niedrigschwellige Impfangebote sind so ein Hilfsangebot. Dass die sich lohnen können, zeigte etwa eine mobile Impfaktion an einem Sonntagmorgen neben der Wallfahrtsbasilika im oldenburgischen Bethen. Wallfahrtsrektor Dirk Költgen hatte die Idee dazu.

Eine Anmeldung war nicht nötig, zur Teilnahme reichte ein Ausweis, es gab Hilfe bei den Formularen. Der sichtbare Erfolg: Menschenschlangen vor dem Impfbus. Sie haben scheinbar genau das gebraucht – und keine Schuldzuweisung.

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