Themenwoche "Seniorenheime unter Kostendruck" (4): Die Bewohner

Was Bewohnerinnen und Bewohner an katholischen Altenheimen mögen

  • Die schwierigen Rahmenbedingungen für Seniorenheime bleiben auch den Bewohnern nicht verborgen.
  • Dennoch: Viele leben gern in den Einrichtungen.
  • Eine Frau und ein Mann aus Münster haben uns erzählt, was sie zufrieden macht.

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Pflegenotstand, Personalmangel, Einsamkeit – Kritik an Alten- und Pflegeheimen kennt jeder. Aber man muss oft gar nicht lange suchen, um zufriedene Bewohnerinnen und Bewohner zu finden, die ein Zuhause gefunden haben, wenn es daheim allein nicht mehr geht.

So wie Ida Kunkel. Die 81-Jährige lebt seit Sommer 2021 im Altenheim St. Elisabeth in Münster-Gievenbeck. „Ich kannte das Haus schon lange, weil ich hier ehrenamtlich aus meiner St.-Michael-Pfarrgemeinde Dienst gemacht hatte“, sagt sie. Der ehemaligen Kinderärztin war irgendwann klar, dass sie dort einziehen wollte, damit sie in ihrem Stadtteil bleiben konnte. So bekommt sie heute noch Besuch von einer Freundin und Bekannten aus der einstigen Nachbarschaft. Und auch ihr Sohn sowie Nichte und Neffe schauen häufig vorbei.

"Ich bin zufrieden, darum erzähle ich davon"

Ida Kunkel ist zufrieden im Altenheim St. Elisabeth in Münster-Gievenbeck. | Foto: Heike Hänscheid
Ida Kunkel ist zufrieden im Altenheim St. Elisabeth in Münster-Gievenbeck. | Foto: Heike Hänscheid

„Als ich merkte, dass ich in meiner alten Wohnung trotz des ambulanten Pflegedienstes allein nicht mehr zurechtkam, habe ich mich selber hier im Altenheim angemeldet“, erzählt sie. Warum sie sich zufrieden fühlt? „Das Pflegeteam ist nett und immer für einen da. Das fängt schon morgens an, wenn man mir aus dem Bett und ins Bad hilft“. Der Notknopf gibt ihr im Lauf des Tages für alle Fälle Sicherheit.

Einsam sei sie nicht, sagt Ida Kunkel, sie könne allerdings auch gut alleine sein. Mit Büchern im Großdruck – vor allem Krimis – vertreibt sie sich oft die Zeit.

Auch die Tischgemeinschaft bei den Mahlzeiten genießt sie, ebenso Angebote für die Bewohner wie Sitzgymnastik, Hilfe beim Wäschefalten oder das Eierfärben zu Ostern. Ihre Zufriedenheit möchte sie auch anderen älteren Menschen gerne vermitteln – „deshalb erzähle ich davon“.

"Selbstständigkeit trotz allem"

„Klar wäre Jammern möglich“, sagt Bruder Jochen-Franz Rickhei in seinem Zimmer im Haus Franziska, dem Alten- und Pflegeheim in Trägerschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in Münster-Hiltrup. Den 55-Jährigen zwingt die Multiple Sklerose seit vielen Jahren in den Rollstuhl.

Seit 2016 lebt er aufgrund seines inzwischen hohen Pflegebedarfs im Altenheim. Aber jammern hört man den Canisianer-Bruder eigentlich nie. „Im Grunde bin ich zufrieden mit meiner Situation, die mir trotz allem noch ein recht gutes Stück Selbstständigkeit lässt“, sagt er.

Klösterlicher Rhythmus

„Ein bisschen klösterlicher Rhythmus ist mir wichtig.“ Deshalb startet Bruder Jochen-Franz seinen Tag mit den Laudes und dem Blick auf die Ikonen-Wand in seinem Zimmer. Diese Bilder hätten ihm in der ersten Krankheitsphase sehr geholfen, als plötzlich Worte zum Gebet fehlten.

Mit einem ebenfalls pflegebedürftigen Mitbruder im Zimmer nebenan ist Bruder Jochen-Franz stets am frühen Abend zum Gebet der Vesper verabredet. Häufig versucht er, mit dem Bus ins Canisiushaus in der Stadt zu kommen, um den Kontakt zu den Mitbrüdern nicht zu verlieren.

Ahnenforscher und Bewohnerbeirat

Bruder Jochen-Franz Rickhei. | Foto: Heike Hänscheid
Bruder Jochen-Franz Rickhei. | Foto: Heike Hänscheid

Neben der notwenigen Pflege, die seinen Tag zum Teil bestimmt, bemüht sich der Canisianer um Abwechslung. „Soweit es meine Kräfte zulassen, nutze ich die Bewegungsgeräte hier und fahre mit dem Elektro-Rollstuhl mal durch Hiltrup oder auch durch Münsters Innenstadt“.

Viel Zeit verbringt Bruder Jochen-Franz vor dem Computer: Er hat die Ahnenforschung als Hobby für sich entdeckt.

Im Übrigen engagiert er sich im Haus als Vorsitzender im Bewohnerbeirat, schreibt mit viel Freude an Sprache und Wortspielereien kleine Geschichten und Gedichte und findet, dass das Glas seines Lebens „halb voll“ und keineswegs halb leer sei. Übers Glücklich-Sein habe er eigentlich noch nicht nachgedacht: „Ich bin hier zufrieden, denn Jammern hilft nicht.“