Coming soon: Login KLup

Interview mit dem geistlichen Leiter des Heilig-Land-Vereins

Wegen Corona: Heilig-Land-Kollekte nur per Überweisung möglich

Der Ausfall der Kollekte am Palmsonntag gefährdet die Arbeit des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande. Dazu äußert sich der geistliche Leiter des Vereins, Pfarrer Ludger Bornemann aus Münster. Er hat 20 Jahre in Israel gelebt.

Der Ausfall der Kollekte am Palmsonntag gefährdet die Arbeit des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande. Dazu äußert sich der geistliche Leiter des Vereins, Pfarrer Ludger Bornemann aus Münster. Er hat 20 Jahre das Pilgerhospiz in Tabgha am See Genesareth in Israel geleitet und Tausenden von Pilgern, die etwa mit Emmaus-Reisen aus dem Bistum Münster im Heiligen Land war, Israel und Palästina nahegebracht. Seit 2016 lebt er als Hausgeistlicher das Canisianer in Münster.

Herr Pfarrer Bornemann, am Palmsonntag fällt die Heilig-Land-Kollekte aus. Was bedeutet dieser Ausfall?

Das bedeutet einen großen Einschnitt in die Möglichkeiten, die wir als Deutscher Verein vom Heiligen Land, aber auch die Franziskaner im Heiligen Land leisten können. Die Einnahmen sind die Basis für das, was wir im Laufe des Jahres in unserer Arbeit als Hilfswerk vor Ort machen können.

Wofür wird das Geld genutzt?

Ludger BornemannLudger Bornemann hat 20 Jahre im Heiligen Land gewirkt. Heute ist er geistlicher Leiter des Deutschen Vereins vom Heiligen Land und lebt in Münster. | Archiv-Foto: Michael Bönte

Als Beispiele möchte ich einige Projekte nennen, die uns angetragen worden sind. Da ging es kürzlich darum, ein Beatmungsgerät für das St. Joseph Krankenhaus in Ost-Jerusalem mitzufinanzieren. Nach den Vorgaben des israelischen Gesundheitsministeriums müssen jetzt alle Krankenhäuser entsprechend ausgerüstet sein, und das katholische St. Joseph Krankenhaus hat noch kein Beatmungsgerät gehabt. Wir konnten da eine Beihilfe leisten. Ein anderes Projekt, mit dem unser  Verein befasst ist, das ist die Migrantenseelsorge.

Können Sie das näher ausführen?

Die größte Gemeinde von Migranten befindet sich in Tel Aviv. Es sind vor allem philippinische Gastarbeiterinnen, die dort in der Hauspflege tätig sind. Sie werden oft sehr allein gelassen, finden aber einen sehr starken Zusammenhalt im Glaubensleben, in der Messfeier. Es gibt eine Seelsorgestelle, die sich unter anderem um Kinder von Frauen kümmert, die oft keine richtige Krankenversicherung haben oder andere Unterstützung, die hierzulande üblich ist. Diesen Menschen helfen wir. Ein anderer wichtiger Bereich sind die Freiwilligendienste: Wir haben etwa 20 junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr im Heiligen Land absolvieren – in Sozialeinrichtungen, Gästehäusern, Behinderten-Einrichtungen, Krankenhäusern. Das wird aus der Palmsonntags-Kollekte mit unterstützt.

Was passiert denn gegenwärtig mit den Freiwilligen?

Die sind alle wieder in Deutschland. Der Staat Israel hat jeden, der kein längeres Visum hat zur Ausreise angewiesen. Ordensleute oder Mitarbeiter von Auslandsschulen haben eine längere Aufenthaltsgenehmigung, die dürfen bleiben. Die Freiwilligen haben alle ein Jahresvisum und mussten das Land verlassen, was gar nicht so einfach war, weil alle Flüge gestrichen waren. Die Lufthansa hat zum Beispiel auch Tel Aviv nicht mehr angeflogen. Inzwischen haben wir mit anderen Fluggesellschaften alle wieder nach Deutschland zurückgeholt. Die jungen Leute waren sehr traurig, weil sie das Jahr abbrechen mussten. Sie fragen sich auch: Was passiert denn jetzt mit unseren Behinderten, Kranken, um die wir uns kümmern und die uns doch eigentlich in der Einrichtung auch brauchen? Die Freiwilligen mussten sich dann sehr schnell verabschieden, was so nicht geplant war.

Wem kommen denn die übrigen Spendenmittel zugute – Israelis oder Palästinensern?

Beiden. Es geht uns in erster Linie darum, christliches Leben im Heiligen Land zu ermöglichen. In Israel und Palästina leben Christen in einer Minderheit von anderthalb bis zwei Prozent der Bevölkerung. Sie arbeiten mit jüdischen Leuten in Israel zusammen und mit muslimischen Leuten. Traditionell stammen die meisten Christen aus der arabischen Bevölkerung. Sie könnten eine Sauerteig- oder Brückenfunktion übernehmen – auch im versöhnenden Sinne, weil sie mit der arabischen Kultur vertraut sind und weil sie zugleich die jüdische Bibel kennen, die ja auch zu unserer Bibel gehört. Weil sie meistens sehr gut ausgebildet sind, versuchen wir sie darin zu stärken, die Chance der Minderheit zu nutzen, auch für Versöhnungsarbeit, die durch die Christen und ihre Einrichtungen vor Ort ermöglicht wird. 

Die Kollekten in den Gottesdiensten fallen aus, gibt es eine andere Möglichkeit zum Spenden?

Wir haben mit den Franziskanern bei der Pax-Bank ein Sonderkonto eingerichtet, so dass Geld dorthin überwiesen werden kann (siehe unten). Der Deutsche Verein vom Heiligen Land nimmt auch Kollekten entgegen, die für spezielle Projekte überwiesen werden – etwa das Caritas-Babyhospital in Betlehem oder andere Einrichtungen, die Pilger im Laufe einer Reise im Heiligen Land kennengelernt haben. Das Geld überweisen wir dann weiter an die entsprechenden Einrichtungen.

So können Sie auch ohne Kollekte für das Heilige Land spenden
Der Deutsche Verein vom heiligen Land und das Kommissariat des Heiligen Landes der deutschen Franziskanerprovinz haben ein gemeinsames Sonderkonto eingerichtet. Die Kontoverbindung lautet Deutscher Verein vom Heiligen Lande, IBAN: DE13 3706 0193 2020 2020 10, Pax-Bank, Stichwort: Spende zu Palmsonntag.
Mehr Informationen auf der Homepage des Deutschen Vereins vom Heiligen Land: www.palmsonntagskollekte.de
Außerdem ist es möglich, das Online-Portal des Bistums Münster bei der Darlehnskasse Münster zu nutzen. Es hat die Internet-Adresse www.bistum-muenster.de/spendenportal. Dort stehen auch Informationen zu verschiedenen Projekten mit Angaben, wohin die Gelder weitergeleitet werden. Auch über diesen Weg kann nach Angaben des Bistums eine Spendenquittung ausgestellt werden. Es bestehe aber auch die Möglichkeit einer anonymen Spende. Für Fragen stehen Birgit Feldkamp und Ruth Lübbers unter der E-Mail-Adresse online-spenden@bistum-muenster.de zur Verfügung.

Drucken
Anzeige
Anzeige
  • Kampanile - Medieagentur