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Jina und Gabriel flüchteten aus Aleppo nach Xanten

Weihnachten in Syrien war lauter und bunter - dann kam der Krieg

  • In Syrien wird Weihnachten lauter und bunter gefeiert.
  • Jina Sbat und Gabriel Kebbeh waren in der katholischen Jugendarbeit in Aleppo engagiert.
  • Dann kam der Bürgerkrieg. Jetzt feiert das Ehepaar traditionell deutsch in Xanten und erinnert sich an die Heimat.
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„Weihnachten wird in Syrien viel lauter gefeiert“, sagt Jina Sbat. „Dann kommt nicht nur die enge Familie zusammen, sondern es begegnen sich viele Gruppen in einem großen Kreis von Freunden und Bekannten. Es ist ganz anders als hier in Deutschland. Es ist ein lebhaftes Fest, voller Begeisterung treffen wir uns nach der Mette zum Beispiel in dem Kirchhof und wünschen uns frohe Weihnachten.“ Erinnerungen kommen auf, als die 33-jährige Frau von Weihnachten in ihrer Heimat erzählt, und stimmen sie traurig.

Seit 2015 lebt Jina Sbat mit ihrem gleichaltrigen Mann Gabriel Kebbeh in Xanten. Sie stammen beide aus Aleppo in Syrien. Beide sind katholisch und waren in Aleppo im Gemeindeleben aktiv. In Syrien herrscht seit Jahren ein furchtbarer Bürgerkrieg. Schon 2013 haben sie sich entschieden, das Land zu verlassen. Sie wollten eine Familie gründen, und das ist nach ihrer Einschätzung in Syrien nicht möglich. Bombardierung, Verfolgung, Tod und Vertreibung kennzeichnen die Lage in Syrien. Vor der Flucht heiraten sie und finden einen sicheren Aufenthalt in Deutschland. Sie kommen nach Xanten. Gabriel ist Elektroingenieur und Jina Berufsschullehrerin. Sie haben zwei Kinder: Toni, fünf Jahre, und Mira, 18 Monate.

In Xanten finden Syrer schnell Anschluss

In Xanten finden sie schnell Anschluss. Zum Beispiel lernen sie Maria Schönfelder kennen, die sie in deutscher Sprache unterrichtet. An Weihnachten kommen die Erinnerungen an ihre Heimat immer wieder hoch. Jina vermisst vor allem ihre Eltern, die sie seit sechs Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie telefonieren täglich und halten intensiven Kontakt über die sozialen Medien. „Aber das ist doch nicht dasselbe“, sagt sie. Gabriels Eltern leben in Brüssel. Sie können sie an Weihnachten Gott sei Dank besuchen.

In Aleppo leben 15 bis 20 Prozent Christen. An Heiligabend kamen Jina und ihre Gemeinde um 22 Uhr zum Gottesdienst zusammen. Die Messe war feierlich und doch lebhaft. Jina sang im Chor mit, an diesem Abend ein besonders schönes Erlebnis. „Nach dem Gottesdienst versammeln wir uns als Gemeinde zum Beispiel im Kirchhof, eine große Gruppe, von denen wir ja sehr viele kennen“, sagt Jina. Im Gottesdienst feiern mehrere Priester am Altar. Die Musik spielt in der Kirche eine große Rolle. Das ist ähnlich wie in Deutschland. Nur die Musik ist eine andere, nicht so getragen.

Auf Plätzen wird mit Freunden laut gefeiert

Im Freien feiern sie anschließend weiter. Zum Beispiel werden im Kirchhof oder an anderen Plätzen viele Weihnachtslieder gesungen, entweder live von Bläsern unterstützt oder aus der Konserve über Lautsprecher. „Da kommen viele Menschen zusammen. Die Beziehungen in der Gemeinde sind eng. Wir von der Katholischen Studierenden-Gemeinde sind eine große Gruppe und sind sehr oft untereinander befreundet. Alles an diesem Abend ist bunt, laut und voller Lebensfreude. Ganz anders als hier in Deutschland“, erinnert sich Jina. „Diese Feiern dauern bis zum nächsten Morgen, bis drei oder vier Uhr.“

Jina und Gabriel waren Leiter von einer katholischen Gruppe. Wie sie verkaufen viele Leiter Eintrittskarten für die Party-ähnlichen Veranstaltungen nach der Messe. „Es ist eine Möglichkeit für die Gruppen und Pfarreien sich zu finanzieren. Denn eine Kirchensteuer oder ähnliches gibt es in Syrien nicht.“ Die Karten sind teuer und heiß begehrt. Viele wollen auf jeden Fall an der öffentlichen Feier teilnehmen. Nach einem festlichen Essen in der Kernfamilie ist der Heiligabend dann vorbei.

Krieg beendet Feiern zu Weihnachten

Weihnachten beginnt am 25. Dezember, nicht schon an Heiligabend. Der erste Weihnachtstag gehört der Familie. Dann werden die Geschenke verteilt. Die älteren Kinder finden diese unter dem Weihnachtsbaum vor. Für die jüngeren Kinder verteilt der Weihnachtsmann die Geschenke. „Papa Noel“, wie er in Syrien genannt wird. „Papa Noel hat wie in Deutschland einen langen weißen Bart und ein rotes Gewand“, sagt Jina. Mittags fahren die Familien zu den Großmüttern, wo gegessen wird.

Aber beide wissen: Diese Art zu feiern hat vor dem Krieg stattgefunden. Sie sei mit dem Krieg untergegangen, Geschichte eben, sagt Gabriel. Selbst wenn der Krieg zu Ende wäre, sie wieder in ihre Heimat zurückkehrten, wäre es heute anders, Weihnachten zu feiern, weiß er. Die Freunde sind in der ganzen Welt verteilt. „Das Leben, das wir in Syrien gehabt haben, ist vorbei“, resümiert Gabriel. Über diesen Verlust sind beide traurig. Ein Stück wertvoller Lebenskultur ist unwiederbringlich verloren gegangen.

In diesem Jahr feiern sie typisch deutsch

In diesem Jahr feiern sie bei Maria Schönfelder. Es wird ein typisch deutsches Fest. Die beiden Söhne von Maria werden dabei sein, die Mutter und der Bruder samt seiner Familie. „Es wird ruhiger, familiärer, nicht mit so vielen Freunden“, denkt Jina. „Hier bei Maria zu feiern, ist auf der anderen Seite ein Trost“, sagt Gabriel. „Toni und Mira erleben eine Form, die ihnen ein unbeschwertes Weihnachten ermöglicht. Das wird ihre Art werden, Weihnachten zu feiern. Auf diese Weise werden sie ein eigenes Zuhause entwickeln.“

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