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Aus den Predigten deutscher Bischöfe

Weihnachtspredigten über Gottes „Deal“ und menschliche Würde

Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland haben an Weihnachten zu Einsatz für andere Menschen und die Umwelt aufgerufen. Zugleich erinnerten sie an die Liebe der Menschwerdung Gottes.

Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland haben an Weihnachten zu Einsatz für andere Menschen und die Umwelt aufgerufen. Zugleich erinnerten sie an die Liebe der Menschwerdung Gottes.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach von einem unruhigen Jahr, in dem Polarisierungen gewachsen seien. „Irgendwie spüren wir, dass eine alte Welt vergeht, aber das, was kommt, wird noch nicht wirklich sichtbar und löst deshalb Sorgen und Ängste aus“, sagte der Münchner Erzbischof. Wer die Weihnachtsbotschaft ernst nehme, müsse sich für das Wohl der Menschen und der Umwelt einsetzen und dürfe nicht nur das eigene Ich, die eigene Nation sehen und eigene Interessen im Sinn haben.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete Weihnachten als „Fest der grenzenlosen Hoffnung“. Mit der Geburt Jesu habe die Liebe Gottes menschliche Gestalt angenommen. Die Botschaft verbinde Menschen unterschiedlicher Nationalitäten. Gott sei nicht zuerst Deutscher oder Chinese, Amerikaner oder Afrikaner geworden, „sondern einfach Mensch“.

Woelki: Gott kommt in echt!

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warnte – ähnlich wie Münsters Bischof Felix Genn – vor Gefahren der Digitalisierung. Künstliche Intelligenz nehme immer neue Züge an und orientiere sich nicht nur an Logik, sondern auch an Gefühlen, sagte der Erzbischof. „Humanoide Roboter können bereits streicheln, lachen und weinen.“ Sie imitierten aber nur menschliche Nähe. Dagegen sei das Kind an Weihnachten keine digitale Repräsentation: „Gott kommt in echt!“

Eine „rücksichtslose Ausbeutung der Natur“ prangerte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck an: „Wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns reumütig und ehrlich eingestehen müssen, dass wir in vielfacher Weise gegen die Schöpfung gesündigt haben und weiterhin sündigen.“ Die Erde, auf der Gott in Jesus Mensch geworden sei, sei durch Klimawandel, Wegwerfkultur und Ressourcenverschwendung belastet.

Bode: Kirche mitverantwortlich für Glaubensverlust

Einen „Vertrauensverlust der Kirche“ machte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode mitverantwortlich für einen Glaubensverlust. Heute verbänden Menschen mit dem Wort „Gott“ wohl noch ein „höheres unpersönliches Etwas als Urgrund des Lebens“, aber kaum mehr ein persönliches Du: „Das liegt vor allem auch daran, dass ihnen die Rede der Kirche von Gott und über Gott unglaubwürdig geworden ist.“

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße rief dazu auf, sich auf Gottes „Deal“ zu Weihnachten einzulassen. Es sei ein selbstloser Tausch, den Gott mit der Menschwerdung seines Sohnes eingehe: „Gott tauscht die Seiten. Er kommt aus seiner Herrlichkeit auf diese Erde.“ Niemand wisse, wie der Brexit-Deal aussehen werde oder der geplante „Green Deal“ der EU. Von Gottes „Deal“ zu Weihnachten aber profitierten die Menschen schon heute.

Ackermann: Menschwerdung nicht unter Gottes Würde

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann erinnerte an das weihnachtliche Bekenntnis Gottes zum Menschsein: „Mensch zu werden, ist für Gott nicht unter seiner Würde.“ Im Kind von Bethlehem verbinde sich Gott immer enger mit seinem Geschöpf und bekenne sich zu ihm.

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