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Gespräch mit Martin Dabrowski von der Bistums-Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster

Künstliche Intelligenz - Fluch oder Segen?

Mit Folgen der Künstlichen Intelligenz haben sich Wissenschaftler in der Bistums-Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster beschäftigt. „Kirche-und-Leben.de“ sprach darüber mit dem Tagungsleiter Martin Dabrowski.

Mit Folgen der Künstlichen Intelligenz haben sich Wissenschaftler in der Bistums-Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster beschäftigt. „Kirche-und-Leben.de“ sprach darüber mit dem Tagungsleiter Martin Dabrowski.

Herr Dabrowski, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung sind in aller Munde. Was kommt auf uns in den nächsten Jahren zu?

Die Wirtschaft befindet sich in einer Phase  umwälzender Veränderungen, die unter Stichworten wie Künstliche Intelligenz (KI), Digitalisierung oder Vierte  industrielle Revolution diskutiert werden. Die Auswirkungen auf die Arbeitswelt durch neue Formen der Automatisierung sind enorm. Begründete Ängste  bestehen daher bei vielen Menschen, die bereits um ihren Arbeitsplatz fürchten. Sogar Jüngere haben Sorge um eine vermeintlich solide Berufswahl: Diese kann sie in eine Sackgasse führen, weil im Unterschied zu früher zahlreiche Berufe betroffen sein werden, die bisher eine vergleichsweise hohe Qualifikation erfordern.

Wer wird von der KI profitieren?

Anlass zur Freude sehen nicht nur jene Ingenieure, Unternehmer und Manager, die enorme  Potentiale für die Entwicklung neuer Märkte und hohe Effizienz­gewinne in nahezu allen bestehenden Märkten im Blick haben. Zuversichtlich in die Zukunft können auch viele jüngere Menschen blicken, denen sich zahlreiche, überwiegend neue Berufsfelder mit höherer Produktivität und attraktiver Entlohnung eröffnen.

Warum sollten sich die Kirchen und christliche Verbände mit KI beschäftigen?

Martin DabrowskiMartin Dabrowski, stellvertretender Leiter des Franz Hitze Hauses in Münster. | Foto: Johannes Bernard

Die Entwicklung und Nutzung von KI hat Auswirkungen auf alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche. Bei der Anwendung von KI stellen sich sehr viele neue ethische Fragen. Aus diesem Grund müssen sich die Kirchen und auch die christlichen Verbände mit den Folgen des Einsatzes von KI beschäftigen und dann auch in der gesellschaftlichen Diskussion über die Grenzen des Einsatzes von KI klare Positionen beziehen.

Mit Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen haben Sie im über KI diskutiert. Welche Thesen und Argumente kann die Ethik beim Einsatz von KI liefern?

Beim Einsatz von KI kann es (unbeabsichtigt) zu der Diskriminierung und/oder Schädigung von Menschen kommen. Dies wird am Beispiel des autonomen  – von einer KI gesteuerten – Fahrens schon viel diskutiert. Aber auch beim Einsatz von KI, zum Beispiel in der Versicherungswirtschaft bei der Kalkulation von Verträgen, oder beim Einsatz von KI im Personalwesen bei der Auswahl von Bewerbern kann es zur Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts kommen. Dies sind nicht nur theoretische Gefahren, sondern hier gibt es – vor allem aus den USA – schon ganz konkrete Fälle. Über diese negativen Folgen des Einsatzes von KI muss sozialethisch nachgedacht werden, und es müssen Regelungen gefunden werden, die dies in Zukunft verhindern. 

Jede technische Erneuerung hat damit zu tun, zugleich Segen und Fluch zu sein. Worin kann der Segen liegen?

Der Einsatz von KI kann und wird in vielen wirtschaftlichen Bereichen zu Produktivitätsfortschritten und damit zu erhöhtem Wohlstand führen. Außerdem lassen sich komplexe Aufgaben besser lösen als ohne KI. Insbesondere im Bereich der Bekämpfung des Klimawandels erhoffen sich viele Wissenschaftler vom Einsatz von KI neue Möglichkeiten. Es können Effizienzgewinne erzielt werden, die zum Beispiel zum Ausstoß von weniger klimaschädlichen Emissionen führen.

Wie könnten die Horror-Szenarien aussehen?

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann von (totalitären) Staaten dazu missbraucht werden, die Bürger in einem Maß zu überwachen, wie viele es sich heute noch nicht vorstellen können. Schon jetzt existieren von jedem Menschen bei Behörden, bei Unternehmen und auf den verschiedenen Plattformen im Internet eine riesige Menge von Daten. Wenn diese Daten unter Einsatz von KI alle miteinander verknüpft werden, ist eine fast lückenlose Überwachung und Kontrolle möglich.

Veranstaltungs-Tipp
Im Rahmen einer Fachtagung greift die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit unter anderem mit der Akademie Franz Hitze-Haus-Münster das Thema „Kirche im Web“ auf. Das Treffen ist am 5. und 6. März 2020 in Stuttgart. Diskutiert werden aktuelle Digitalthemen, unter anderem die Frage: Digitalisierung und KI – was hat das mit Kirche zu tun? Viele der heute relevanten Technologien gibt es schon lange. Und die zunehmende Verbreitung des Internets und der computerbasierten Technologien in alle Bereiche des Alltags beschleunigen den Prozess. Technologien wie Robotik, BigData oder künstliche Intelligenzen führen zu völlig neuen Produkten und Anwendungen. Und zunehmend werden auch geistige Tätigkeiten automatisiert. Doch wo bleibt der Mensch? Was hat die Kirche damit zu tun? Wird KI der neue Ansprechpartner? Übernehmen Maschinen die Seelsorge? Können Maschinen Kirche machen? Der Segensroboter „BlessU-2“ hatte zum Beispiel auf der Wittenberger „Weltausstellung Reformation“ 2017 Tausende von Menschen gesegnet. Die Installation „BlessU-2“ kommunizierte mit den Besuchern über ein Display – ähnlich wie bei einem Bankautomaten: So konnten die Gäste nach freundlichen Aufforderungen per Eingabe unter anderem wählen, ob und in welcher Sprache ihnen ein Segen zugesprochen werden soll. Weitere Informationen im Internet unter www.akademie-rs.de.

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