So gehen Kindergärten mit Tod und Trauer um

Wie Trostkisten traurigen Kindern in Löningen helfen

Auch für die Kleinsten sind Tod und Trauer ein Thema. Die Löninger St.-Vitus-Pfarrei hat ihre Kindergärten deshalb mit einer neuen Materialsammlung ausgerüstet.

 

Anzeige
  • Anzeige Franziskaner helfen

Ein Unfall, wie er immer wieder passiert, auf der Landstraße Richtung Nachbarort. Es ist schon eine Weile her. Der Fahrer hatte den Zusammenstoß nicht überlebt. Die Tageszeitung berichtete darüber. Die Erzieherinnen wussten deshalb, warum die kleine Tochter des Unfallopfers am nächsten Tag nicht zum Kindergarten kam. Aber sie waren sich zunächst unsicher: Wie gehen wir jetzt damit um?

Sie stellten damals eine Kerze auf, richteten eine Erinnerungsecke ein und beteten mit den Kindern. Für den verunglückten Vater, für die Familie und für das Mädchen, das erst Tage später wieder zurück in seiner Gruppe war.

Erzieherinnen fühlen sich oft allein gelassen

Eine gute Reaktion, lobt Hildegard Bolte. Aus vielen Gesprächen weiß die Pastoralreferentin der Löninger St.-Vitus-Gemeinde: Erzieherinnen fühlen sich oft hilflos und unzureichend vorbereitet auf das Thema Tod und Trauer.

Dabei gehören Tränen für sie durchaus zum Alltag. Hildegard Bolte: „Grund muss nicht der Tod eines Freundes oder Verwandten sein. Oft reicht es aus, dass Kinder einen toten Vogel finden oder dass ein Haustier stirbt.“

Gemeinde hat sieben Trostkisten verteilt

Kinder begegnen dem Tod meist schon früh. „Wir können ihnen solche Erfahrungen auch nicht ersparen“, sagt die Pastoralreferentin, „aber wir können sie begleiten und bei ihnen sein.“ Was dafür allerdings bisher fehlte, waren Handreichungen und Material, die in konkreten Situationen helfen. Bisher – denn Pastoralteam und Pfarreirat der St.-Vitus-Gemeinde haben genau das jetzt geändert.

Insgesamt sieben so genannte Trostkisten hat die Pfarrei dafür an ihre Kindergärten verteilt. Die Idee dazu kam aus dem oldenburgischen Steinfeld. Die Löninger haben sie für ihre Gemeinde weiterentwickelt.

Die Angst, etwas falsch zu machen

„Die Trostkisten sind wichtig, weil auch Erzieherinnen in ihrer Trauer oft selbst sehr gefangen sind“, sagt Hildegard Bolte. „Dazu kommt die Angst, etwas falsch zu machen.“


Franziska Wolking (links) und Hildegard Bolte mit einer Trostkiste. | Foto: Michael Rottmann

Denn Tod und Trauer kommen meist plötzlich und unerwartet. Dann sei es hilfreich zu wissen, wie Kinder trauern, wie man ihnen helfen kann, was gut und wichtig für sie ist. Die Materialien und die Anleitungen in der Löninger Trostkiste sollen Erzieherinnen dazu jetzt einen festen Leitfaden an die Hand geben. Auch für die Situationen, die in den letzten Jahren neu hinzugekommen sind Dazu zählen die Erinnerungen, mit denen Kinder aus Flüchtlingsfamilien zu kämpfen haben. Mit brutalen Bildern aus dem Krieg in Syrien vor Augen oder von der Flucht in überfüllten Booten übers Meer.

Ein Thema auch für Kinder mit Fluchterfarungen

Hildegard Bolte spürt das bei Treffen mit Flüchtlingsfamilien. „Dort merken wir immer wieder, wie Kinder und Eltern bei bestimmten Themen erschrecken. Weil Ängste und Erinnerungen dann hochkommen. Zum Beispiel, wenn es um den Krieg in der Heimat geht oder den lebensgefährlichen Weg nach Deutschland.

Gemeinsam mit Pastoralassistentin Franziska Wolking hat sie die Kindergärten besucht, die Erzieherinnen-Teams nach ihren Erfahrungen befragt, das Projekt Trostkiste vorgestellt und nach möglichen Ergänzungen gefragt.

Ein leerer Bilderrahmen für ein Bild des Verstorbenen

So kam die Kiste zu ihrem jetzigen Inhalt. Mit ganz praktischen Elementen, wie zum Beispiel einem leeren Bilderrahmen, in dem sich ein Bild des Verstorbenen aufstellen lässt. Dazu kommen viele symbolische Gegenstände – zum Beispiel bunte Federn.

Hildegard Bolte erklärt: „An so einem Symbol kann man Kindern erklären, dass Tod etwas ganz Schweres sein kann, aber für manche Menschen auch eine Erleichterung. Zum Beispiel, wenn eine Oma lange schwer krank war und ihr durch den Tod etwas ganz Schweres genommen wurde.“

Auch Taschentücher für Tränen sind drin

Seifenblasen stehen für die Schönheit und die Zerbrechlichkeit des Lebens. „Sie sind schön anzuschauen mit ihrem Licht und ihrem Farbenspiel“, erklärt Franziska Wolking, „aber man weiß nie, wann sie platzen.“

Unter den Materialien findet sich auch ein Paket Taschentücher. „Mit denen kann man Tränen trocknen. Das ist wichtig. Die Kinder sollen wissen, dass sie weinen dürfen.“ Denn, so Hildegard Bolte: „Trauernde Kinder brauchen die Bestätigung, dass all ihre Gefühle –  Wut, Ängste oder Hilflosigkeit – berechtigt, normal und akzeptiert sind.“ Kerzen, ein Kreuz mit der Aufschrift „Gott ist stets bei dir“, Streichhölzer, ein Teddy, Bilderbücher – die Materialien sollen Erzieherinnen Tipps und Anregungen geben und so die Arbeit erleichtern.

Im Herbst noch eine Schulung zum Thema

Auch Lieder und Gebete oder die Vorlage eines Elternbriefs finden sich in der beigefügten Themenmappe. Außerdem weitere Ideen, etwa für Aktionen mit den Kindern: gemeinsam den Friedhof besuchen oder eine Kondolenzkarte erstellen. Auch eine Liste mit Buchempfehlungen gehört dazu, unter anderem mit einem Hinweis auf die Bücher, die in der Pfarrbücherei verfügbar sind.

Als Nächstes werden die Teams im Umgang mit dem Material weiter geschult – bei zwei Fortbildungen mit Trauer-Expertin Cécile Droste zu Vischering.

Drucken
Anzeige
  • Komm in den KLup
Anzeige
Anzeige
  • Anzeige CBM