Theologe sieht Kirche vor gravierendem Umbau

Zulehner: Ehrenamtliche Priester mit weltlichem Job

Die Zukunft der katholischen Kirche wird aus Sicht des Wiener Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner vom Engagement ehrenamtlich tätiger Laien bestimmt sein. Das könnte einschneidende Veränderungen für „Hauptamtliche“ haben, also die Priester, sagte Zulehner der Zeitschrift „miteinander“'.

Auch Priester könnten so künftig „ehrenamtlich ihren Dienst in einer Gemeinde erfüllen und wie ehrenamtliche Laien von einem profanen Beruf leben“, so Zulehner. Eine solche Kirche müsse nicht notwendigerweise „armselig“ sein; sie könne „vielmehr zugleich arm und selig sein“.

„Es gibt keine Unberufenen“

Eine Aufwertung des Ehrenamtes sei nicht nur eine Folge von Priestermangel, sondern einer veränderten Theologie und eines veränderten Kirchenbildes nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, so der Pastoraltheologe, und weiter: „Es gibt keine Unberufenen in der Kirche. (...) Jede und jeder ist zu etwas gut, hat eine Berufung für die ganze Gemeinschaft.“ Heute gebe es in der Kirche „so viele Ehrenamtliche wie noch nie zuvor“.

„Umbau von der Priesterkirche zu einer priesterlichen Volk-Gottes-Kirche„: der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner. | Foto: Markus Nolte

Ein Mentalitätswandel zeige sich etwa in einem „Umbau von der Priesterkirche zu einer priesterlichen Volk-Gottes-Kirche“. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen. Denn dieser Umbau sei von Papst Franziskus gewollt, sagte Zulehner mit Blick auf die Vorstellung einer „armen Kirche“: So werde die Kirche künftig voraussichtlich „finanziell ärmer“ sein. Dies werde die Stunde des Ehrenamtes sein.

Mehr Wertschätzung von Laien nötig

Notwendig ist Zulehner zufolge die Förderung einer „Kultur der Berufung“ in der Kirche, um Ehrenamtliche gezielt zu fördern und nicht allein zu lassen. Das Ehrenamt habe sich gewandelt und sei viel stärker von „menschlichen Motivationen“ geprägt: „Wer mitmacht, möchte in einem Team arbeiten, nachhaltig mitgestalten können und von der Gemeinschaft Anerkennung erfahren.“ Dies müsse positiv gefördert werden. Es sei auch die pastorale Aufgabe von Priestern, Laien nicht länger als „Mitarbeiter des Klerus“ zu verstehen, sondern als „Mitarbeiter Gottes“ wertzuschätzen.