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Die Geschichte der Bistumszeitung aus Münster in ihren Titelbildern

75 Jahre „Kirche+Leben“ - von Kardinal von Galen bis heute

  • Vor 75 Jahren, am 17. März 1946 ist die erste Ausgabe der bistumsweiten Kirchenzeitung „Kirche+Leben“ in Münster erschienen.
  • Gründer war der inzwischen selige Kardinal Clemens August von Galen.
  • Ein historischer Überblick von der ersten Ausgabe bis heute - gut zu verfolgen anhand der Entwicklung der Titelseiten.
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Papier ist heiß begehrt in den Nachkriegswochen 1945. Es fehlt an Lebensmitteln, an Wohnungen, Benzin und eben auch an Papier, um das sich die Zeitungsverlage und Verwaltungen bemühen. Erste Zeitungen können nur in kleinem Umfang erscheinen. Wer etwas drucken will, benötigt in Westfalen die Genehmigung der britischen Militärbehörden.

Das Kriegsende am 8. Mai 1945 bietet den Kirchen wieder die Möglichkeit, religiöse Zeitungen und Zeitschriften herauszugeben. Viele waren von den Nationalsozialisten verboten worden, wie 1937 die in Recklinghausen verlegte Zeitung „Unser Kirchenblatt“.

Erster Versuch 1945

Der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, weiß um die Bedeutsamkeit von Zeitungen, um das freie Wort in die Öffentlichkeit zu tragen. Schon am 22. Mai 1945 beantragt er bei der britischen Militärregierung für die Provinz Westfalen die Herausgabe eines amtlichen Diözesan-Kirchenblatts.

Noch ist die Zeit für eine Kirchenzeitung nicht gekommen. Amtliche Bekanntmachungen der Kontrollbehörden und lokale Zeitungen haben Vorrang bei der Verteilung des knappen Papiers.

Dass Bischof Graf von Galen auf die Herausgabe einer Kir­chenzeitung drängt, teilt er am 6. Juli 1945 seinen Dechanten im Bistum mit: „Wenn uns nunmehr die Freiheit gegeben wird, so werden wir mit Freuden wieder dieses bewährte Seelsorgemittel in unsere Arbeit einstellen und dafür sorgen, dass es möglichst jede Woche jeder Familie zugestellt wird.“

Vorgänger in Oldenburg

Die Bistumsleitung hat genaue Vorstellungen, wie eine für das Bistum einheitliche und doch lokale Kirchenzeitung auszusehen hat: „In reiflicher Überlegung haben wir uns entschlossen, ein offizielles müns­tersches Kirchenblatt für die ganze Diözese einzuführen, dessen Schriftleitung in Müns­ter den Haupttext bereitstellt, wozu dann in den einzelnen Gebieten Sondernachrichten für die dortigen Pfarrgemeinden hinzugefügt werden können.“

Regionale Kirchenzeitungen soll es nicht mehr geben. So erschienen bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten für das Ruhrgebiet und das südliche Müns­terland in Recklinghausen „Unser Kirchenblatt“, für das Land Oldenburg „Kirche und Leben“, für den nördlichen Niederrhein ein „Katholisches Kirchenblatt“ und weitere Blätter für den Raum Gelsenkirchen-Bottrop.

Lange Verhandlungen

Unsere Angebote für ein Zeitungs-Abo von „Kirche+Leben“ finden Sie hier.

Bischof Graf von Galen bringt die katholischen Verleger Bitter, Massing, Post, Postberg und Regensberg zusammen, um eine neue Verlegergemeinschaft zu bilden. Kooperiert wird mit den Kirchenvertretern und Verlegern im Offizialat Oldenburg.

Diese Verhandlungen und die Lizenzvergabe durch britische Militärbehörden verzögern sich. Bei der Namensgebung einigt man sich schließlich auf „Kirche und Leben“, den Titel der früheren Oldenburger Kirchenzeitung. Im Dezember 1945 erteilt Bischof Graf von Galen der neugegründeten Ludgerus-Verlags GmbH den Auftrag, die Zeitung zu verlegen. Eine Probenummer wird der Kontrollbehörde präsentiert, die schließlich ein Kontingent von fünf Tonnen Papier zusichert.

Galens erstes und letztes Geleitwort

Am 13. März 1946 genehmigt sie eine Auflage von 220 000 Exemplaren bei wöchentlichem Erscheinen mit vier Seiten oder bei vierzehntäglichem Erscheinen mit acht Seiten.

Der Bischof, der am 18. Februar in Rom in das Kardinalskollegium aufgenommen wird, ist zufrieden mit den Verhandlungen und schreibt für die erste Ausgabe am 17. März 1946 ein längeres Geleitwort. „Endlich ist euer und mein langgehegter Wunsch erfüllt. Von jetzt an erscheint wieder das amtliche Kirchenblatt für das Bistum Münster. Fast neun Jahre haben wir es entbehren müssen. Es soll bewusst an die Tradition der damals verbotenen Diözesankirchenblätter anknüpfen. Und so soll das Bistumsblatt dem Leben dienen, dem Leben der Gotteskinder in dieser Welt, es soll uns helfen, das Leben in Familie, Beruf und Amt, auch das öffentliche, soziale und gesellige Leben im Lichte der christlichen Wahrheit zu betrachten und zu beurteilen, es nach dem heiligen und heilbringenden Willen Gottes zu gestalten.“

Galen stirbt früh

Den Aufstieg der Zeitung zur größten deutschen Bistumszeitung kann Kardinal von Galen nicht mehr erleben. Er stirbt wenige Tage nach Erscheinen der ersten Ausgabe, am 22. März 1946.

Kirche+Leben“ wird zum Erfolgsschlager und hält die Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren auch in den wirtschaftlich schwierigen Nachkriegsjahren. Im Oktober 1948 kann der Umfang auf acht Seiten erweitert werden, 1954 dann auf zwölf Seiten und in einem größeren Zeitungsformat. Erstmalig werden zwei Seiten Pfarrnachrichten je Dekanat eingefügt.

Umfang-Erweiterung

Mit der Gründung des Bistums Essen 1958, bei der das Bistum Münster einige Dekanate an das neue Bistum abgibt, verliert „Kirche+Leben“ rund 45 000 Bezieher. Doch bereits zwei Jahre später können die Verleger Bischof Michael Keller mitteilen, dass die an das Bistum Essen abgegebenen Abonnenten durch intensive Werbung und Vertriebsarbeit wieder aufgeholt sind.

Im Jahr 1960 erscheint „Kirche+Leben“ auf 16 Seiten und erstmals mit einer Zusatzfarbe. 1983 wird das Format mit 20 Seiten auf das so genannte Berliner Format umgestellt.

In den 2000er Jahren wird der durchgängige Vierfarbdruck zum Standard. Aufgabe von Verlag und Redaktion ist es, die Wochenzeitung auch in der grafischen Gestaltung weiterzuentwickeln, die den Ansprüchen der Leserschaft Rechnung trägt.

Internationale Preise

„Kirche+Leben“ erhält mehrere internationale Preise für gelungenes Zeitungsdesign: 2005 wird der Umgang mit Typografie durch einen „Award of Excellence“ und die Gestaltung von Sonderseiten beim „European Newspaper Award 2006“ ausgezeichnet. 2012 wird ein „Relaunch“, wie eine verbesserte Gestaltung einer Zeitung bezeichnet wird, wiederum mit einem „Award of Excellence“ bedacht.

Technische Neuerungen erweitern den Zugang zur Bistumszeitung: Seit 2016 können Leserinnen und Leser jeden Mittwoch ab 17 Uhr die neuen Inhalte der Zeitung als E-Paper abrufen. Ob mit Smartphone oder Tablet: Auf allen Mobilgeräten ist die digitale Ausgabe der Wochenzeitung zu lesen.

Im Jahr 2002 wurde die gedruckte Wochenzeitung durch das tagesaktuelle Online-Magazin "kirchensite.de" ergänzt. 2016 schließlich wuchs zusammen, was zusammengehört: Aus "kirchensite.de" wurde „Kirche-und-Leben.de“. Zum digitalen Angebot gehören Informationen über "Facebook" und Videos auf "Youtube".

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