Berufe in der Kirche - Teil 11: Die Lehrerin

Als Naturwissenschaftlerin an einer katholischen Schule

Nein, sie hatte als Chris­tin vor Jahren keine Probleme damit, Naturwissenschaften zu studieren und sie hat heute noch weniger welche, sie zu unterrichten. Die 48-jährige Biologie- und Chemielehrerin Sandra Rösing schüttelt entschieden den Kopf. „Warum auch?“, fragt sie. Sicher, in der Bibel stünden viele Geschichten, die man heute als Bilder verstehen müsse. „Zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte“, sagt sie. „Diese Schilderungen muss man den Jugendlichen erklären.“ Doch ihrer Ansicht nach können Glaube und Wissenschaft gut neben­einander stehen.

Die gebürtige Bocholterin ist seit 1999 Lehrerin an der katholischen Marienrealschule in Xanten. Neben den beiden Fächern Biologie und Chemie unterrichtet sie auch Physik und Mathematik. Ihre Liebe gehört der Biologie. „Dieses Fach ist so vielschichtig. Ich kann mich mit so vielen Themen beschäftigen. Vieles von dem, was ich im Alltag anpacke, hat mit Biologie zu tun“, erklärt sie.

Biologie ist beliebt

Oft werde sie von den Schülerinnen gefragt, was die Ursache für den Ausschlag eines geliebten Haustieres sein könne, erzählt sie und muss dabei lächeln. „Die Schülerinnen denken oft, die Biologielehrerin weiß alles.“ Rösing freut sich aber über das große Vertrauen.

Biologie ist nach ihrer Einschätzung ein sehr beliebtes Fach. Bei der Vorstellung von Biologie glauben die Fünftklässler, man spreche vor allem über die Haustiere wie Hund, Katze oder Hamster. „Im Laufe der weiteren Schuljahre wächst der Wissenshunger auch darüber hinaus.“

Chemie als Angstfach

Ihr zweites Unterrichtsfach Chemie war naheliegend. Vieles ergänze sich im Studium. Sie erlebt im Unterricht allerdings, dass Chemie ein „Angstfach“ ist. Als Lehrerin will sie den Schülerinnen diese Angst  nehmen. Rösing ist Naturwissenschaftlerin mit Leib und Seele. Naturwissenschaften sind für sie eindeutig. Sprachen hätten eine Regel und zehn Ausnahmen. „Wenn man in Biologie oder auch Chemie die Zusammenhänge verstanden hat, muss man sie nicht auswendig lernen, wie zum Beispiel Vokabeln.“ Hört man der Lehrerin eine Weile zu, wird bald klar, dass sie mit Fremdsprachen nicht viel verbindet.

Vor 20 Jahren rief Alfred Peil,  der damalige Rektor der Marienrealschule, Rösing an. Er lud sie zu einem Einstellungsgespräch ein. Schnell fand man zueinander. Am Ende des Ge-sprächs stand der Entschluss, dass sie an der katholischen Schule in Xanten beginnen würde.

Bewusst für Marienschule entschieden

Sie weiß noch genau, wie überrascht sie damals war. „Ich hätte in Wesel auch an einer öffentlichen Schule beginnen können“, erinnert sie sich. Sie rief Rektor Peil nach dem Gespräch an, um sich zu vergewissern, ob er nach wie vor interessiert sei, was er bestätigte. Bewusst hat sie sich für die Marienrealschule entschieden.

Natürlich werde auch in der katholischen Schule das unterrichtet, was auch an öffentlichen Schule auf dem Lehrplan steht. Doch der erste Eindruck ist ihr in Erinnerung geblieben. „Die Atmosphäre hat mich sofort in Beschlag genommen“, sagt Rösing.

Mit Respekt begegnen

Es ist der Respekt, mit dem sich Schülerinnen und Lehrer begegnen. Darüber hinaus kennzeichnen zum Beispiel das morgendliche Gebet, der Schulgottesdienst oder die gemeinsame Wallfahrt die schulische Atmosphäre.

Im Unterricht werden neben der wissenschaftlichen Seite auch die christlichen Aspekte besprochen. Im Biologieunterricht ist das Thema Gentechnik beispielhaft.

Im schulinternen Lehrplan hat sich Rösing als Fachschaftsvorsitzende damit auseinandergesetzt. „Dürfen wir alles, was wir können?“, lautete die Frage. Für sie persönlich ist klar: „Wenn ich nicht gläubig wäre, könnte ich an einer katholischen Schule nicht unterrichten.“