Aus Visbek stammender Bischof von Óbidos zu Gemeindeleitung durch Laien, zu Frauen und Sexualmoral

Amazonas-Synode – Bischof Bahlmann für verheiratete Priester

Interview mit Bischof Johannes Bahlmann
Bischof Johannes Bahlmann im Interview.Video: Markus Nolte, Martin Schmitz
Bischof Johannes Bahlmann

Der aus Visbek im Kreis Vechta stammende brasilianische Bischof Johannes Bahlmann (58) kann sich verheiratete Männer als Priester vorstellen. Das sagte der Bischof des Amazonas-Bistum Óbidos im Gespräch mit „Kirche+ Leben“. In seiner 182.000 Quadratkilometer großen Diözese in Brasilien gebe es Gemeinden, „die nur zwei- oder dreimal im Jahr die Messe feiern können, wenn der Priester kommt“. „Es ist wichtig, dass es Priester vor Ort gibt“, betont Bahlmann. Denn ihr Dienst beschränke sich nicht nur auf die Eucharistiefeier, sondern umfasse auch Nächstenliebe und Glaubensstärkung.

Der Bischof nimmt an der Amazonas-Synode teil, die Papst Franziskus am 6. Oktober im Vatikan eröffnet. Die dreiwöchige Versammlung soll unter anderem über neue Formen von Seelsorge in Gebieten mit wenigen Priestern beraten. Weitere Themen sind die Rechte von Indigenen und die ökologische Zukunft der Region. Laut dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck wird die Synode in den Fragen Struktur, Sexualmoral, Priesterbild und Frauen in der Kirche zu einer Zäsur führen: „Nichts wird mehr sein wie zuvor.“ Overbeck ist in der Deutschen Bischofskonferenz für Lateinamerika zuständig.

Bahlmann: Mehr Verantwortung für Laien

Bahlmann sprach sich zudem dafür aus, bei der Synode in Rom über Gemeindeleitung durch Laien zu sprechen. Er habe in seinem Bistum „durchweg sehr gute“ Erfahrung damit gemacht. Dort leiteten zu 80 Prozent Frauen Gemeinden mit bis zu 3.000 Gläubigen. Diese Gemeinden seien einer der zwölf Pfarreien im Bistum zugeordnet. Die größte bestehe aus 150 Gemeinden in einem Umkreis von 100 Kilometern. „Da ist es natürlich unmöglich, dass der Priester in jeder Gemeinde Verantwortung übernimmt“, sagte Bahlmann.

Er hoffe zudem darauf, dass Rom den Bistümern sowie der nationalen und den 18 regionalen Bischofskonferenzen Brasiliens mehr Verantwortung überträgt. „Das heißt aber auch, dass wir die Verantwortung innerhalb der Diözesen neu sehen: Wie können wir da verstärkt Verantwortung an Laien abgeben?“, fragte Bahlmann.

Sexualmoral kein dringendes Thema

Fragen der Sexualmoral, die in vielen westlichen Ländern diskutiert werden, sieht er für die Menschen in Brasilien als nachrangig an. Allerdings gebe es zunehmend auch in den Gemeinden Paare, die unverheiratet zusammenleben. „Ich würde mir da natürlich Anderes wünschen“, räumte Bahlmann ein, „aber man kann das nicht auf Biegen und Brechen einfordern.“ Es sei zwar wichtig, für die Werte der Kirche zu werben. „Aber oft kommen wir gar nicht so weit, weil dazu das Personal fehlt.“

Mit Blick auf Klimawandel und die Brandrodungen im Amazonas-Gebiet sagte Bahlmann, auch darüber werde bei der Amazonas-Synode zu sprechen sein. „Aber es kann sich nur etwas ändern, wenn sich die Mentalität und die Haltung der Menschen ändert – nicht nur im Amazonas-Gebiet, sondern weltweit.“

Wer ist Johannes Bahlmann?

Johannes Bahlmann trat 1984 in Brasilien in den Franziskanerorden ein. Seit 2001 ist er brasilianischer Staatsbürger. 2009 weihte ihn Bischof Felix Genn im Münsteraner Dom zum Bischof. Am vergangenen Wochenende erhielt Bahlmann die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt Visbek.

Das gesamte Interview mit Bischof Johannes Bahlmann finden Sie in der gedruckten Ausgabe 36 vom 8. September 2019 der Wochenzeitung „Kirche+Leben“. Einzelbestellungen sind auch als E-Paper auf der Seite unseres Vertriebs möglich.