300 Menschen vor dem Rathaus in Münster

Antisemitismus-Kundgebung und Gedenken an die Opfer von Halle

Einen Tag nach dem Terror-Attentat auf die Synagoge in Halle an der Saale sind in Münster etwa 300 Menschen zu einer Kundgebung vor dem Rathaus zusammengekommen. Neben dem Gedenken an die Opfer stand dabei ein deutliches Eintreten gegen jede Form von Antisemitismus im Vordergrund. Verschiedene Jugendorganisationen aus Politik, Universität und Verbänden hatten zu der Veranstaltung eingeladen, darunter das Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG).

Der Angriff auf die Gottesdienstgemeinde in Halle sei viel mehr als nur ein Alarmzeichen gewesen, sondern ein massiver Angriff auf jüdisches Leben, sagte Philipp Breder von der DIG in seiner Rede. „Diese Tat reiht sich in eine Kette antisemitischer Angriffe der vergangenen Jahre.“ Er erinnerte auch an die Schüsse auf die münstersche Synagoge im Jahr 2015.

„Ideologisch war der Täter von Halle keine Einzeltäter“, sagte Breder. Vielmehr sehe er die Gefahr, dass der Schwur „Nie wieder sollen Juden auf deutschem Boden um ihr Leben fürchten müssen“ in vielen Bereichen der Gesellschaft nicht mehr gelte.

Stadtdechant will deutliches Zeichen setzen

Stadtdechant Jörg Hagemann war gekommen, um „absolut deutlich zu machen, dass so etwas nicht passieren darf“. Ihm sei im Zug der aktuellen Berichterstattung noch einmal bewusst geworden, wie weit antijüdisches Denken sich mittlerweile wieder ausbreite. „Es gibt auch in Münster Juden, die sich nicht trauen, ihre Kippa zu tragen“, sagte er am Rande der Kundgebung zu „Kirche-und-Leben.de“. „Es darf nicht sein, dass wir das in Deutschland nicht wahrnehmen wollen.“

In Halle waren am Mittwoch während eines Gottesdienstes zum jüdischen Feiertag Jom Kippur nahe einer Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Der mutmaßliche Täter hatte versucht, in die Synagoge einzudringen, was ihm misslang. Er wurde imzwischen festgenommen. Nach Erkenntnissen der Polizei handelte er aus antisemitischen und rechtsextremen Motiven.