Carismo tanzt an Palmsonntag in Münster am Vertikalseil

Atemberaubende Artistik zur Matthäus-Passion

Martin Bukovsek hängt sich am liebsten in Kirchen. Der Schwabe mit dem Künstlernamen Carismo ist gläubiger Katholik und Vertikaltuch-Artist. An Palmsonntag wird er ohne jede Sicherung knapp 20 Meter hoch ins Gewölbe von Münsters St.-Joseph-Kirche an der Hammer Straße klettern und auf seine Weise die Leidensgeschichte Jesu tanzen.

Seine atemberaubende Artistik ist Teil der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach, die am Palmsonntag um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche aufgeführt wird. An zwei Stellen des rund zweieinhalbstündigen Werks interpretiert Carismo das, was die Musik zum Klingen bringt: wie Jesus leidet, stirbt – und die Menschheit erlöst.

Zirkus in der Kirche?

Für Carismo sind seine Darbietungen alles andere als Zirkus, Varieté, Unterhaltung. Wenn er wie Jesus am Kreuz buchstäblich in den Seilen hängt, ist für ihn klar: „Ich bin da ganz drin“, sagt er. „Ich bete in dieser Haltung jedes Mal: ‚In deine Hände lege ich meinen Geist.‘ Und ich meine das genau so. Ich bin Jesus in diesem Moment unsagbar nah.“ Nicht ohne Grund erwarb er in seinem Heimatbistum Rottenburg-Stuttgart die Befähigung zum Religionsunterricht.

Stefan RauStefan Rau, Pfarrer von St. Joseph in Münster. | Foto: Michael Bönte

Auch für Pfarrer Stefan Rau geht es mit der Einbindung von Carismo nicht um Spektakel, zumal der Künstler 2009 schon einmal in der St.-Joseph-Kirche getanzt hat. „Seit einigen Jahren machen wir mit besonderen kirchenmusikalischen Werken an Palmsonntag und Karfreitag auch jenen ein Angebot, für die die Kirche fremd bleibt.“ Und er erläutert: „Sie spüren zwar, dass Palmsonntag und Karfreitag besondere Tage sind, aber gleich einen ganzen Gottesdienst mitzufeiern, wäre womöglich zu viel für sie.“

Für Kirchenfremde – aber mit einer Ansprache

Darum gibt es im Lauf des Jahres weitere solcher musikalischen Angebote – teils mit immer demselben Programm: „Mozarts Krönungsmesse am zweiten Weihnachtstag oder Duruflés Requiem an Allerheiligen schreiben sich manche jedes Jahr fest in ihren Kalender“, weiß Müller. Für Pfarrer Rau ist das wichtig: „Solche verlässliche und verbindliche Punkte im Jahr zu setzen, ist uns wichtig.“

Und doch soll es nie nur um ein Konzert gehen. „Es gibt immer eine Ansprache – und wir ergänzen die Musik mal mit Tanz, Bildern, Licht oder eben einem Vertikaltuch-Artist.“

Eintritt frei – aber wer zahlt die Musik?

Matthäus-Passion in St. Joseph
Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach wird am 25. März 2018 um 18.30 Uhr musiziert von den rund 160 Sängerinnen und Sängern der drei Pfarrei-Chöre: des Kinder- und Jugendchors, des Kammerchors Cantamus und des Projektchors. Solisten sind Ansgar Theis, Max Ciolek, Kathrin Zukowski, Clara Corinna Scheuerle, Jaeil Kim, Mathis Koch sowie Solisten der Chöre. Es spielt das Orchester Unitate Melos. Die Gesamtleitung hat Winfried Müller.

Kirchenmusiker Winfried Müller betont, dass Johann Sebastian Bach in seiner Matthäus-Passion eine halbstündige Pause vorgeschrieben habe – für eine Predigt. „Aber ganz so lange wird sie bei uns nicht sein“, verspricht er. „Ich hoffe einfach, dass sich die Menschen trauen, zu sich zu kommen und das an sich heranzulassen, was die Musik darstellt – auch durch Carismo.“

Entsprechend wird es auch keinen Eintritt für die Matthäus-Passion in der St.-Joseph-Kirche geben. „Das ist schon ein Risiko“, räumt Müller ein. „Aber es wird etwas kleiner durch gleich zwei Fördervereine, die Kollekte am Palmsonntag-Abend und den Kirchenmusik-Etat der Pfarrei.“ Für Pfarrer Rau ist klar: „Die Kirchenmusik ist ein großes Portal in unserer Gemeinde.“