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Schwester Ulrike Soegtrop OSB über eine Hochzeit und vier Skandale

Auslegung der Lesungen vom 32. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)

Was ist töricht, was ist klug? Das Gleichnis Jesu von den Frauen mit und ohne Ölvorrat ist geradezu ein klassisches Evangelium. Im Zentrum: eine Hochzeit und die Ankunft des Bräutigams. Doch Schwester Ulrike Soegtrop OSB aus der Benediktinerinnenabtei Burg Dinklage macht in ihrer Schriftauslegung auch vier Skandale aus.

Klug sind sie, die fünf jungen Frauen mit ihrem Ölvorrat. Lis­tig sind sie auch: „Geht doch zu den Händlern und kauft euch Öl!“ Die Törichten wiederum sind töricht genug, um die Ironie darin nicht zu merken, mitten in der Nacht zu den Händlern geschickt zu werden. „Seid klug wie die Schlangen“ sagt Jesus an anderer Stelle. Die Fünf mit Ölvorrat sind es. Sie handeln vorausschauend und nehmen blitzschnell auch noch ihre Chance wahr, die Zahl der Mitbewerberinnen um die Gunst des Bräutigams im Festsaal um fünf zu reduzieren.

Doch auch die Törichten können sich auf Jesus berufen, wenn er sagt: „Seid arglos wie die Tauben.“ Arglos sind sie, enthusiastisch und ohne sich von so banalen Fragen wie der nach dem Ölvorrat irritieren zu lassen.

Katastrophale Zeichen

Die Texte des Lesungen des 32. Sonntags (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

Glaubt man einer wachsenden Zahl von Evangelikalen in den USA, dann steht die Wiederkunft Christi bis 2050 bevor. Katastrophen und der Kampf zwischen Gut und Böse, wie sie heute zu erleben sind, sind die Vorzeichen. Dieser Glaube ist alltagsrelevant. Denn wenn das irdische Leben nur noch 30 Jahre währt, muss man sich nicht mit Fragen wie Klimawandel oder Ressourcenknappheit belasten. Bis 2050 wird es schon noch reichen. Alle Aufmerksamkeit ist auf den baldigen Tag ausgerichtet. Wie bei den törichten jungen Frauen des Evangeliums.

Der Text dieses Sonntags ist provozierend. Man kann ihn auch skandalös nennen. Skandal Nr. 1: Der Bräutigam verspätet sich erheblich, denkt aber nicht daran, sich zu entschuldigen. Skandal Nr. 2: Es geht um ein Hochzeitsmahl, aber die Braut ist nicht der Rede wert. Skandal Nr. 3: Egoismus wird gelobt; Teilen ist nicht angesagt. Skandal Nr. 4: Der Bräutigam zeigt kein Mitleid, sondern reagiert mit kalter Strenge „ich kenne euch nicht“.

Was hat es mit Licht und Öl auf sich?

Ulrike Soegtrop OSB
Ulrike Soegtrop OSB, Schwester der Benediktinerinnenabtei St. Scholastika Burg Dinklage. | Foto: Markus Nolte

Das Gleichnis ist eingebettet in eine Serie von Gleichnissen rund um das Thema „Weltgericht und Wachsamkeit“. Es wirft Fragen auf: Gilt beim Endgericht doch nicht, was Jesus nur zwei Kapitel später sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“? Ist die egoistische Variante der Klugheit noch eine Tugend? Wie ist es um die Barmherzigkeit Gottes bestellt, die Jesus so oft preist?

Vielleicht liegt der Schlüssel zum Verstehen in den beiden Metaphern Licht und Öl. Alle zehn jungen Frauen sind Lichtträgerinnen. Alle Zehn haben ein klares Ziel: dazu zu gehören, vom Bräutigam gekannt zu sein und dem Festmahl mit ihrem Licht Glanz zu verleihen. Licht ist unverzichtbares Utensil auf dem Weg. Es steht für den freudigen Glauben, zum Festmahl eingeladen zu sein und für die Hoffnung, dazuzugehören.

Ein Erholungsschläfchen ist okay

Was soll nun das Öl bedeuten? Im Kapitel zuvor ist von erkaltender Liebe die Rede; also auch von etwas, das langsam weniger werden kann – wie Öl. Das Licht braucht das Öl. Glaube und Hoffnung brauchen die Liebe, die den Alltag durchträgt und uns zu jenen Menschen macht, die von Gott erkannt werden. Daran scheint es den Törichten zu mangeln.

Die Ostkirchen verwenden das Bild der zehn jungen Frauen in der Totenliturgie. Für eine verstorbene Christin wird gebetet: „Mit den klugen Jungfrauen rufe deine Tochter in dein Brautgemach. Gelobt sei Christus, der Bräutigam in den Höhen und das Licht der Gerechten, bei dessen Ankunft die klugen Jungfrauen jubeln und frohlocken.“ Zugleich wird gesagt: „In dieser Stunde, wenn der Bräutigam kommt, kann nicht einmal ein Engel ihn umstimmen, wenn das Tor verschlossen und der Vorhang im Heiligtum zugezogen ist.“

Fazit: Ein Erholungsschläfchen ab und an ist uns gegönnt. An Licht und Öl; konkret an Glaube, Hoffnung, Liebe und ihre Bewährung im Hier und Jetzt messen sich Wachsamkeit und Bereit-Sein für den Tag aller Tage.

Und 2050 ist Feierabend?

Und 2050? Es ist anmaßend und überheblich zu meinen, den Tag der Wiederkunft Christi vorhersagen zu können. Es ist töricht und dumm, nicht für Licht und Öl in den drängenden Krisen unserer irdischen Tage zu sorgen. Zumal anders als im Gleichnis, nicht nur die Dummen die Konsequenzen tragen und die Dummen sein werden, sondern wir alle.

Lernen können wir von den 2050-Gläubigen aber eines: wachsam zu sein und das, was sich hinter den Metaphern Wiederkunft Christi und himmlisches Festmahl verbirgt, zu erwarten. Nicht nur bis 2050 und doch alltäglich: „Denn wie der Blitz im Osten aufflammt und bis zum Westen hin leuchtet, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein“ (Mt 24,27).

Sämtliche Texte der Lesungen vom 32. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) finden Sie hier.

 

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