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Schwester Ulrike Soegtrop erklärt im Interview die Hintergründe

Benediktinerinnen von Dinklage schließen Weberei und Paramentenwerkstatt

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In den 1990er Jahren waren ihre groben, farbkräftigen Gewänder weit über die Abtei Dinklage im Oldenburger Land hinaus bekannt und beliebt. Sogar ein Papst hat eines getragen. Jetzt haben die Benediktinerinnen schweren Herzens entschieden: Nach über 70 Jahren werden Weberei und Paramenten-Werkstatt zum Jahreswechsel geschlossen. Über die Gründe, den "Dinklager Stil" und einen bischöflich-textilen Rat hat "Kirche-und-Leben.de" mit Schwester Ulrike Soegtrop OSB gesprochen. 

Schwester Ulrike, seit wann gab es die Paramenten-Werkstatt?

Den ersten Webstuhl bekamen wir bereits kurz nach unserem Einzug auf Burg Dinklage in 1949 geschenkt. Die Schwestern haben zunächst Kissen und Decken gewebt, um zu lernen, mit Webstuhl und den Materialien gut umzugehen. Zu der Zeit hatten wir noch eigene Schafe. Die Wolle wurde von den Schwestern in der Gräfte gewaschen, dann von eigener Hand  gesponnen und zu Decken weiterverarbeitet. Zwei Schwestern wurden für dieses Handwerk ausgebildet. Mit Schwester Ursula Hemmer hatten wir außerdem eine gute Näherin. Aus diesen Talenten ist dann die Idee entstanden, Paramente herzustellen.

Ihre Gewänder waren weit über das Oldenburger Land hinaus bekannt. Es gab lange einen echten Dinklage-Stil. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Violettes Gewand aus DinklageGrober Stoff, kräftige Farben prägte den "Dinklager Paramenten-Stil" lange Jahre. | Foto: Abtei Dinklage

Die Schwestern waren in liturgischen Fragen recht sensibel. Die Paramente sollten die Erhabenheit und Feierlichkeit dessen unterstreichen, was in der Liturgie geschieht. Die Schwestern haben viel ausprobiert – mit Farben und Materialien. Bildhafte Darstellungen auf den Messgewändern kamen für sie nicht infrage. Ein Erkennungsmerkmal der Dinklager Paramente war in den ersten Jahrzehnten das Zusammenspiel von grobem Woll- oder Leinenstoff, aus dem kunstvolle Paramentenstoffe entstanden mit farbigen und golddurchwebten Mustern. Diese zeichnen sich bis heute durch eine klare Linienführung und eine behutsame Ausschmückung durch Handwebtechniken aus. In den 90er Jahren hat uns der spätere Weihbischof Heinrich Timmerevers, heute Bischof von Dresden-Meißen, dann einen wichtigen Hinweis gegeben, der zu einer Stilveränderung führte. Von da an haben die Weberinnen Seide als Material eingesetzt. Das hat der Paramentik einen neuen Antrieb gegeben. Noch immer kann man den einzigartigen Dinklager Webstil, der sich aus dem Einzug ergibt, unschwer erkennen.

Über den Daumen gepeilt: Wie viele Gewänder sind in der Zeit wohl entstanden?

Rotes GewandRote Stola auf rotem Gewand: entstanden in der Paramentenwerkstatt von Dinklage. | Foto: Abtei Dinklage

Schwer zu sagen. Es gab sehr produktive Jahre, wenn zum Beispiel eine Domgemeinde eine ganze „Kapelle“ bestellt; das waren dann schon mal bis zu einem Dutzend gleicher Gewänder. Oder auch, wenn ein großer Weihejahrgang bei uns zu Exerzitien kam und unseren Stil entdeckte. Aber es gab auch die Jahre der Verunsicherung nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanum oder auch „Modetrends“, die die Schwestern nicht mitmachen wollten. Doch mehr als 1.000 waren es auf jeden Fall.

Wer sind wohl die prominentesten Träger Ihrer Paramente?

Diese Frage ist leicht zu beantworten: Prominentester Träger eines unserer Gewänder war Papst Johannes Paul II.. Zu seiner Deutschlandreise 1996 erhielten wir den Auftrag, den Stoff für ein Messgewand zu weben; genäht haben ihn dann unsere Schwestern in Alexanderdorf. Einige unserer Gewänder sind ins Ausland gegangen, zum Beispiel nach Amerika oder Afrika. Beim Katholikentag in Münster 2018 waren unsere Gewänder beim Abschlussgottesdienst auch präsent.

Wie viele Mitarbeitende gab es in der Weberei und Paramenten-Werkstatt? Hatten Sie auch Angestellt dort? Was geschieht mit ihnen?

Weiß-gelbe StolaWeiße Stola mit gelben Elementen auf weißem Gewand. | Foto: Abtei Dinklage

Gewebt haben immer ausschließlich Schwestern. Als Näherin hatten wir über viele Jahre eine Frau aus Dinklage angestellt. Sie ist aber vor einigen Jahren aus Altersgründen ausgeschieden. Unsere Schwester Walburga Lubahn hat ungefähr vier Jahrzehnte gewebt und war eine Künstlerin. Sie ließ sich so manches Mal von liturgischen Texten anregen. Sehr gefragt warzum Beispiel ihre gewebte Darstellung des Sonnengesangs. Schwester Maria Regina Albers hat viele Jahre genäht und dann parallel eine Ausbildung als Weberin gemacht, die sie mit der Gesellinnenprüfung abgeschlossen hat. Vor fünf Jahren hat sie Schwester Walburga in der Leitung der Weberei abgelöst, der es mit 75 Jahren doch langsam schwerfiel, den Webstuhl zu bedienen.

Die Weberei und Paramentik waren für unsere Gemeinschaft ein sehr geliebter Betrieb. Sie haben Farben und Schönheit, künstlerisches Tun mit liturgischer Sensibilität verbunden. So war es für uns alles andere als leicht, die Schließung der Werkstätten anzugehen. Wir sind froh, dass uns mit der Ikonenwerkstatt und der Kerzenwerkstatt der künstlerische Akzent erhalten bleibt.

Wie hat sich der Verkauf von Paramenten in den letzten Jahren entwickelt?

Schwester Ulrike SoegtropSchwester Ulrike Soegtrop ist Schwester der Benediktinerinnenabtei St. Scholastika Burg Dinklage. | Foto: Archiv

Schon seit Jahren zeigt sich, dass sich die Nachfrage und der Umgang mit Paramenten verändern. Das hat verschiedene Gründe. Die Zahl der Neupriester geht zurück, der Geschmack der jüngeren Priester hat sich verändert. Die hochwertigen handgefertigten Gewänder werden weniger nachgefragt.

Es sind zwar liturgische Gewänder für Frauen hinzugekommen, worüber wir uns sehr gefreut haben. Schwester Maria Regina hat sich mit viel Freude an die Entwicklung guter Modelle gemacht. Doch können sie uns auf Dauer keine wirtschaftliche Grundlage bieten. Wir müssen halt auch schauen, dass wir unsere Energien auf das konzentrieren, was uns in Zukunft trägt. Wir sind zu der Einsicht gekommen, dass die Weberei und Paramentik das nicht sein werden.

Mehr zur Abtei Dinklage finden Sie hier: www.abteiburgdinklage.eu

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